Startseite » Vorsorge » Kommentar » Erstmal orientieren

Erstmal orientieren

Printausgabe | Juni 2026

Der Gesetzgeber reformiert die private Altersvorsorge und hat aus Gestaltungsfehlern der Riester-Rente gelernt. Entsprechend groß ist das Interesse am Altersvorsorgedepot. Aber es besteht kein Grund zur Eile: Der Startschuss fällt erst Anfang 2027.

Fonds exklusiv

Mehr als jeder Zweite der rund 44 Millionen Förderberechtigten hat laut einer aktuellen Umfrage vom künftigen Altersvorsorgedepot gehört. Für die  starke Wahrnehmung sorgten demnach die Höhe der geplanten staatlichen Förderungen und die Chance auf höhere Renditen durch eine Teilhabe an den Aktienmärkten. Genau 34 Prozent der Personen, denen das Altersvorsorgedepot bereits ein Begriff ist, halten es sogar für „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“, dass sie dieses Förderprodukt abschließen werden. Selbst vor dem Hintergrund, dass laut Studienverfassern erfahrungsgemäß nur ein Drittel der Vorsätze in tatsächlichem Verhalten mündet, ergäbe das noch ein beachtliches Potenzial von vier bis fünf Millionen abschlusswilligen Vorsorgesparern.

Am 27. März 2026 hatte der Deutsche Bundestag die Reform der privaten Altersvorsorge in 2./3. Lesung mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen beschlossen. Während sich die AfD und Bündnis 90/Die Grünen enthielten, lehnte die Linke das Reformgesetz ab. Mit dem Altersvorsorgedepot sollen Bürger in Aktien, Fonds und Exchange Traded Funds (ETFs) für das Alter sparen können. Angebote wird es sowohl von privaten Produktgebern als auch von staatlicher Seite geben. Außerdem wird die Förderung für Geringverdiener erhöht, ein umstrittener Kostendeckel eingeführt und der Kreis der Begünstigten auf Selbstständige ausgeweitet. Am 8. Mai 2026 stimmte der Bundesrat der Vorsorge-Reform zu. 

Riester-Sparer wollen wechseln

Mit dem Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 findet die Riester-Rente ihr unrühmliches Ende. Es wurde höchste Zeit. Denn seit 2017 stagniert die Zahl an Riester-Verträgen bei etwa 16 Millionen bzw. ist in jüngster Zeit sogar rückläufig. Geschaffen wurde diese Förderrente allerdings mit dem Ziel, dass die Menschen in Deutschland der seinerzeit gleichzeitig beschlossenen Senkung des Rentenniveaus entgegenwirken können. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass Riester-Sparer in das neue Altersvorsorgedepot wechseln können. Laut einer aktuellen Untersuchung streben besonders Sparer mit einer klassischen Riester-Versicherung dies an, weil sie mit der vergangenen Entwicklung unzufrieden sind. Mehr als jeder Zweite soll sich aber verständlicherweise noch nicht entschieden haben. Hier wartet die erste Aufgabe für Berater, denn nicht alle Riester-Policen waren Schrott, wie man bisweilen denken könnte.

Nicht nur für junge Leute ist es attraktiv, dass sie kapitalmarktorientiertes Sparen mit staatlicher Förderung in einer noch nie dagewesenen Weise miteinander verbinden können. Erfreulicherweise hat die Politik aus den Erfahrungen der Niedrigzinsphase gelernt und sich von starren 100-Prozent-Garantien, wie sie noch zu Riester-Zeiten galten, verabschiedet. Stattdessen wird es flexible Lösungen mit Garantien bspw. von 80 Prozent oder sogar ohne Kapitalschutz geben, was beim Sparen über Jahrzehnte durchaus Sinn ergibt. Erste Versicherer bringen sich mit neuen Lösungen bereits in Stellung. Auch ein Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft soll kommen. Grund zur Eile besteht für Berater und Kunden nicht. Der Startschuss fällt wie gesagt erst in gut einem halben Jahr und bis dahin bleibt genug Zeit zur Orientierung.