Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) verfügt die Federal Reserve (Fed) über ein duales Mandat: Neben der Preisstabilität muss die US-Notenbank auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt berücksichtigen, erklärt Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB, in seinem neuen Kommentar. Darin führt er seine Einschätzung aus:
Die US-Arbeitsmarktdaten im August waren zuletzt robust – die Beschäftigung außerhalb des Agrarsektors stieg um 162.000 und lag damit deutlich über der Konsenserwartung von 55.000. Das nimmt den Druck für eine rasche Lockerung. Jedoch verharrt die Inflation weiterhin über dem Zielwert. Laut der Daten vom 11. September lag die Teuerung bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich und damit im Rahmen der Erwartungen. Das dürfte für das Ergebnis der Sitzung am 16. September eine zentrale Rolle spielen.
Der Markt preist derzeit eine Zinserhöhung ein, während der Großteil der Volkswirte eher von einer Fortsetzung der Zinspause ausgeht. Damit ist die Ausgangslage weniger eindeutig als bei der EZB. Bereits bei der vergangenen Sitzung des Ausschusses verdeutlichte die Stimmenverteilung die unterschiedlichen Einschätzungen innerhalb des Ausschusses. Entsprechend dürfte die anstehende Sitzung vergleichsweise hohes Überraschungspotenzial bergen.
Für den US-Dollar, die Renditen und die Aktienmärkte erwarten wir rund um den Zinsentscheid eine erhöhte Volatilität. Bleibt eine Zinserhöhung aus, dürfte dies Aktien tendenziell entlasten. Ein Zinsschritt dürfte dagegen den US-Dollar stützen, Anleiherenditen nach oben treiben und Aktien belasten.

