Die Finanzmärkte gehen mit einer konstruktiven Grundtendenz in den September, doch die Bedeutung geldpolitischer und energiepreisbedingter Risiken nimmt zu. Aktienkurse bleiben von robusten Unternehmensgewinnen und steigenden Gewinnerwartungen getragen. Zugleich verbreitert sich die bislang technologiegetriebene Dynamik über mehrere Sektoren. Auf der Zinsseite bleibt das Bild anspruchsvoller, weil die Inflation in den großen Volkswirtschaften weiter über den Zielwerten der Zentralbanken liegt und der Konflikt im Nahen Osten die Risikoprämie auf Öl aufrechterhält. „Eine Änderung der Fed-Strategie wäre weit mehr als eine einfache Anpassung“, betont Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Management der Schweizer Privatbank UBP, im aktuellen Kommentar.
„Eine Rückkehr zu strafferen Finanzierungsbedingungen würde einen echten Regimewechsel markieren und uns zwingen, unsere aktuellen Überzeugungen neu zu bewerten“, so Lok. Genau dieses Risiko steht im Zentrum der aktuellen Marktbeobachtung, weil es das breitere Kräfteverhältnis an den Märkten verändern könnte.
RISIKOANLAGEN: POSITIVES UMFELD
Das Umfeld für Risikoanlagen bleibt aus Sicht von UBP positiv. Unterstützt wird es durch ein Gewinnwachstum, das nicht mehr allein aus dem Technologiesektor kommt, sondern breiter in Finanzwerte, Grundstoffe, Energie und Industrie hineinwirkt. Die größten Risiken für diesen Ausblick sind ein weiterer Renditeanstieg oder ein neuer Ölpreisschub. UBP hält deshalb an der konstruktiven Positionierung fest, bleibt aber wachsam.
Die Inflation erweist sich hartnäckiger als erwartet. UBP rechnet damit, dass der Preisdruck bis zum zweiten Quartal 2027 erhöht bleibt, bevor er nachlässt. Damit verschiebt sich auch die Erwartung an eine Lockerung der US-Notenbank, die erst einsetzen dürfte, wenn die Inflationsdaten überzeugender nach unten drehen. Gleichzeitig bleibt Öl ein zentraler Belastungsfaktor. Für Brent gilt bis Ende 2026 weiterhin eine Spanne von 80 bis 100 US-Dollar je Barrel als Referenz, da der Konflikt im Nahen Osten keine schnelle Lösung erkennen lässt. Entsprechend hat UBP die Zielspanne für zehnjährige US-Staatsanleiherenditen von 3,75 bis 4,25 Prozent auf 4,25 bis 4,75 Prozent angehoben, sieht zugleich aber die Marke von 5 Prozent als Obergrenze, weil Fed und US-Finanzministerium bei ungeordneten Bewegungen am langen Ende wahrscheinlich eingreifen würden.
UNTERSCHIEDLICHE PFADE
Die Geldpolitik bleibt durch hohe Inflation und widerstandsfähige Konjunktur eingeschränkt. Die Zentralbanken haben zuletzt zwar geduldig auf den Inflationsanstieg reagiert, ihre Toleranz dürfte bei einem erneuten Überschießen aber begrenzt sein. Deshalb werden die Strategien in der zweiten Jahreshälfte stärker auseinanderlaufen. Fed und Bank of England dürften die Leitzinsen nach Einschätzung von UBP eher stabil halten, während die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und einige ASEAN-Zentralbanken ihre Sätze weiter anheben könnten. Die Fed steht im Zentrum des Dilemmas: Sie muss Inflation eindämmen, ohne den Investitionszyklus zu gefährden. Die September-Sitzung ist deshalb besonders unsicher, auch wenn eine neue Straffungsrunde nicht das bevorzugte Szenario von UBP ist.
Globale Aktien erholten sich im August nach dem technologiegetriebenen Rückschlag im Juli. Grundlage waren ein robustes makroökonomisches Umfeld und eine deutliche Beschleunigung des Gewinnwachstums. Wichtig ist für UBP, dass diese Dynamik nicht mehr nur im Technologiesektor sichtbar ist. Dennoch dürfte der jüngste Anstieg globaler Renditen kurzfristig verhindern, dass Bewertungen weiter expandieren. Besonders zurückhaltend wird UBP beim globalen zyklischen Konsum, ausgenommen Amazon und Tesla. Nachlassende fiskalische Unterstützung in den USA, höhere Energiepreise und Zinsen, gespaltene Konsumentenbudgets sowie Sorgen am Arbeitsmarkt belasten den Sektor. Daher wurde die Einschätzung von 3 auf 2 (bei einer Skala von 1 bis 5) gesenkt.
UNTERNEHMENSANLEIHEN BLEIBEN ATTRAKTIV
Im Fixed-Income-Bereich war der August volatil, auch wenn die US-Dollar-Zinskurve den Monat nahezu auf Ausgangsniveau beendete und die zehnjährige Rendite bei 4,75 Prozent schloss. Euro- und Pfundkurven stiegen unter dem Druck der Energiemärkte deutlicher. Kreditanlagen entwickelten sich erneut besser als Staatsanleihen, da sich Spreads trotz hoher Neuemissionsaktivität einengten. UBP bleibt bei der Duration in allen Währungen neutral bei vier Jahren und hält an einer bedeutenden Kreditallokation fest. Zusätzlicher Carry soll vor allem über High Yield, Schwellenländer und Agency-Mortgages erzielt werden.
Hedgefonds profitierten im August von einer Atempause nach den starken Schwankungen, die zuvor vom KI-Aktienthema geprägt waren. Besonders globale Makrostrategien gewannen an Attraktivität, weil sie in einem Umfeld steigender Zinsen und höherer geopolitischer Unsicherheit zusätzliche Chancen finden können. UBP hob das Rating für Global Macro deshalb von 2 auf 3 an. Bei Private Credit hat sich das aggregierte Kreditbild zwar nicht verschlechtert, doch die Streuung zwischen Managern und Strukturen hat sich verbreitert. Anleger werden nicht mehr für die Anlageklasse allein bezahlt, sondern für Managerselektion und den Zeitpunkt des Kapitaleinsatzes. In der geplanten Börsennotierung von Anthropic sieht UBP zugleich ein großes Exit-Fenster für Private Equity, das erstmals geprüfte wirtschaftliche Kennzahlen von KI-Laboren sichtbar machen dürfte.
Bei den Währungen wird UBP konstruktiver für den Euro und erwartet EUR/USD in einer Spanne von 1,16 bis 1,20. Deshalb werden Euro-Absicherungen in US-Dollar-Portfolios reduziert. Beim Gold bleibt die strategische Kernallokation unverändert, auch wenn das Edelmetall in einem Umfeld höherer Renditen zunächst seitwärts tendieren dürfte. Die jüngste Erholung erscheint eher technisch, nachdem Gold zuvor deutlich gefallen war. Für eine nachhaltige Rally in Richtung historischer Höchststände wäre im Basisszenario ein kräftiger Rückgang des US-Dollar nötig, den UBP derzeit nicht erwartet. Zugleich zeigte der August, dass schwächere US-Arbeitsmarktdaten und die Aussicht auf begrenzte Anleiherenditen die Nachfrage nach Gold wieder stärken können.
UBP hält an der konstruktiven Grundhaltung gegenüber Risikowerten fest, erkennt aber klar definierte Belastungsfaktoren. Entscheidend bleibt, ob Ölpreise und Renditen weiter steigen und die Inflation länger hoch halten. In diesem Fall könnte sich der September nicht nur als geldpolitische Wegmarke erweisen, sondern auch als Test dafür, ob das aktuelle Marktregime weiter Bestand hat. Im Mittelpunkt steht daher eine Positionierung, die weiterhin auf günstige Fundamentaldaten setzt, zugleich aber die Risiken durch Zinsen, Energiepreise und Zentralbanken eng beobachtet.

