FONDS exklusiv: Gibt es aktuelle Investitionsobjekte, über die Sie berichten können?
Steffen Hammer: Ja, gerne. Nur eines vorab: Infrastruktur ist weitaus vielschichtiger, als es in der Öffentlichkeit oft diskutiert wird. Wir unterscheiden hier fünf Sektoren: Energie, Versorgung, Kommunikation, Transport und soziale Infrastruktur. Im letztgenannten Bereich haben wir jüngst den Luftrettungsdienst Eliance Group in Spanien ins Portfolio aufgenommen. Das Unternehmen fliegt Rettungseinsätze und Krankentransporte, ist aber auch in der Brandbekämpfung aktiv. Lang laufende Verträge mit staatlichen Auftraggebern sichern uns stetige, planbare Erträge.
Bitte nennen Sie ein weiteres Beispiel.
S. H.: Recht neu investiert sind wir in den privaten Bildungsdienstleister Educare. Das Unternehmen wird einerseits vom spanischen Staat für private Unterrichtseinheiten in staatlichen Schulen bezahlt. Andererseits finanzieren Eltern ergänzende Maßnahmen, wie die Durchführung zusätzlicher Unterrichtsstunden.
Wie gelingt es Ihnen, derartige Objekte, die nicht an der Börse gelistet sind, frühzeitig zu identifizieren?
S. H.: Die Versicherungsgruppe Swiss Life ist als institutioneller Großanleger schon seit zehn bis 15 Jahren in diesen Bereichen unterwegs. In dieser Zeit haben wir uns in den verschiedenen Infrastrukturbereichen vielfältige Expertise erarbeitet und unser Netzwerk sukzessive ausgebaut. Verantwortlich dafür ist unsere Schwestergesellschaft Swiss Life Asset Managers. Dort arbeiten über 70 Kolleginnen und Kollegen, um solche Infrastrukturperlen zu finden.
Wie geht es weiter, wenn die Kollegen fündig geworden sind?
S. H.: Dann wird ein Due Diligence-Prozess gestartet, bei dem die Gesellschaft über einen Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten sozusagen auf Herz und Nieren geprüft wird. Steigen wir als Investor ein, liegt die Beteiligung in der Regel bei mindestens 25 Prozent. Denn wir wollen Unternehmen langfristig begleiten und voranbringen, sei es im operativen Management oder im Aufsichts- oder Verwaltungsrat. Per Ende 2024 beträgt das Engagement von Swiss Life im Infrastrukturbereich über zwölf Milliarden Euro. Gut 50 Prozent davon sind im Sicherungsvermögen unserer Lebensversicherung angesiedelt.
Die Mindestanlage von 10.000 Euro ist gerade für ein Vorsorgeprodukt ungewöhnlich hoch. An wen richtet sich die Privado-Police?
S. H.: Die ELTIF-Police eignet sich für viele. Erstens meine ich Kunden, bei denen ein Altersvorsorgevertrag ausläuft, die aber noch so zwölf bis 15 Jahre im Berufsleben stehen. Sie benötigen eine Anlage mit passendem Chance-Risiko-Verhältnis, genauso wie die Erben-Generation. Drittens überzeugen viele Kunden die positiven Effekte bei der Diversifikation aufgrund der geringen Korrelation mit den Aktienmärkten. Schließlich sehen wir verstärkt, dass Eltern eine Privado-Police für ihre Kinder abschließen, die den Vertrag dann optimalerweise wie ein lebensbegleitendes Vorsorgekonto für ihre eigene Altersvorsorge weiterführen können.
Warum eignet sich der Infrastruktur-ELTIF als Anlagemotor besonders für die Altersvorsorge?
S. H.: Die Abkürzung ELTIF steht für: European Long-Term Investment Fund. Ähnlich wie die Altersvorsorge, die auf Jahrzehnte ausgerichtet ist, investiert auch der ELTIF langfristig in die Infrastrukturprojekte. Zudem bietet der Infrastruktur-ELTIF eine durchschnittliche Zielrendite von sechs bis neun Prozent pro Jahr. Solche Ergebnisse lassen sich zwar auch mit einem Weltaktienindex erzielen, dies jedoch nicht bei einer jährlichen Volatilität von lediglich rund zehn Prozent. Das mit geringeren Kursschwankungen einhergehende Sicherheitsplus ist aber vielen Kunden wichtig, insbesondere wenn sie Einmalbeiträge in die Privado-Police einzahlen.

