Startseite » Nachhaltigkeit » Kreislaufwirtschaft hat Schlüsselrolle

Kreislaufwirtschaft hat Schlüsselrolle

Januar 2026

von Dieter Aigner, Geschäftsführer und CSIO bei Raiffeisen Capital Management*

Sabine-Klimpt
Dieter AIGNER, Raiffeisen Capital Management

Statistisch gesehen verbraucht jeder Europäer im Durchschnitt ca. 14 Tonnen Rohstoffe pro Jahr und verursacht rund fünf Tonnen Abfall. Zahlen, die die Bedeutung und das Potenzial von Kreislaufwirtschaft für eine nachhaltige Zukunft sehr eindrücklich vor Augen führen. Daher darf Kreislaufwirtschaft bei den von Raiffeisen Capital Management definierten Zukunfts-Themen nicht fehlen. So beschäftigt sich ein Team mit dem Impact, den der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft auf die Investments und den Investmentprozess der Fondsgesellschaft hat.

Enormer Ressourcenverbrauch

Beim vorherrschenden – linearen – Wirtschaftssystem werden Rohstoffe abgebaut und anschließend zu Produkten verarbeitet, die von Konsumenten genutzt und schlussendlich weggeworfen bzw. entsorgt werden. Die Verantwortung für das Produkt endet für das produzierende Unternehmen nach dem Verkauf und geht auf die Konsumenten über, die nun für die Entsorgung zuständig sind. Dieses System von „nehmen, benutzen und wegwerfen“ ist enorm Ressourcen-intensiv und daher nicht zukunftstauglich.

Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Produkte und auch Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu einer „Wegwerfgesellschaft“, Produkte so lange wie möglich in Gebrauch bleiben, repariert werden können und wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, ihre Einzelteile möglichst einfach wiederverwendet und recycelt werden können. Kreislaufwirtschaftsstrategien gehen weit über das Thema Recycling hinaus. Zentrale Problemstellungen der Kreislaufwirtschaft müssen bereits in der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Wie können Produkte entwickelt werden, die weniger Ressourcen bei der Produktion verbrauchen, die möglichst lange haltbar und leicht reparierbar sind, die wiederverwertet werden können und aus denen schlussendlich am Produktlebensende die Energie rückgewonnen werden kann.

Unternehmen eröffnet die Kreislaufwirtschaft eine Reihe von Vorteilen:
• Sicherung der Rohstoffversorgung (geringere Versorgungsrisiken, Reduktion der Rohstoffabhängigkeit, Wettbewerbsvorteile bei begrenzt verfügbaren Rohstoffen)
• Kostenvorteile durch Ressourceneffizienz und Recycling (Stichwort: CO2-Steuer)
• Rohstoffpreisschwankungen treffen Unternehmen weniger
• Regulierungen treffen Unternehmen weniger oder gar nicht (Stichwort: Plastiksteuer)
• Unternehmen sind für nachhaltige Investments interessant, sie profitieren von Kapitalflüssen in Richtung nachhaltige Geschäftsmodelle und damit im Endeffekt von geringeren Kapitalkosten

HÖHERE CO2-EMISSIONEN UND Materialeinsatz im Fokus

Da der Einsatzbereich ebenso wie die Herausforderungen enorm sind, ist eine Fokussierung sinnvoll: Wir haben uns in diesem Zusammenhang für Bereiche mit hohen CO2-Emissionen – d.h. Bereiche, die für die Klimawende entscheidend bzw. wo starke Auswirkungen auf Unternehmen zu erwarten sind entschieden, und schauen uns auch die Geschäftsmodelle an, die vom Trend in Richtung Kreislaufwirtschaft profitieren. Der Themenschwerpunkt „Bauen/Bauwirtschaft/Baumaterialien“ ist sowohl was Materialeinsatz als auch CO2-Emissionen betrifft, einer der Schlüsselsektoren. Hier gibt es zahlreiche Überschneidungen und Anknüpfungspunkte zu anderen Zukunfts-Themen, insbesondere zu den beiden Teams „Rohstoffe“ und „Infrastruktur“. Zwei weitere Themenschwerpunkte sind „Verpackungen/Verpackungslösungen“ sowie der Bereich „Elektromüll“. Hier spüren die Unternehmen die Auswirkungen der Regulierung sehr stark und sie stehen auch im Hinblick auf hohe Abfallmengen im Fokus unserer Analyse.

* Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.