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Starkes Wachstum

Oktober 2026

Das Segment für Aktive ETFs wächst stark. Dag Rodewald, Head ETF & Index Fund Sales Germany & Austria bei der UBS Asset Management, analysiert den Trend.

UBS AM
Dag Rodewald, UBS AM

Aktive ETFs gewinnen rasant an Bedeutung. Sie verbinden die Handelbarkeit und Effizienz der ETF-Struktur mit den Möglichkeiten aktiven Managements und erweitern damit das Spektrum für Anleger. Wo aktive Ansätze besonders sinnvoll sein können und welche Grenzen es gibt, erläutert Dag Rodewald, Head ETF & Index Fund Sales Germany & Austria, bei der UBS Asset Management:

Bei aktiv gemanagten ETFs handelt es sich noch um ein recht kleines Marktsegment – allerdings um eines, das rasant wächst: Aktive ETFs machten Ende 2025 lediglich 10 Prozent des globalen ETF-Vermögens aus, dabei entfielen auf sie 2025 rund 25 Prozent der Nettozuflüsse. In Europa waren es 8,5 Prozent der Kapitalflüsse, wobei sie lediglich 3 Prozent des Gesamtvermögens darstellten. Das bedeutet: Aktive ETFs gewinnen Marktanteile. Gleichzeitig wächst das Angebot immer stärker. Neue Produkte werden aufgelegt und neue Anbieter kommen an den Markt.

PARADIGMENWECHSEL

Aktive ETFs stehen für einen Paradigmenwechsel. Lange waren ETFs ein Synonym für ein passives Indexinvestment. Dabei handelt es sich zunächst um eine Hülle, innerhalb der sich ganz unterschiedliche Investmentstrategien umsetzen lassen – von passiven über systematisch aktiven bis hin zu fundamental aktiven Ansätzen. Es verändert sich also nicht das ETF-Prinzip, vielmehr erweitert sich das Spektrum der Möglichkeiten, die Anleger innerhalb dieser Hülle nutzen können.

Unserer Erfahrung nach stellen aktive ETFs bei vielen Investoren aktuell einen ergänzenden Portfoliobaustein dar. Sie sollen über die Kernanlagen hinaus für zusätzliche Diversifikation sorgen, weitere Renditequellen erschließen und potenziell Alpha generieren. Als zusätzliches Werkzeug für die Portfolioallokation können sie dazu beitragen, das Risiko-Rendite-Profil des Gesamtportfolios zu verbessern. Es geht also nicht um die Frage „aktiv oder passiv“, sondern vielmehr um die sinnvolle Kombination beider Ansätze. Besonders interessant kann aktives Management dort sein, wo Marktineffizienzen, ständige Veränderungen oder komplexe Strukturen zusätzliche Handlungsspielräume eröffnen. Ein Beispiel dafür ist der CLO-Markt. Ein aktiver Manager kann gezielt unterschiedliche Investmentmöglichkeiten nutzen und einzelne CLO-Tranchen auswählen, anstatt den Markt mechanisch abzubilden.

Auch auf der Aktienseite können aktive ETFs zusätzliche Möglichkeiten eröffnen – beispielsweise Income-Strategien, die unterschiedliche Einkommensquellen miteinander kombinieren. Neben Dividenden können dazu Aktienrückkäufe und Optionsprämien aus Covered Calls gehören. Ergänzend kann das gewünschte Markt-Beta mit Futures gesteuert werden. Im Vergleich zu klassischen Dividendenstrategien lässt sich dadurch eine breitere Diversifikation erreichen. Denn während diese häufig stark in Sektoren wie Versorgern, Telekommunikation oder Finanzwerten investiert sind, ermöglicht die Berücksichtigung von Aktienrückkäufen auch den Zugang zu anderen Bereichen wie etwa Technologie.

Außerdem kann aktives Management auch bei Themeninvestments Mehrwert bieten. Denn: Trendthemen entwickeln sich ständig weiter, Unternehmen gewinnen oder verlieren an Relevanz, neue Geschäftsmodelle entstehen und bestehende verändern sich. Aktive Fondsmanager können hier unter Umständen flexibler agieren.

ZIELFKONFLIKTE

Anleger müssen bei aktiven ETFs jedoch beachten, dass es hinsichtlich der Transparenz einen Zielkonflikt geben kann: Oft möchten Fondsmanager ihre Investmententscheidungen beziehungsweise ihr Know-how nicht vollständig offenlegen. Denn dann könnten Portfolios schnell kopiert werden. Aus diesem Grund gibt es in den USA semitransparente aktive ETFs. Die Nachfrage nach solchen Strukturen ist bislang jedoch noch überschaubar. Derzeit dominieren systematische aktive Ansätze, bei denen eine tägliche Portfoliooffenlegung weniger problematisch ist. Beim Handel können ebenfalls Unterschiede zu klassischen Index-ETFs entstehen.

Die Zusammensetzung insbesondere fundamental aktiver ETFs kann sich laufend verändern, daher ist die Absicherung für die Handelspartner an der Börse schwieriger als bei einem Standardindex. Das kann zu breiteren An- und Verkaufsspannen und damit zu etwas höheren Handelskosten für Anleger führen. Insgesamt sind die Gebühren bei aktiven ETFs in der Regel höher als bei rein indexbezogenen ETFs. Sie sind aber meist günstiger als klassische aktiv gemanagte Publikumsfonds – wobei aufgrund des steigenden Konkurrenzdrucks auch hier die Preise sinken.

BREITERE HÜLLE

Wir gehen davon aus, dass das Segment aktiver ETFs angesichts steigender Anlegernachfrage, neuer Produkte, weiterer Asset Manager am Markt und bestehender aktiver Strategien, die zusätzlich als aktiver ETF verfügbar gemacht werden, in den kommenden Jahren weiterhin deutlich wachsen wird.

Klassische Core-ETFs dürften zentrale Portfoliobausteine bleiben, aktive Strategien aber zunehmend eine Ergänzung darstellen. Dadurch verschiebt sich die Funktion von ETFs, aus einem Instrument zur passiven Indexnachbildung wird zunehmend eine Produkthülle für unterschiedliche Investmentstrategien. Damit lautet die Frage für Investoren immer weniger: ETF oder aktiver Fonds? Entscheidend wird zunehmend sein, welche Investmentstrategie für welchen Portfoliobaustein geeignet ist – und in welcher Struktur sie sich am effizientesten umsetzen lässt.