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Outperformance bei Staatsanleihen

Oktober 2026

Stefano Fiorini, Fixed Income Fund Manager bei Generali Asset Management, vergleicht die Renditeentwicklung in den Schwellenländern mit jenen in den Industrienationen.

Generali AM
Stefano Fiorini, Generali AM

Seit Juni ist an den Rentenmärkten ein starker Aufwärtstrend bei den Renditen der Industrieländer zu beobachten, konstatiert Stefano Fiorini, Fixed Income Fund Manager bei Generali Asset Management. Fiorini geht in seiner Analyse näher darauf ein:

Dieser Trend steht im Einklang mit einer längerfristigen Entwicklung: Zum Zeitpunkt der Corona-Krise erreichten die Renditen von Staatsanleihen der Industrieländer ein historisches Tief, um ab dann wieder stetig anzusteigen. Die Entwicklung seit Juli 2026 ist daher als die Fortsetzung eines langfristigen Trends zu sehen, der den Anleihemarkt in den vergangenen Jahren geprägt hat. Das Besondere an dieser jüngsten Entwicklung ist, dass sie zwar globaler Natur ist, jedoch zu sehr unterschiedlichen Wertentwicklungen bei Staatsanleihen aus Industrieländern und Schwellenländern geführt hat.

So war der Zinsanstieg in den Industrieländern besonders ausgeprägt, während er in den Schwellenländern deutlich moderater ausfiel. In einigen asiatischen Ländern sind die Renditen in diesem Zeitraum sogar gesunken, ganz nach dem Vorbild der chinesischen Zinsen, die weiterhin auf historischen Tiefstständen notieren. Doch wie lässt sich diese deutliche Divergenz bei der Entwicklung der globalen Staatsanleihen erklären? Wie so oft gibt es nicht den einen Grund, sondern vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

WESENTLICHE GRÜNDE

Einerseits ist die Fiskalpolitik in den Industrieländern nach der Corona-Pandemie weiterhin äußerst expansiv, was sich in erheblichen Haushaltsdefiziten, einer extrem hohen Staatsverschuldung und der daraus resultierenden Notwendigkeit äußert, immer größere Mengen an Staatsanleihen am Markt zu platzieren. Die Tatsache, dass dies vor dem Hintergrund steigender Zinsen geschieht, erhöht den Druck auf die öffentlichen Finanzen der Industrieländer nur noch weiter, da ein wachsender Anteil der öffentlichen Einnahmen für Zinszahlungen verwendet wird. Im Gegensatz dazu sind die Schuldenquoten in den Schwellenländern im Allgemeinen niedriger, was ihnen sowohl in der Fiskal- als auch in der Geldpolitik weiterhin ein gewisses Maß an Flexibilität verschafft.

Die Staatsverschuldung in den größten Industrieländern ist mittlerweile so hoch, dass es keine einfachen Lösungen mehr gibt und die Zukunft wahrscheinlich von schwierigen Entscheidungen geprägt sein wird. Einerseits schlägt heute keine politische Kraft im Westen eine Rückkehr zur Sparpolitik vor, da eine solche Lösung äußerst unpopulär wäre; daher ist es notwendig, eine aggressive nominale Wachstumspolitik zu verfolgen, um das relative Gewicht der Staatsverschuldung zu verringern. Steigende Zinsen erhöhen jedoch nur die Hürden für den Erfolg einer solchen Politik.

Ein zweiter Faktor hängt mit der Geldpolitik der vergangenen Jahre zusammen. In vielen Industrieländern wurden die Leitzinsen niedrig gehalten, um das Wirtschaftswachstum zu stützen, wobei eine über den Zielen der Zentralbanken liegende Inflation in Kauf genommen wurde. So liegt beispielsweise die Inflation in den USA nun bereits seit 65 Monaten in Folge über dem 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve. Anleger mussten in den vergangenen Jahren negative Realrenditen bei Anleiheinvestitionen hinnehmen und fordern nun höhere Realzinsen. Vor diesem Hintergrund bieten Schwellenländer weiterhin hohe Realrenditen, was auf eine deutlich umsichtigere Geldpolitik zurückzuführen ist. Hohe Realzinsen tragen dazu bei, die Inflation in diesen Ländern unter Kontrolle zu halten, und machen Anleiheinvestitionen attraktiv. Auch in Zukunft dürfte sich dieser Konvergenzprozess zwischen den Realzinsen der Industrieländer und der Schwellenländer fortsetzen.