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Brasilien nach der Wahl

Oktober 2026

Christian Ott, Helaba Invest, analysiert die Chancen für Anleger in seinem aktuellen Kommentar und fokussiert sich auf die Staatsanleihen.

Helaba Invest
Christian Ott, Helaba Invest

Nach dem Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva über Flávio Bolsonaro bei der Präsidenten-Stichwahl in Brasilien hält die Helaba Invest an ihrem Übergewicht in brasilianischen Anleihen fest. „Fundamental weist das Land zwar eine hohe Staatsverschuldung von mehr als 80 Prozent auf. Allerdings sind nur etwa fünf Prozent der gesamten Staatsschulden in ausländischer Währung denominiert“, kommentiert Christian Ott, Senior-Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen bei der Helaba Invest. Des Weiteren betrage die Netto-Auslandsverschuldung lediglich knapp elf Prozent, und Brasilien verfüge über ca. 365 Milliarden US Dollar an Devisenreserven.

„Der alleinige Blick auf die Staatsverschuldung greift somit zu kurz, wenngleich die fiskalische Situation Handlungsbedarf erfordert“, sagt Ott. „Lula hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass er auf Druck der Kapitalmärkte durchaus reagiert und entsprechende Signale in seine Politik einfließen lässt.“ Insofern behält die Helaba Invest in ihren Hartwährungs-Staatsanleihenfonds vorerst eine leichte Übergewichtung Brasiliens bei, und zwar über die Beimischung von in Euro denominierten Staatsanleihen mit Spread-Aufschlag zur US-Dollar-Brasilienkurve sowie von selektiven Unternehmensanleihen.

Der Wahlsieg von Lula kam nach dem Resultat des ersten Wahlgangs am 4. Oktober durchaus überraschend. Zum ersten Mal seit der Rückkehr zu demokratischen Präsidentschaftswahlen 1989 gelang es in Brasilien einem Kandidaten, einen Rückstand aus dem ersten Wahlgang aufzuholen und die anschließende Stichwahl zu gewinnen. Die Märkte hatten zuletzt auf einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs und eine konsequentere Haushaltskonsolidierung unter Bolsonaro gesetzt. Nach der Wahl reagierten brasilianische Vermögenswerte sowie der Brasilianische Real mit zum Teil deutlichen Verlusten.

Ohne glaubwürdigen Konsolidierungspfad drohen Brasilien der Helaba Invest zufolge höhere Finanzierungskosten und eine weitere Ausweitung der Risikoaufschläge. „Unternehmensanleihen könnten zusätzlich unter hohen Zinsen, einer volatilen Währung und schwächerem Wachstum leiden. In den kommenden Wochen richten sich die Blicke daher insbesondere auf die Besetzung des Finanzministeriums, konkrete Haushaltsmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit dem fragmentierten Kongress“, sagt Ott. „Eine überzeugende fiskalpolitische Strategie könnte die Märkte stabilisieren. Bleiben klare Signale aus, sind weitere Kursverluste und erhöhte Volatilität möglich.“