Startseite » Investmentfonds » 2024: Zunächst abwarten

2024: Zunächst abwarten

Dezember 2023
In der ersten Jahreshälfte wird die bremsende Wirkung der höheren Zinsen sichtbar. Im zweiten Halbjahr dürften die Märkte von ersten Zinssenkungen angetrieben werden, meint Stefano Zoffoli, Chefstratege bei Swisscanto.
Swisscanto
Stefano Zoffoli, Swisscanto

„Kurz vor dem Jahresende notieren zahlreiche Aktien- und Anleihensegmente im Plus und entsprechend dürfte sich 2023 als zufriedenstellendes Anlagejahr einreihen. Bei Aktien waren es insbesondere japanische Papiere – allerdings mit Währungsabsicherung – und beispielsweise die ‚Big Seven‘, wie Apple & Co. mittlerweile gerne genannt werden, die outperformten. Im Bereich Anleihen erzielten High Yield-Bonds bis dato überdurchschnittliche Erträge.

Angesichts der heftigen geldpolitischen Straffung sind diese ansehnlichen Ergebnisse zum Teil außergewöhnlich. Für 2024 erwarten wir ein Finanzjahr mit zwei Gesichtern. Für die erste Hälfte gilt erst einmal abzuwarten, da die bremsende Wirkung der höheren Zinsen sich nun verstärkt auf Konsum und Investitionen niederschlägt, und defensiv zu agieren, um dann im zweiten Halbjahr, getrieben von ersten Zinssenkungen, durchzustarten“, sagt Stefano Zoffoli, Chefstratege bei Swisscanto.

Zudem meint Zoffoli: „Der massive Fiskalstimulus in den USA verschob die Rezession. Denn die US-Regierung stimulierte in diesem Jahr bereits so, als wären wir in einer selbigen. Dieser starke Impuls fällt 2024 weg und dazu kommt, dass dem US-Verbraucher langsam die Puste ausgeht. Dies ist deutlich erkennbar an den zunehmenden Verspätungen bei Zahlungen der Kreditkarten- und Autokreditsalden. Daher unsere Zurückhaltung für die ersten sechs Monate in 2024. Für mehr Offensive im zweiten Halbjahr spricht die zu erwartende Wende bei den Zentralbanken. Wenn sich die Inflationsdaten in den gewünschten Sphären bewegen, kann es zu raschen Zinssenkungen kommen, insbesondere da die Zentralbanken in einer Rezession normalerweise nicht restriktiv bleiben.“

„Konkret halten wir im Aktiensegment aktuell und bis zur Jahresmitte US Mega-Caps und den Schweizer Aktienmarkt für attraktiv, da sich beide robust verhalten bei einer Konsumschwäche. Die US Mega Caps zeichnen sich durch starkes Gewinnwachstum aus und Schweizer Aktien sind interessant aufgrund ihrer stabilen und steigenden Dividenden. Generell sehen wir jedoch für das gesamte Jahr eine Aktienprogression trotz Rezession in der ersten Jahreshälfte, denn die hohen Cash-Bestände sprechen zusammen mit wieder sinkenden Finanzierungskosten für Aktien. Offensive sollte im zweiten Halbjahr Trumpf sein. Daher empfiehlt sich der Blick auf die abgestraften globalen Small Caps, die als Gewinner im Aufschwung in Erscheinung treten könnten. Small Caps sind historisch günstig nach den massiven Verlusten infolge des Zinsanstiegs, der die verschuldeten Small Caps stark belastete“, so Zoffoli.

Und abschließend äußert sich der Swisscanto-Chefstratege zum Anleihensegment: „Bei den Bonds reicht bereits ein geringer Rückgang der Renditen zu hohen Erträgen. Konkret sind zehn Prozent Ertrag in USD für 10-jährige US-Staatsanleihen bei einem Renditerückgang von 0,8 Prozent bei heutigen 4,5 Prozent möglich. Staatsanleihen sind in diesem Umfeld attraktiv und höher zu gewichten im Vergleich zu den Vorjahren. Unternehmensanleihen bleiben weiterhin interessant, jedoch gilt es eine Zunahme der Ausfallraten im Segment zu berücksichtigen und gut zu selektieren. Das gilt speziell im Bereich der High Yield-Bonds, die aus Renditeaspekten für risikoaffine Investierende unverändert eine sinnvolle Beimischung im Portfolio darstellen. Apropos Risiko: AT1-Anleihen, die so genannten CoCo-Bonds, gehören aufgrund ihrer hohen Kupons und der überwiegend guten Verfassung der Banken ebenfalls zu den Favoriten innerhalb der Anlagekategorie Anleihen.“