Der Lebensmittelsektor hat an den Finanzmärkten eine unterdurchschnittliche Performance gezeigt“, reflektiert Stéphane Soussan. Aus Sicht des Portfolio Managers des „Food For Generations“ von CPR Asset Management, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Amundi, gibt es hierfür primär zwei Ursachen: Erstens haben Investoren ihr Interesse auf Wachstumsbranchen wie Technologie, Finanzen und Kommunikation verlagert. Zweitens schwächte sich die Verbrauchernachfrage ab, da steigende Lebensmittelpreise und stagnierende Kaufkraft den Absatz bremsten. „Besonders schwach war der Lebensmittelkonsum in China, wo es keine nennenswerten staatlichen Konjunkturmaßnahmen gab, sowie in den USA nach einer deutlichen Lebensmittelinflation und dem Einsetzen der negativen Auswirkungen von GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1)“, erläutert Soussan.
„Die Konsumentenstimmung ist seit Ende der Pandemie angesichts steigender Lebenshaltungskosten bedrückt“, bestätigt Philipp Hämmerli, Chief Investment Officer (CIO) bei Bonafide Wealth Management. Zudem greifen Verbraucher statt zu margenstarken Markenartikeln zu günstigeren Private Label-Produkten, berichtet er. So könne Nestlé & Co. zwar anfänglich das Umsatzwachstum mittels Preiserhöhungen aufrechterhalten, aber Skaleneffekte seien nur mit Volumenwachstum erzielbar. „Das ‚verschwundene‘ Wachstum ließ an der Börse die letzten drei Jahre die Multiples zusammenbrechen. Consumer Staples machen gerade noch fünf Prozent des Weltaktienindex aus, obwohl die Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel eigentlich der weltgrößte Industriesektor ist“, resümiert der Investmentchef.
Im Herbst 2025 führten eine schwache Performance, sinkende Nachfrage und eigene Markteinschätzungen sogar dazu, dass BlackRock Investment Management seinen „Nutrition Fund“ vom Markt nahm und liquidierte. Entsprechenden Pressemitteilungen zufolge wurde die Entscheidung aufgrund unzureichender Wachstumsaussichten infolge einer thematischen Überprüfung getroffen. Das Vermögen des 2010 unter dem Namen „Agriculture Fund“ aufgelegten Anlageprodukts lag zum Zeitpunkt des Beschlusses bei rund 129 Millionen US-Dollar.
Entgegengesetzt ist die Lage beim ETF der Tochtergesellschaft des Fondsanbieters: Der „iShares Agribusiness UCITS ETF“ führt das aktuelle Fondsranking langfristig und besonders auf Sicht der zurückliegenden zwölf Monate an. Der passive Fonds bildet den S&P Commodity Producers Agribusiness Index ab, der in die weltweit größten börsennotierten Unternehmen im Sektor Landwirtschaft investiert. Mehr als 50 Prozent der Fonds-investments liegen damit in den USA und die Top-10-Positionen stellen 56 Prozent des Fondsvolumens. An der Spitze sind dies mit jeweils gut acht Prozent die US-Konzerne Archer Daniels Midland, ein Verarbeiter bspw. von Getreide und Ölsaaten sowie Corteva, die im Bereich Saatgut und Agrarchemie tätig sind.
Einen ganz anderen Investment Case bietet der „Bonafide Global Fish Fund“. Der Fonds investiert fokussiert in den Fish & Seafood-Sektor vornehmlich in Norwegen (38,3 Prozent) sowie Chile (12,4 Prozent) und Japan (10,9 Prozent). Die Top-10-Titel stellen hier 55,2 Prozent des Fondsvolumens, in der Spitze die norwegische AKVA Group mit 8,5 Prozent, dem nach eigenen Angaben größten Lösungsanbieter im Bereich Aquakultur. Mit jeweils über sechs Prozent folgen drei Unternehmen: der norwegische Fischzüchter SalMar und Produzent von Zuchtlachs; die britische Nomad Foods, die Tiefkühlkost fertigt und Inhaber von Marken wie Iglo und Birdseye ist sowie Mowi, ein Hersteller von Zuchtlachs und Proteinen. „Fish & Seafood zählt zu den hochwertigsten und effizientesten Proteinquellen weltweit und liefert essenzielle Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA“, sagt Hämmerli und erklärt, dass je mehr Menschen in ihre Gesundheit investieren, desto eher werden sie ihre Mangelernährung entdecken. Der CIO sieht hierin einen strukturellen Trend, der sich seit Jahrzehnten messen lasse, denn der globale Pro-Kopf-Konsum von Fisch steige kontinuierlich an.
plusFaktor Gesundheit
Das Gesundheitsbewusstsein treibe eine Neuformulierung von Rezepturen voran, insbesondere eine reduzierte Anzahl von Zutaten, mehr Naturprodukte, weniger Zucker und im Gegenzug mehr Eiweiß und Ballaststoffe. Da Anwender von GLP-1 weniger Kalorien zu sich nehmen, muss die Lebensmittelindustrie den Schwerpunkt verlagern: weg von hochverarbeiteten Lebensmitteln sowie hin zu kleineren Portionen, insbesondere in den USA, erläutert der Portfolio Manager des CPR Invest – Food For Generations. Der Fonds investiert in die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette, aktuell vor allem in nicht-zyklische Konsumgüter (38 Prozent) und Industriewerte (26 Prozent). Hier machen die Top-10-Positionen lediglich rund 30 Prozent des Fondsvolumens aus. Mit jeweils gut drei Prozent handelt es sich dabei um die deutsche GEA Group, einen Anbieter von Prozesstechnik und Komponenten für die Nahrungsmittelindustrie, die kanadische Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Kansas City sowie den britischen Konsumgüter-Konzern Unilever.
„Wir bevorzugen Unternehmen aus dem Bereich Lebensmittelzutaten, die voraussichtlich eine stärkere Nachfrage verzeichnen werden, da Ernährungsumstellungen und der Einsatz von GLP-1 eine Neuformulierung in der gesamten Lebensmittel- und Getränkeindustrie vorantreiben“, sagt Soussan. Im Fokus sind zudem Unternehmen, die in hohem Maße von der wachsenden Nachfrage nach Proteinen profitieren, insbesondere bei Milchprodukten. Außerdem verweist der Portfolio Manager auf verschiedene Entwicklungen innerhalb des Sektors: Der Lebensmitteleinzelhandel wird neben Eigenmarken davon profitieren, dass die Unternehmen die Inflation an Lieferanten und Kunden weitergeben können. Beim seit drei Jahren rückläufigen Markt für Landmaschinen haben sich die Lagerbestände nach mehreren Monaten mit Produktionsrückgängen normalisiert. „Der Markt hat sich daher stabilisiert und dürfte 2026 seinen Tiefpunkt erreichen. Für den europäischen Markt wird sogar bereits 2026 eine Erholung erwartet“, sagt Soussan. Und in der Landwirtschaft dürfte die Lachszucht dieses Jahr von einem Anstieg der Verkaufspreise profitieren. Während die Lachszucht 2025 deutlich zugenommen habe, werde ihr Wachstum in diesem Jahr voraussichtlich sehr begrenzt sein, was den Anstieg der Verkaufspreise stütze.
Beim Wildfang rechnet der Bonafide-CIO mit stärkeren Auswirkungen durch den Klimawandel, da die Fische mobil sind und in ihre bevorzugten Temperaturregionen schwimmen. „Es wird Gewinner und Verlierer geben“, sagt Hämmerli. In der Aquakultur, sprich der Fischzucht, sei es eine Frage der Adaption der einzelnen Spezies. „Wir erwarten, dass Offshore-Aquakultur langfristig zu einer neuen industriellen Infrastrukturklasse innerhalb der globalen Lebensmittelversorgung heranwachsen wird. Die Anlagen wären dann weltweit mobil und verschiebbar“, prognostiziert der Food-Experte. Gleichzeitig bleibe das globale Angebot aufgrund biologischer, regulatorischer und geografischer Restriktionen strukturell begrenzt – ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Proteinquellen.
Der volumenmäßig größte Fonds des Rankings ist der „BNP Paribas Funds Smart Food Classic Capitalisation“. Im Fokus sind Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette für nachhaltige Lebensmittel, die Lösungen für Umwelt- und Ernährungsprobleme liefern. Laut Fondsanbieter wird dabei der Bogen gespannt von Bereichen wie Erzeuger und Ausgangsstoffe über Technologie und Logistik und nachhaltige Verpackung, bis hin zu Grundnahrungsmittel, Zutaten und Lebensmitteln mit Mehrwert. Auffallender Schwerpunkt ist die USA mit einem Anteil von fast 38 Prozent. Zudem besitzt der Fonds ein vergleichsweise konzentriertes Portfolio von 38 Titeln, wobei die größten drei Positionen jeweils einen Anteil von gut drei Prozent ausmachen: die irische Kerry Group, ein Hersteller von Nahrungsmitteln und Zusatzstoffen, den für seine Bananen bekannten US-Produzenten Dole und die SIG Group aus der Schweiz, die Verpackungen und Abfüllanlagen für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie fertigt.
Im Mittelpunkt des Nachhaltigkeitsansatzes des BNP Paribas-Fonds stehen ESG-Kriterien, wie auch bei den Fonds von Amundi und Bonafide. Vonseiten BNP Paribas heißt es, dass mit dem Fonds Kapital für bestimmte Themen des Übergangs zu einer nachhaltigeren Wirtschaft bereitgestellt werden soll, um von dem künftigen Wachstum in diesen Bereichen zu profitieren. Dabei gilt, dass vor Anwendung der ESG-Filter konsequent mindestens 30 Prozent des Anlage-universums – Unternehmen aus der Lebensmittelversorgungskette – ausgeschlossen werden.
„Wir schließen Unternehmen mit den schlechtesten ESG-Ratings aus, basierend auf unserem firmeneigenen Rahmenwerk“, sagt Soussan mit Blick auf den „Food For Generations“. Darüber hinaus gilt zweierlei: das durchschnittliche ESG-Rating des Fonds muss besser sein als das des Anlageuniversums. Zweitens muss die Kohlenstoff- und Wasserintensität (Kohlenstoffemissionen oder Wasserverbrauch geteilt durch den Umsatz) des Fonds ebenfalls niedriger sein als die des Anlageuniversums. „Wo vorhanden, ziehen wir ESG-Ratings und deren Ergebnisse im Investitionsprozess hinzu“, sagt der Bonafide-CIO, weist aber darauf hin, dass das Interesse der großen Ratinganbieter an Small und Mid Caps nach wie vor bescheiden und meist mit Lücken behaftet ist. „Die Corporate Governance von Seafood-Unternehmen in Märkten wie Chile oder Japan lässt sich häufig erst durch langjährige Beziehungen, regelmäßige Unternehmensbesuche und lokale Marktkenntnis fundiert beurteilen“, ergänzt Hämmerli.
Aus Sicht von Bonafide braucht es zweierlei, damit Anleger den Food-Sektor wieder verstärkt allokieren: ein nachhaltiges Gewinnwachstum und eine Rückkehr zu stärker bewertungsorientierten Kapitalmärkten. „Seit Lancierung unseres Fonds im Jahr 2012 waren die Bewertungen unseres Anlageuniversums selten attraktiver, obwohl die Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre operative Resilienz durch Pandemie, Inflation und geopolitische Unsicherheiten mehrfach unter Beweis gestellt haben“, führt Hämmerli aus und zeigt sich überzeugt, dass der Kapitalmarkt die strukturelle Widerstandsfähigkeit sowie das langfristige Wachstumspotenzial des Seafood-Sektors aktuell unterschätzt. „Fish & Seafood entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Schlüsselindustrie innerhalb der globalen Lebensmittelversorgung. Genau darin sehen wir langfristig erhebliches Wertschöpfungspotenzial für Investoren“, sagt der CIO. Zurückblickend entstand aus seiner Sicht im Food-Sektor während der Niedrigzinsphase eine versteckte Bewertungsblase, die sich ab 2022 deutlich korrigierte – ein Muster, das sich auch bei anderen bekannten Food-Fonds betrachten lasse.


