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Der Reiz an High-Yield

Oktober 2026

Weshalb das Umfeld derzeit für Hochzinsanleihen solide ist und worauf Anleger achten müssen, erklären Scott Roth und Chris Sawyer von Barings.

Barings
Scott Roth, Barings

Starkes Wirtschaftswachstum und solide Unternehmensfundamentaldaten stützen den High-Yield-Sektor. Da die Gesamtrenditen nahe den Höchstständen seit mehr als zwei Jahrzehnten liegen, können Anleger attraktive Erträge erzielen und zugleich bei der Bonität diszipliniert vorgehen. Zugleich nimmt die Streuung zwischen Sektoren und Emittenten zu, und KI schafft Finanzierungs- und Investmentchancen – etwa bei Rechenzentren und Energieinfrastruktur. Doch bringt der KI-Boom auch Risiken durch Ausführungs-, Angebots- und regulatorische Unsicherheiten mit sich. Die Details dazu erklären Scott Roth, (Head of Global High Yield) und Chris Sawyer (Head of European High Yield) von Barings, in ihrem aktuellen Marktkommentar:

Die Hochzinsmärkte sind weiterhin gut gestützt. In den USA haben Konsum, fiskalische Unterstützung und erhebliche Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu einer robusten Konjunktur beigetragen und die längerfristigen Inflationserwartungen blieben relativ stabil. Dies deutet darauf hin, dass der jüngste Anstieg der Renditen von Staatsanleihen eher auf ein stärkeres Wachstum als auf eine wesentliche Verschlechterung der Inflationsaussichten zurückzuführen ist. Für Investoren ist dies eine günstige Kombination.

– Solide Gewinne helfen den Unternehmen dabei, ihre Verschuldung zu steuern, die Zinsdeckung zu erhalten oder zu verbessern und höhere Finanzierungskosten aufzufangen

– Die meisten Kreditnehmer sind auf höhere Kapitalkosten gefasst – anders als im Jahr 2022, als viele mit einem raschen Übergang von Zinssätzen nahe Null konfrontiert waren

– Steigende Zinsaufwendungen könnten den Cashflow belasten, dürften jedoch das Kreditprofil eines typischen Emittenten nicht grundlegend verändern, solange die Gewinne stark bleiben

Jedoch ist das Bild nicht durchweg positiv. Höhere Zinsen setzen den Immobiliensektor und andere zinssensitive Branchen weiter unter Druck. Auch der Konsumsektor verdient besondere Aufmerksamkeit, da steigende Vermögenswerte bisher eine wichtige Rolle bei der Stützung der Ausgaben gespielt haben. Ein entscheidender Faktor für die Zukunft wird die Flexibilität der Bilanzen sein. Unternehmen mit soliden Gewinnen und überschaubaren Kapitalstrukturen dürften besser aufgestellt sein als Kreditnehmer mit weniger Spielraum für Fehler.

SOLIDES FUNDAMENT

Die Fundamentaldaten im Hochzinssegment bleiben solide. Das Gewinnwachstum erstreckt sich mittlerweile über die größten Technologieunternehmen hinaus, während viele Emittenten weiterhin ausreichende Cashflows erwirtschaften, um ihre Schulden zu bedienen.

Die höhere Qualität der Marktzusammensetzung sorgt für zusätzliche Stabilität. BB-Emittenten machen einen deutlich größeren Anteil am globalen Markt für Hochzinsanleihen aus als in der Vergangenheit (62 %), während das Engagement in CCC-Anleihen zurückgegangen ist (7 %). Diese qualitativ hochwertigere Zusammensetzung dürfte dazu beitragen, die Folgen von Belastungen bei schwächeren Kreditnehmern zu begrenzen. Ähnlich verhält es sich bei Krediten, wo das Engagement in CCC-Emittenten sowohl in den USA (7 %) als auch in Europa (4 %) im Laufe der Zeit zurückgegangen ist. Allerdings wird die Streuung auf Sektor- und Emittentenebene immer ausgeprägter.

In den USA bleiben die Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt schwierig, doch viele Wohnungsbauunternehmen sind mit soliden Bilanzen und relativ konservativen Kapitalstrukturen in diese Phase gestartet. Größerer Druck ist bei bestimmten, hoch verschuldeten Unternehmen der Bauproduktbranche zu beobachten, deren Verschuldung vor einem günstigeren operativen Hintergrund aufgebaut wurde.

In Europa sehen sich Chemie- und Automobilunternehmen Wettbewerbs- und Strukturdruck ausgesetzt, darunter eine schwächere industrielle Nachfrage und Konkurrenz durch kostengünstigere Hersteller. Viele von ihnen verfügten ursprünglich aber über vergleichsweise starke Kreditprofile, was darauf hindeutet, dass sich eine Verschlechterung zunächst eher durch einen allmählichen Anstieg der Verschuldungsquote oder sich ausweitende Spreads bemerkbar macht als durch weit verbreitete Zahlungsausfälle.

EINFLUSS DER KI

KI gewinnt auf den Kreditmärkten zunehmend an Bedeutung. Der Ausbau der Infrastruktur wird weiterhin erhebliche Investitionen in Rechenzentren, Stromerzeugung, Übertragungsnetze und damit verbundene Assets erfordern, was zu erheblichem Finanzierungsbedarf auf den öffentlichen und privaten Märkten führt. Zugleich verändert KI die Wettbewerbsdynamik in einem viel breiteren Spektrum von Branchen und wirft Fragen auf, wie sich einzelne Unternehmen behaupten werden.

Für High-Yield-Anleger könnte der Ausbau der Infrastruktur Chancen eröffnen. Einige KI-bezogene Kreditnehmer scheinen bereit zu sein, relativ hohe Finanzierungskosten in Kauf zu nehmen, um das für die Fortsetzung ihrer Projekte erforderliche Kapital zu sichern, während die jüngste Schwäche in Teilen des Rechenzentrumsmarktes potenziell attraktivere Einstiegsmöglichkeiten geschaffen hat.

Allerdings bringen der Umfang und das Tempo des Ausbaus mehrere Risiken mit sich: Das Ausführungsrisiko bleibt erheblich, besonders da die Projekte immer größer und komplexer werden. Ein anhaltender Anstieg des Emissionsvolumens könnte Druck auf die Kurse bestehender Anleihen ausüben und dazu führen, dass neue Emissionen höhere Renditen bieten müssen, um Investoren anzuziehen. Politische und regulatorische Überlegungen könnten an Bedeutung gewinnen, da der Ausbau von Rechenzentren höhere Anforderungen an die Stromversorgung und die lokale Infrastruktur stellt

Die Auswirkungen reichen über die Unternehmen hinaus, die die Infrastruktur selbst finanzieren. Reiseplattformen, Versicherungsmakler, Preisvergleichsdienste und andere Unternehmen, die bei Verbraucherentscheidungen als Vermittler wirken, könnten erhöhtem Druck ausgesetzt sein, da KI es einfacher macht, Optionen zu recherchieren und Anbieter direkt zu vergleichen. Die Folgen werden je nach Unternehmen variieren, weshalb es zunehmend wichtiger wird, zu bewerten, wie sich KI auf Wettbewerbspositionen, Preisgestaltungsmacht und Cashflows auswirken könnte.

Auch das Engagement im KI-Investitionszyklus variiert je nach Region. Der europäische Hochzinsmarkt weist derzeit ein geringeres direktes Engagement in KI-bezogenen Sektoren und im Ausbau von Rechenzentren auf als der US-Markt. Dieser Unterschied in der Marktzusammensetzung könnte Möglichkeiten bieten, Konzentrationen zu steuern, da die KI-bezogenen Emissionen weiter zunehmen und ihre Auswirkungen deutlicher werden.

ERTRAGSCHANCEN

Bei den derzeitigen Renditen können Anleger attraktive Erträge erzielen, ohne dabei Abstriche bei der Qualität machen zu müssen. Dies schafft Chancen sowohl bei Hochzinsanleihen als auch bei Krediten und ermöglicht es Anlegern, beim Kreditrisiko selektiv und diszipliniert vorzugehen.

Anleihen erscheinen im aktuellen Umfeld besonders attraktiv. Ihre Kombination aus höheren Erträgen und relativ kurzer Duration könnte in einem Markt, in dem das Wirtschaftswachstum robust bleibt und die Zinsen auf hohem Niveau verharren, besonders wertvoll sein. Eine kürzere Duration trägt dazu bei, die Sensitivität gegenüber weiteren Zinserhöhungen zu begrenzen. Innerhalb des Anleihemarktes können gerade Anleihen mit kürzerer Laufzeit attraktive Erträge bieten, ohne dass Anleger dabei ein erhebliches Zinsrisiko eingehen müssen.

Auch Kredite bieten weiter attraktive Erträge und könnten gut positioniert sein, sollten die Inflation und die Leitzinsen auf hohem Niveau bleiben. Da aber ein Großteil des Marktes nahe oder über dem Nennwert gehandelt wird, bleibt die Kreditauswahl angesichts des begrenzteren Kurssteigerungspotenzials wichtig.

Zwar bietet das aktuelle Umfeld vielfältige Möglichkeiten Erträge zu erzielen, doch bedeuten enge Spreads, dass ein breites Marktengagement allein wahrscheinlich nicht ausreicht. Die überzeugenderen Chancen ergeben sich wohl daraus, Emittenten höherer Qualität zu finden, die attraktive Gesamtrenditen bieten, und Risiken dort aufzunehmen, wo markttechnische Faktoren dazu geführt haben, dass die Kurse von den zugrunde liegenden Fundamentaldaten abweichen.

FAZIT

Der Hochzinsmarkt geht mit einer starken Position in das vierte Quartal. Robustes Wachstum und solide Unternehmensfundamentaldaten stützen den Kreditmarkt weiterhin, während höhere Renditen attraktive Ertragsmöglichkeiten in der gesamten Anlageklasse schaffen.

Das Umfeld könnte aber komplexer werden, da KI-bezogene Finanzierungen neue Emissionen mit sich bringen und Technologien einzelne Sektoren und Geschäftsmodelle neu gestalten. Dies dürfte Chancen bei zugleich größerer Streuung schaffen und Anlegern zugutekommen, die wählerisch bleiben und zuschlagen können, wenn sich die Marktpreise von den Fundamentaldaten entfernen.