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Endet die lockere Geldpolitik?

März 2026

Der hohe Ölpreis hinterlässt tiefe Spuren. Bei Metzler AM rechnet man deshalb mit einer ersten Leitzinserhöhung durch die EZB im April oder Juni.

Metzler AM
Edgar Walk, Metzler AM

Die EZB hat die Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen, doch die Sitzung markiert einen spürbar falkenhaften Wendepunkt, konstatiert Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, in seinem Marktkommentar.

Im offiziellen Statement betont der Rat zwar, er sei gut aufgestellt, um die durch den Krieg im Nahen Osten gestiegene Unsicherheit zu bewältigen; zugleich macht er aber unmissverständlich klar, dass die Inflationsrisiken derzeit höher zu gewichten sind als die Wachstumsrisiken.

Die neuen Projektionen unterstreichen diese Lesart: Die Inflation soll 2026 bei 2,6 Prozent liegen und selbst 2028 mit 2,1 Prozent noch leicht über dem Ziel verharren, während das Wachstum zwar nach unten revidiert wurde, aber nur moderat. Hinzu kommt, dass die von der EZB skizzierten Risikoszenarien selbst bei schwächerer Konjunktur keinen raschen Rückgang des mittelfristigen Preisdrucks erkennen lassen. Genau darin liegt die eigentliche Botschaft dieser Sitzung: Die Notenbank will sich nicht auf einen festen Zinspfad festlegen, hat die Hürde für eine erneute Straffung aber faktisch deutlich gesenkt.

KOMMT BALD DIE ZINSANHEBUNG?

Aus Marktsicht ist das mehr als bloßes Abwarten — es ist die Vorbereitung auf die Möglichkeit weiterer Zinsschritte, falls sich die höheren Energiepreise über Zweitrundeneffekte, Löhne und breitere Preisketten verfestigen. Wir sehen nun eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine erste Leitzinserhöhung im April oder Juni und dann für einen weiteren Schritt im Herbst. Das entspricht in etwa den derzeitigen Markterwartungen.

Wir gewichten aber die Wachstumsrisiken deutlich höher als die EZB. Im Jahr 2021 wuchs die Geldmenge M3 um mehr als 9,0 Prozent aufgrund der umfangreichen Corona-Hilfen. Die Bevölkerung und die Unternehmen konnten sich also die höheren Preise leisten. 2025 wuchs die Geldmenge M3 hingegen nur um 3,3 Prozent. Es steht also dieses Mal deutlich weniger Geld zur Verfügung, um die höheren Preise zu bezahlen. Das heißt, die Wirtschaftsakteure müssen die hohen Preise für Energie tragen und bei allen anderen Ausgaben stärker sparen. Das würde eher für eine vorsichtige Leitzinserhöhungspolitik der EZB sprechen.