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Irankrieg belastet die globale Konjunktur

März 2026

Das Wirtschaftswachstum dürfte schrumpfen, die Zinsen könnten teils wieder steigen: Das ist das klare Fazit bei Aviva Investors angesichts des anhaltenden Nahostkonflikts.

Aviva Investors
Michael Grady, Aviva Investors

Aviva Investors ist der Ansicht, dass die Dauer der Sperrung der Straße von Hormus entscheidend für die globalen Wachstumsaussichten für den Rest des Jahres 2026 sein wird. Sollte es zu einer längeren Sperrung kommen, steigen die Risiken einer höheren Inflation und eines schwächeren Wachstums, wobei die Aussichten auf eine geldpolitische Lockerung durch die großen Zentralbanken gefährdet wären und einige von ihnen wahrscheinlich die Zinsen anheben würden.

Das Investment-Strategie-Team von Aviva Investors hat seine Basisprognose für das globale Wachstum für 2026 auf 2,75 Prozent nach unten korrigiert, was einem Rückgang von rund 0,2 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn entspricht. Dies ist eine Folge steigender Energiepreise, da die Sperrung der Straße von Hormus den Transport von rund 20 Prozent des globalen Öl- und LNG-Marktes blockiert, sowie der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit.

Es ist möglich, dass der Konflikt bald endet und die Risiken rasch abklingen. Die USA haben erklärt, dass sie bei der Erreichung ihrer militärischen Ziele gute Fortschritte gemacht haben und das iranische Regime hat einen erheblichen Rückschlag erlitten und könnte bereit sein, in gutem Glauben zu verhandeln. Sollte sich dies so entwickeln, würde das Team bei einem relativ optimistischen Ausblick auf eine Wiederbelebung des globalen Wachstums bleiben, wenn auch mit einer Zeit lang höherer Inflation. Allerdings merkt das Team an, dass es eine Reihe von möglichen Ergebnissen für die Weltwirtschaft gibt und dass die Unsicherheit viele Monate lang anhalten könnte, was die Vorhersehbarkeit beeinträchtigt und wodurch die Weltwirtschaft erneut Schwierigkeiten hätte, auf einen negativen Angebots-Schock zu reagieren.

Ein zentraler Aspekt wird die Auswirkung auf die Gesamtinflation sein, wobei die prognostizierte Wachstumsbremse in erster Linie die inflationären Auswirkungen höherer Energiepreise widerspiegelt. Das zentrale Szenario des Teams sieht vor, dass die Gesamtinflationsraten im Jahr 2026 nun voraussichtlich um etwa 1 bis 1,25 Prozentpunkte höher ausfallen werden als zu Jahresbeginn prognostiziert. Für die USA, die Eurozone und das Vereinigte Königreich bedeutet dies, dass die Inflation in diesem Jahr nun voraussichtlich steigen statt sinken wird, einen Höchststand von rund 3 Prozent erreichen und sich erst 2027 wieder nennenswert in Richtung des Zielwerts bewegen wird.

Was die Zinssätze betrifft, hält es das Team für angemessen, dass die gestiegene Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen nun in den Marktpreisen berücksichtigt wird. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen in diesem Jahr anheben wird, während die Bank of England (BoE) und die Federal Reserve (Fed) später im Jahr noch eine gewisse Lockerung vornehmen könnten. Unter Berücksichtigung der gewichteten Wahrscheinlichkeit, die ein weiteres Aufwärtsrisiko bei den Energiepreisen einbezieht, sehen sie jedoch auch die Möglichkeit, dass die BoE und die Fed die Zinsen für einen längeren Zeitraum unverändert lassen oder sogar noch in diesem Jahr anheben.

In Bezug auf die Asset-Allokation hat der Konflikt im Nahen Osten und die dadurch entstandene Unsicherheit das Team dazu veranlasst, einen vorsichtigeren Ansatz bei seinen taktischen Ansichten zur Vermögensallokation zu verfolgen. Insgesamt haben Risikowerte wie Aktienindizes, Spreads von Hochzinsanleihen und Schwellenmärkte bisher nur einen relativ moderaten Ausverkauf erlebt. Überdies entwickelten sich die Sektoren Industrie und Rohstoffe in den letzten Monaten stark, während der Technologiesektor hinterherhinkte.

Angesichts dieser sich ausweitenden Marktentwicklung hält das Team weiterhin an seiner Übergewichtung in Aktien fest und ist der Ansicht, dass die Fundamentaldaten die Gewinne von Aktien aus Schwellenländern und Japan sowie aus den USA stützen, während Europa an Attraktivität verliert. Allerdings hat das Team seit Jahresbeginn seine Einschätzung zum Aktienmarkt unter Berücksichtigung der Risikobilanz etwas gemäßigt, bleibt aber weiterhin übergewichtet.

Bei Unternehmensanleihen hält das Team das Risiko-Ertrags-Verhältnis weiter für ungünstig, da die Spreads relativ eng bleiben und sowohl das Durations- als auch das Spread-Risiko gestiegen sind. Das Team bevorzugt daher weiterhin eine Untergewichtung. Bei Staatsanleihen wirkt sich der Energieschock angesichts der höheren Inflation und des niedrigeren Wachstumskurses ausgleichend auf längere Laufzeiten aus. Daher zieht es das Investmentteam vor, neutral zu bleiben, rechnet jedoch mit steileren Anleihekurven, sowohl aufgrund langfristiger fiskalischer Bedenken als auch aufgrund einer Neubewertung der kurzfristigen Zinsmärkte.

Bei den Währungen gibt es zwar mittelfristig weiterhin überzeugende Argumente für eine Abwertung des US-Dollars, doch der Konflikt im Nahen Osten hat einen starken gegenläufigen Trend ausgelöst, der das Team vorsichtiger werden ließ und es daher dazu veranlasst, eher spezifische Positionen einzunehmen, wie etwa eine Übergewichtung des australischen Dollars und ausgewählter Schwellenländerwährungen.

Michael Grady, Leiter der Anlagestrategie und Chefökonom bei Aviva Investors, erklärt: „Der Konflikt im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus haben die globale Lage verändert und die Erwartungen hinsichtlich des weltweiten Wachstums, der Inflation und der Zinssätze für dieses Jahr neu gestaltet. Derzeit herrscht an den Märkten große Unsicherheit und es gibt eine Vielzahl möglicher Szenarien. Daher ist derzeit eine eher vorsichtige bis taktische Vermögensallokation erforderlich, um sicherzustellen, dass die Portfolios gegenüber diesen verschiedenen Szenarien robust sind und gleichzeitig flexibel auf Entwicklungen reagieren können.“