FONDS exklusiv: Wie entwickeln sich die in den beiden Sachwerte-Fonds jeweils noch nicht fertiggestellten Assets?
Uwe Mahrt: Der Blue Energy-Fonds hat derzeit 15 Assets im Portfolio, vorwiegend Photovoltaik-, Wind- und Wasserkraftanlagen breit gestreut in Europa. 80 Prozent der Investments sind operativ eingesetzt, denn die Bauphasen sind hier deutlich kürzer als beim Blue Living. In diesem Jahr müssen wir durch gesunkene Bewertungen angesichts hoher Zinsen zwar mit einem Minus von voraussichtlich neun Prozent auch Kursverluste verkraften, die fallen aber durch operative Exzellenz weniger gravierend aus als bei vielen anderen Erneuerbare-Energien-Fonds. Das liegt vor allem an unserem frühzeitigen Einsatz von Batteriespeichern, die inzwischen bei jedem neuen Erneuerbaren-Energien-Projekt integriert werden.
Welche Rolle spielen die Speicher für einen effizienten Anlagenbetrieb?
U. M.: Batteriespeicher versetzen uns in die Lage, Überkapazitäten bei der Energieerzeugung besser zu vermarkten. So lässt sich beispielsweise die mit unseren Photovoltaikanlagen erzeugte Sonnenenergie, die am Tag nicht benötigt wird oder sich zu keinem wirtschaftlichen Preis einspeisen lässt, effizienter am Abend verwerten. Hierfür erhalten wir durch den Einsatz von KI einen genauen Überblick, wie groß die Netzkapazitäten vor Ort sind und wie viele Anlagen wie viel Strom produzieren. Im Ergebnis können wir so vor Ort die Netzstabilität verbessern und den Einsatz fossiler Energiequellen verringern sowie gleichzeitig die mit dem Anlagenbetrieb erzielten Erlöse und damit die Rendite des Investments steigern.
Wie bewerten Sie die mittel- bis langfristigen Renditeaussichten?
U. M.: Wir haben den jüngsten Kurseinbruch überwunden und erwarten wieder leicht steigende Renditen. Die Preisentwicklung lässt sich zwar schwer prognostizieren, aber es ist davon auszugehen, dass sich der Strombedarf gerade in den skandinavischen Ländern in den nächsten Jahren verdreifachen wird. Begründet liegt dies in dem kommenden Aufbau von Data-Centern und Rechenzentren in Nord- und teils auch in Südeuropa. Denn die größten Internet-Knotenpunkte in Frankfurt, Paris und London sind weitestgehend überlastet.
Wie ist die Lage beim Blue Living?
U. M.: Hier investieren wir aktuell in 13 Objekte in Deutschland und in den USA. Manche davon sind bereits komplett vermietet, wie zum Beispiel in Düsseldorf und Berlin. Andere werden gerade errichtet, wie beispielsweise die „Welle Köln“. Unsere drei US-Projekte sind Wohnimmobilien in Top-Metropolen im Sunbelt. Hier sind wir übrigens Hauptinvestor und zwar als Sachwertfonds und als Bayerische im Rahmen ihres Sicherungsvermögens. Die Bauten in den USA befinden sich in unterschiedlichen Errichtungsphasen, kommen aber schneller voran, als wir das aus deutscher Perspektive erwartet hätten. Im nächsten Jahr werden wir ein Grundstück in der City von Dallas weiterentwickeln, das wir zu einem attraktiven Kaufpreis von 13 Millionen US-Dollar erworben haben.
Die Fondspolice Blue Invest ist inzwischen auch für Fremdfonds geöffnet. Wie stark nutzen ihre Kunden die Option, stärker zu diversifizieren?
U. M.: Richtig, 15 Prozent unserer Kunden investieren derzeit in eine noch überschaubare Anzahl von uns geprüfter Nachhaltigkeitsfonds, die wir 2026 ausweiten wollen. Gleichzeitig planen wir, die Mindestanlagequote auf 30 Prozent abzusenken, sodass unsere Kunden individuell per Schieberegler den Anteil von Fremdfonds zwischen Null und 70 Prozentfestlegen können. Auf diese Weise wollen wir auch Kapitalentnahmen während der Laufzeit erleichtern. Denn der Rückkauf aus den beiden Sachwerte-Fonds kann naturgemäß gerade zum Quartalsende bis zu sechs Wochen dauern. Außerdem kommen wir so auch jungen Anlegern entgegen, denn viele wollen ein pures, nachhaltiges Investment, aber dabei nicht gänzlich auf Aktienfonds und ETFs verzichten.

