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Die Fed im Fokus

Mai 2026

Die jüngsten Entwicklungen bringen die US-Notenbank in eine schwierige Lage, meint Tiffany Wilding, Ökonomin bei PIMCO.

PIMCO
Tiffany Wilding, PIMCO

Die zuletzt veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten spiegeln größtenteils noch den Zustand der Wirtschaft vor dem Iran-Konflikt wider, betont Tiffany Wilding, Ökonomin bei PIMCO, in ihrem Marktkommentar. Sie meint, dabei lassen sich drei zentrale Themen in den realen BIP-Daten für das 1. Quartal erkennen:

KI-bezogene Investitionen bleiben stark, trotz stagnierender Investitionstrends in anderen Bereichen.

Der Konsum hielt sich trotz einem gedämpften Wachstum des Realeinkommens stabil, allerdings auf Kosten einer rückläufigen Sparquote.

Die erhöhte Kern-PCE-Inflation im 1. Quartal wurde durch eine robuste Inflation bei Kerngütern (sowie einige idiosynkratische Faktoren im Dienstleistungssektor) getrieben. Wichtig ist, dass der Arbeitsmarkt hier keine Quelle von Inflationsdruck oberhalb des Zielwerts darstellt.

Was bedeutet das? Vor dem Iran-Krieg zeigte sich die wirtschaftliche Aktivität als solide, wies jedoch unter der Oberfläche Anfälligkeiten und uneinheitliche Entwicklungen auf (KI und der Rückgriff der Verbraucher auf Ersparnisse treiben weiterhin die Wirtschaft an). Mit Blick nach vorn bleibt die zentrale Frage, welche Auswirkungen die anhaltenden Störungen im Energiesektor haben. Natürlich muss die Achtsamkeit für Entwicklungen an den Energiemärkten nun erhöht sein.

Darüber hinaus ist es aber entscheidend, genau zu beobachten, wie der reale Konsum auf den Realeinkommensschock reagiert. Auch wenn die USA aufgrund ihrer Stellung als Nettoenergieimporteur weniger anfällig sind als andere Länder, werden sie nicht immun sein, falls physische Störungen zu einem größeren globalen stagflationären Schock und restriktiveren Finanzierungsbedingungen führen. Diese gegensätzlichen Kräfte bringen die Zentralbanken in eine schwierige Lage.

Wie geht es weiter? Die neuen Daten sollten den Ausblick für die Federal Reserve nicht wesentlich verändern, und wir rechnen weiterhin mit einer Zinssenkung im Jahr 2026. Die Fed hat viele Gründe, sich auf der FOMC-Sitzung im April lediglich in eine leicht restriktivere Richtung zu bewegen. Es gab zwar auch drei abweichende, restriktivere Stimmen; jedoch zeigte sich Fed-Chef Jerome Powell in seiner Pressekonferenz ausgewogen. Er betonte, dass mehr FOMC-Mitglieder die implizite Lockerungstendenz aus der Erklärung streichen wollten, die Mehrheit dies jedoch nicht unterstützte.

Zudem argumentierte Powell, dass angesichts der hohen Unsicherheit über Dauer und wirtschaftliche Auswirkungen des Energieangebots-Schocks kein wirklicher Mehrwert darin liege, ein starkes Signal zur geldpolitischen Ausrichtung zu senden. Dies deutet darauf hin, dass eine Kerngruppe innerhalb der Fed ebenso besorgt über die rezessiven Auswirkungen dieses Schocks ist wie über die inflationären Effekte (eine Ansicht, die wir ebenfalls vertreten). Gleichzeitig geben die derzeit erhöhten realen Renditen der Notenbank Spielraum, zunächst abzuwarten.