„An den Anleihemärkten beobachten wir einen anhaltenden moderaten Anstieg der Renditen langlaufender Staatsanleihen – hauptsächlich verursacht durch die gestiegenen Inflationserwartungen“, sagt Geoffroy Lenoir, Head of Collective Investment Management bei Ofi Invest Asset Management. Lenoir analysiert das Umfeld:
Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen hat sich bei 4,40 Prozent eingependelt, während die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen zwischen drei und 3,10 Prozent schwankt. Die Einschätzung der Zentralbanken hat sich seit Anfang April deutlich gewandelt. Die US-Notenbank hält offiziell am Status quo fest. Jegliche Aussichten auf eine Zinssenkung wurden zurückgestellt. Der Markt preist nun eine längere Phase höherer Leitzinsen in den Jahren 2026 und 2027 ein. In der Eurozone ist der Kurswechsel noch deutlicher: Die Märkte gehen von einer Zinserhöhung im Juni aus, da die Europäische Zentralbank versucht, Zweitrundeneffekte der aktuellen Energiekrise auf Löhne und langfristige Inflationserwartungen abzuwenden.
SPREADS VERENGT
Dies hat die Renditen von Anleihen spürbar nach oben getrieben. Die Anlageklasse ist in den jüngsten Stressphasen ihrer Funktion als sicherer Hafen nicht gerecht geworden; Anleger kauften weniger Anleihen als sonst üblich. Die geringere Nachfrage wiederum könnte dazu führen, dass die Renditen auch zukünftig weniger deutlich sinken.
Überraschenderweise schlagen sich die gestiegenen Renditen nicht auf die Spreads von Unternehmensanleihen nieder. Im Gegenteil: Die Risikoprämien haben sich im Monatsverlauf deutlich verengt. Die Ankündigung eines Waffenstillstands im Iran und die weiterhin soliden Fundamentaldaten der Unternehmen haben extreme Szenarien weniger wahrscheinlich gemacht. Zudem stießen die Emissionen am Primärmarkt auf eine gute Nachfrage. Davon profitierten sowohl Euro-High-Yield-Anleihen als auch Euro-Investment-Grade-Anleihen. Das Niveau der Risikoprämien bewegt sich sogar fast wieder auf dem Niveau vor dem Krieg.

