Intuitiv ist es nachvollziehbar: Viele Produkte werden im alltäglichen Konsum teurer angeboten, sobald sie einen Nachhaltigkeits-Stempel tragen. Zudem behaupten manche an sich glaubwürdige Akteure wie Verbraucherzentralen und einige NGOs wiederholt, dass u. a. deshalb so viele Produkte mit Nachhaltigkeitscharakter anböten, weil sie damit mehr Geld verdienten. Im Ergebnis verfestigt sich so der Eindruck, dass die Finanzbranche Kleinanlegern gerade bei diesen Produkten besonders tief in die Tasche greift.
Grund dazu hätten sie allemal. Nicht aus gieriger Abzock-Motivation, sondern weil vielfältige Gründe höhere Gebühren rechtfertigen würden – angefangen bei der ESG-Datenbeschaffung, dem Analyseaufwand und Monitoring von Kontroversen bis hin zur zusätzlichen Berichterstattung und sonstigen stark steigenden regulatorischen Anforderungen gerade im Nachhaltigkeitsbereich.
Es gibt zwar leider bekannte Einzelfälle sehr hohen Pricings, was ein Ausnutzen der Zahlungswilligkeit von Anlegern vermuten lässt. Im Durchschnitt sind nachhaltige Investmentfonds und ETFs aber nicht teurer als herkömmliche. Und das zeigen nicht etwa Branchenstatistiken, sondern das ist regelmäßig in den jährlichen Berichten der europäischen Wertpapieraufsicht (ESMA) zu Kosten und Performance von EU-Anlageprodukten für Privatanleger nachzulesen. Die Kernbotschaft lautet also seit Jahren: In puncto Kosten gibt es kein Bio-Apfel-Phänomen bei nachhaltigen Fonds!
Performance-Biss: süß oder sauer?
Nun sind Kosten nur eine Seite der Investmentfonds-Medaille. Anders ausgedrückt: Anlegern dürften höhere Kosten herzlich egal sein, wenn unterm Strich die Performance bei nachhaltigen Geldanlagen mindestens genauso hoch ist wie bei konventionellen. Und auch hier liefert die EU-Wertpapieraufsicht die Antwort gleich mit: Über die letzten fünf Jahre haben nachhaltige Aktien-, Anleihen- und Mischfonds etwas besser abgeschnitten als nicht-nachhaltige. In der jüngeren Vergangenheit war der Performance-Biss in den Apfel zwar mehr sauer als süß, da jede Assetklasse der von der ESMA analysierten Investmentfonds underperformte, was klar mit Russlands Überfall auf die Ukraine zu tun hatte. Denn damit fielen die üblichen Waffen-Ausschlüsse insbesondere bei in Europa investierenden Fonds und das Auflammen fossiler Energietitel besonders negativ ins Gewicht. Mittel- bis langfristig gibt es aber keine systematische Underperfomance nachhaltiger Geldanlagen. Die wissenschaftliche Empirie hierzu ist eindeutig.
Eindrücklich wird das, wenn man die verschiedenen Anlagestile nachhaltigen Investierens mit ihren nicht-nachhaltigen Pendants im Rahmen zehnjähriger Indexvergleiche gegenüberstellt. Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass kein Index – weder nachhaltig noch nicht-nachhaltig – über mehr als vier Jahre jährliche Überrenditen generiert. Letzten Endes handelt es sich bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Geldanlage um verschiedene Anlagestile, die in unterschiedlichen Zeiträumen gut oder schlecht perform(t)en. Es ist also im Grunde nichts anderes wie bei Large Caps versus Small Caps oder Value versus Growth.

