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Wo die USA noch Chancen bieten

März 2024
Christophe Nagy, Comgest, erläutert, wie er selbst nach der jüngsten Rally am US-Aktienmarkt noch durchaus fündig wird.
Comgest
Christophe Nagy, Comgest

Die Tatsache, dass die zentralen Performance-Treiber der letzten Jahre auch abseits der „Glorreichen Sieben“ zu finden sind, zeigt das ungenutzte Potential der US-Börse auf, erklärt Christophe Nagy, Co-Fondsmanager des Comgest Growth America Fund der französischen Fondsboutique Comgest.

Es sendet ein klares Signal, dass es wahre Juwelen zu entdecken gibt – wenn man weiß, wohin der Blick zu richten ist. Der Fonds ist konzentriert und umfasst rund 30 Qualitätswachstumswerte – verglichen mit den 502 Unternehmen, die im US-Aktienindex S&P 500 gelistet sind.

Den Großteil seiner Outperformance im Vergleich zum S&P 500 verdankt der Fonds dabei nicht etwa den „Glorreichen Sieben“. Zwar hält er auch Beteiligungen an Microsoft (der größten Einzelposition des Fonds), Apple, Alphabet, Meta und Amazon, aber die größten Beiträge zur Wertentwicklung leisteten in den vergangenen drei Jahren andere Portfoliounternehmen wie Oracle und Eli Lilly. Weitere Beispiele sind Intuit und Avery Dennison.

Nagy erläutert: „In den Weiten der US-Börse verbergen sich oft übersehene Juwelen – Aktien, die abseits des Mainstreams glänzen und für die breite Masse im Schatten der Glorreichen Sieben liegen.“ Oracle ist sehr erfolgreich darin, sein Geschäftsmodell zu diversifizieren. Es bietet immer mehr Anwendungen an, die auf das existierende Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) aufsetzen und die Dienstleistungspalette geschickt erweitern. Durch die kluge Gebührenstruktur über einmalige Lizenzkäufe und fortlaufende Maintenance-Zahlungen sichert Oracle kontinuierliche und planbare Kapitalströme und bindet seine Kunden langfristig an sich.

Der Pharmariese Eli Lilly ist nicht nur ein Vorreiter, sondern auch ein schneller Verfolger in zahlreichen medizinischen Indikationen. Eli Lilly dominiert den GLP-1-Markt, der entscheidend für die Behandlung von Adipositas ist, einer weltweiten Erkrankung, von der mehr als 764 Millionen Menschen betroffen sind. Sein Medikament Mounjaro kann nachweislich einen Gewichtsverlust um bis zu 22 Prozent bewirken. Darüber hinaus investiert Eli Lilly bereits seit vielen Jahren kontinuierlich zwischen 21 und 25 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung – deutlich mehr als die Konkurrenz. Die Pipeline ist daher prall gefüllt mit potenziellen neuen Produkten. Erst kürzlich gelang dem Pharmakonzern ein Durchbruch in der Alzheimer-Forschung. Der Einsatz des Antikörpers Donanemab verringerte in einer mit Spannung verfolgten klinischen Studie den kognitiven Verfall bei Alzheimer-Patienten um 35 Prozent[4].

Intuit ist eine Buchhaltungs-Software für kleine und mittlere Unternehmen, die zwar noch nicht so bekannt ist, aber schon einige Jahre mit Künstlicher Intelligenz arbeitet. Sie ermöglicht beispielsweise einem Blumenhändler in Chicago mit Blick auf seine Bilanz, seine Gewinne/Verluste und seine Gewinnmarge festzustellen, wie vergleichbare Unternehmen geführt werden und unterbreitet Vorschläge zur Steigerung der Rentabilität.

Avery Dennison ist ein in Kalifornien ansässiges Marktforschungsunternehmen, das sich auf Klebe-Etiketten, Verpackungsmaterialien und Warenkennzeichnung durch Radiofrequenztechnologie (RFID) spezialisiert hat. Ein Unternehmen, das seine Produkte im Store mit den RFID-Etiketten von Avery Dennison versieht, spart wertvolle Zeit seiner Mitarbeiter, da die Kontrolle der Warenbestände vereinfacht wird und reduziert Kosten, die aufgrund der Veralterung des Inventars angefallen wären.

Die Investment-Philosophie von Comgest lautet, nur in die Qualitätsunternehmen zu investieren, die nach Einschätzung des Investmentteams in den nächsten fünf Jahren ein jährliches Gewinnwachstum von mehr als zehn Prozent erbringen können. Grundlage ist die Überzeugung, dass der Aktienkurs eines Unternehmens langfristig dem Gewinnwachstum folgt. Darüber hinaus legt das Team Wert auf eine vorhersehbare Gewinnentwicklung und setzt auf Unternehmen in Sektoren mit hohen Eintrittsbarrieren und Preissetzungsmacht.

Dabei ist laut Nagy ein präziser Blick auf das Gewinnwachstum erforderlich. „Wir investieren gezielt in Unternehmen, die einen hohen Reifegrad haben und stabiles, nachhaltiges Wachstum bieten. Bei jenen, die sich noch in den Phasen ‚Shooting Star‘ oder ‚Hyperwachstum‘ befinden, ist uns das Risikolevel zu hoch“, erläutert er. Qualitätswachstumsunternehmen bieten im Vergleich zu neuen Marktteilnehmern Stabilität und Vorhersehbarkeit. Das zeigt sich, wenn man Microsoft mit Zoom oder Slack und Visa mit Block oder Paypal vergleicht. Während Microsoft und Visa seit über fünf Jahren eine stabile Relative Performance aufweisen, ist der Aktienkurs der anderen Akteure durch starke Schwankungen geprägt.