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Altersvorsorge im Wandel

September 2026

Mehr Kapitalmarkt braucht mehr Orientierung, kommentiert Heiko Hauser, Geschäftsführer Plansecur, die aktuellen Entwicklungen bei der Altersvorsorge.

Plansecur
Heiko Hauser, Plansecur

Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente wird künftig für viele Menschen nur noch eine Basisabsicherung sein. Diese wenig neue Erkenntnis hat auch den Gesetzgeber zum Handeln veranlasst, konstatiert Heiko Hauser, Geschäftsführer Plansecur, in seinem aktuellen Kommentar.

Mit der Frühstartrente und dem Altersvorsorgedepot wurden zwei neue kapitalgedeckte und geförderte private Vorsorgebausteine auf den Weg gebracht. Und auch wenn über die Ausgestaltung der Kapitalmarktrente als Teil der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) noch diskutiert wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein entsprechender Baustein in den nächsten Jahren eingeführt wird. Doch mehr Kapitalmarkt in der Altersvorsorge eröffnet nicht nur Chancen, sondern erhöht auch den Bedarf an Orientierung. Grundsätzlich ist die Einführung eines kapitalgedeckten Vorsorgeelements in der GRV ausdrücklich zu begrüßen. Für bestimmte Zielgruppen ist ein standardisiertes, staatlich organisiertes Basisangebot eine niedrigschwellige Einstiegslösung, es bildet aber nicht die Vielfalt individueller Vorsorgebedürfnisse ab. Zudem generiert es keine zusätzlichen Renteneinkünfte: Die Kapitalmarktrente soll angesichts der demografischen Schieflage des Umlageverfahrens primär der Stabilisierung des Rentenniveaus dienen.

Der aktuell diskutierte digitale Abschluss würde die Einstiegshürden insbesondere für jüngere Menschen senken. Die Planung der Altersvorsorge ist jedoch keine kurzfristige Konsumentscheidung, sondern eine langfristige Lebensentscheidung. Kostenstrukturen, Anlagemöglichkeiten, Flexibilität und Eingriffsmöglichkeiten wirken nicht für Monate, sondern für Jahrzehnte und meist über die eigene Person hinaus. Einer so weitreichenden Entscheidung sollte daher eine systematische individuelle Beratung vorausgehen, die die persönliche Lebenssituation und Ziele einbezieht.

BERATUNGSBEDARF WIRD STEIGEN

Eine umfassende Bestandsaufnahme der individuellen Lebenssituation wird umso wichtiger, weil neben der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung und der verpflichtenden Kapitalrente zusätzliche private oder betriebliche Vorsorgelösungen an Bedeutung gewinnen. Mit der Frühstartrente und der Einführung des Altersvorsorge-Depots ab Januar 2027 eröffnen sich neue Chancen für die geförderte private Altersvorsorge. Zugleich wächst mit der Zahl der Möglichkeiten der Bedarf an individueller und persönlicher Beratung, die Orientierung gibt und die einzelnen Elemente aufeinander abstimmt. Wesentlich ist daher weniger die Auswahl eines einzelnen Produktes, als vielmehr ein ganzheitliches Konzept, das die finanzielle und familiäre Situation, demografische Faktoren und die persönliche Risikobereitschaft berücksichtigt: Wie baue ich Vermögen auf und wie gebe ich es weiter? Wie sichere ich mich und meine Familie ab? Wann kann ich in den Ruhestand gehen? Gibt es Versorgungslücken?

Mehr Menschen an den Kapitalmarkt und an zusätzliche Vorsorgeformen heranzuführen, ist sinnvoll. Niedrigschwellige Standardangebote sorgen für eine höhere Verbreitung kapitalgedeckter Altersvorsorge, dürfen aber nicht als Ersatz für Beratung und individuelle Konzeption missverstanden werden. Die Planung der Altersvorsorge wird komplexer, bietet aber auch mehr Chancen für diejenigen, die das System und die Kapitalmärkte optimal angepasst an ihre Ziele kombinieren können. Ganzheitliche professionelle Beratung ist wichtiger denn je.