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Auf Alternative Investments setzen

Printausgabe | Januar 2026

Wer Anlagerisiken begrenzen will, sollte seine private Altersvorsorge auf mehreren Säulen aufbauen. Fondspolicen mit Alternativen Investments können sich hier als nützlich erweisen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die sechs Produkte auf den Prüfstand stellt.

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In wirtschaftlich unsicheren Zeiten steigt gewöhnlich auch bei Sparern und Anlegern das Bedürfnis nach Sicherheit. Fast jeder Dritte setzt deshalb auf reale Werte wie Infrastruktur, Immobilien und erneuerbare Energien. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, repräsentativ für die Wohnbevölkerung ab 18 Jahren in Deutschland. „Sachwerte verbinden langfristige Planbarkeit mit regelmäßigen Erträgen. In unsicheren Zeiten ist das ein starkes Argument“, sagt Uwe Mahrt, Geschäftsführer von Pangaea Life, die die Studie beauftragt hat. Konkret bevorzugen 29 Prozent der Befragten derartige Sachwerteinvestments, während 28 Prozent auf Fest- oder Tagesgeld und 19 Prozent auf Aktien bzw. Aktienfonds setzen (siehe Grafik).

Deutsche Versicherer tätigen seit vielen Jahren entsprechende Sachwerte-Investments im Sicherungsvermögen und verfügen über eine gewachsene Expertise im Segment Alternativer Investments, wozu auch Private Equity und Private Debt gehören. Sie gelten daher nach Einschätzung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) als Vorreiter. In doppelter Weise gibt es dabei viel Rückenwind für Sparer und Anleger. Erstens vonseiten der Regulatorik: Um privates Kapital für diese Bereiche zu mobilisieren, hat der europäische Gesetzgeber bei den bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufenen European Long-Term Investment Funds, kurz ELTIFs, an einigen zentralen Stellen nachgebessert. Der modernisierte Rahmen präzisiert Zugang, Liquiditätsmanagement, Rückgaben, Bewertung und Kostenoffenlegung und macht ELTIF-basierte Lösungen breiter nutzbar, bewerten die IVFP-Experten.

Zweitens attestiert eine Studie des Bundesverbandes Alternativer Investments aus 2024 der Branche nicht nur eine höhere Allokation in Alternative Investments als andere institutionelle Anleger, sondern auch großes Fachwissen und Expertise, getragen von spezialisierten Teams (siehe Grafik unten). Und so verwundert es nicht, dass die Branche produktseitig nachgelegt hat und jede zweite Gesellschaft dies laut einer Erhebung des Instituts künftig tun will. Am Markt sind derzeit Policen mit Alternativen Investments von der Allianz, die Bayerische, Generali, Swiss Life und die Württembergische verfügbar – dargestellt und miteinander verglichen im aktuellen Marktüberblick „Alternative Investments im Umbruch“ des IVFP. Die Studienverfasser kommen zum Ergebnis, dass sich die Fondspolicen ohne Garantien zwar deutlich in Struktur und Strategie unterscheiden und damit kaum direkt vergleichbar sind. Gleichwohl heben die Experten hervor, dass nahezu für jede Zielgruppe passende Ausprägungen existieren. Andreas Kick, Geschäftsführer des Instituts, stellt mit Blick auf die Studienergebnisse fest: „Der langfristige Charakter Alternativer Investments passt ideal zum Wesen der Altersvorsorge.“

Eingeschränkte liquidität

Wichtig ist dabei, dass Sparer – das Vorsorgeziel vor Augen – keine größeren Anforderungen an die Kapitalverfügbarkeit stellen. Denn mit den Alternativen Investments, die nicht an der Börse gelistet sind, gehen langfristige Engagements einher, welche die Liquidität deutlich einschränken. Den mit Blick auf die Kundenanforderungen geforderten Spagat zwischen möglichst hoher Flexibilität und strukturell geringer Liquidität versuchen die Anbieter durch einen Liquiditätspuffer hinzukriegen. Dieser Puffer besteht typischerweise aus gering verzinsten Barmitteln, kurzfristigen Geldmarktanlagen oder semi-liquiden Assets und wird direkt innerhalb des Fonds in Cash, über Zielfonds oder innerhalb des Versicherungsmantels bereitgestellt. Das Liquiditätsmanagement wird im Zuge des Portfolioaufbaus und durch spezifische Maßnahmen wie Kündigungsfristen und Rücknahmelimits umgesetzt. Zum Nulltarif ist das Ganze für den Kunden nicht. Denn es entstehen (Opportunitäts-)Kosten bzw. Rücknahmegebühren auf Fondsebene oder im Versicherungsmantel. Kick betont: „Entscheidend ist vollständige Produkttransparenz, gerade auch über alle anfallenden Kosten.“

Die Allianz bündelt als einer der weltweit größten Investoren Alternative Investments im Sicherungsvermögen und ermöglicht Privatkunden auf zwei Wegen eine Teilhabe, schreiben die Studienverfasser. Die PrivatFinancePolice basiert auf einem unternehmensinternen Referenzportfolio, das zu je 25 Prozent in Infrastruktur und Private Debt, zu je 20 Prozent in Immobilien und Private Equity und zu zehn Prozent in erneuerbare Energien investiert. Insgesamt sollen es über 10.000 Einzeltitel sein. Kunden können hier nur gegen Einmalbeitrag von mindestens 10.000 Euro einsteigen. Zuzahlungen in bestehende Verträge sind nicht möglich; für zusätzliche Anlagewünsche ab 10.000 Euro müsste ein separater Vertrag abgeschlossen werden. Vorzeitige Entnahmen sind nicht vorgesehen. 

Diese Einschränkungen gelten auch bei der PrivateMarketsPolice des Versicherers, die in der Studie als lebenslange Risikoversicherung ohne Gesundheitsprüfung eingeordnet wird. So müsse bei Vertragsabschluss keine Laufzeit festgelegt werden. Investmentseitig kann hier zwischen fünf Anlagestrategien gewählt werden, differenziert die Studie. Konkret werden die zuvor genannten Alternativen Anlageklassen (ausgenommen Immobilien) über interne Fonds investierbar – und ergänzt durch die Future-Focused Strategie. Durch Investitionen in den Klimaschutz, Anpassungen an den Klimawandel sowie die Dekarbonisierung der Wirtschaft wird hier ein nachhaltiger Wertzuwachs angestrebt.

Eine komplett nachhaltige Ausrichtung verfolgt die Blue Invest des Versicherers die Bayerische. Der Ertragsmotor sind hier zwei Alternative Investmentfonds, kurz AIFs: der Blue Energy investiert in erneuerbare Energien, der Blue Living in nachhaltige Immobilien (mehr dazu im Interview mit Uwe Mahrt). Die Beitragsgestaltung ist variabler: Laut Studie beträgt der Mindestbeitrag 50 Euro monatlich bei einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren. Bei Einmalzahlungen ab 15.000 Euro verringert sich die Mindestlaufzeit auf fünf Jahre. Während der Ansparphase können jährlich bis zu sechs Zuzahlungen geleistet werden. Entnahmen sind sowohl bei den nachhaltigen Fonds bzw. ETFs als auch bei den Pangaea Life-Fonds möglich, dort auf jährlich drei limitiert. Zum Rentenbeginn haben die Kunden neben einer lebenslang garantierten Rente die Option einer fondsgebundenen Auszahlungsphase, einschließlich einer Anlage in Pangaea-Fonds.

frei wählbare fondsanteile

Ebenfalls zwei AIFs sind der Anlagekern des Generali Vermögensaufbau – und Sicherheitsplan. Laut Studie investiert der Exklusiv Fonds Infrastruktur aktuell in 22 Einzelprojekte technischer und sozialer Infrastruktur, die sich überwiegend im Betrieb befinden. Der Exklusiv Fonds Private Debt engagiert sich demgegenüber direkt und indirekt in derzeit neun privaten Unternehmensfinanzierungen, wobei sechs davon direkte Investitionen darstellen. Die verbleibenden drei Anlagen sind indirekte Fonds-Investitionen. Die Kunden können bestimmen, welcher Anteil ihres Beitrags in die beiden AIFs oder ebenfalls wählbare andere Fonds investiert wird. Ein verbleibender Anteil kann sicherheitsorientiert angelegt werden. Die Höhe des Mindestbeitrags liegt hier bei monatlich 25 Euro und einer Einmalanlage in Höhe von 2.500 Euro. Zuzahlungen, Rückgaben und Teilauszahlungen sind kein Problem.

Die Genius PrivatRente von der Württembergischen setzt auf ein Dachfondskonzept: Durch Wahl der Anlagestrategie Alternative Investments erhält der Kunde Zugriff auf den AIF W&W Private Capital, der in Zielfonds aus den Segmenten Private Equity, Infrastruktur, Private Debt und Immobilien investiert. Laut Studie besteht die Anlagestrategie aktuell aus rund 450 Einzelinvestments. Der Mindestbeitrag liegt bei monatlich 25 Euro bzw. 7.000 Euro Einmalanlage bei wenigstens fünfjähriger Laufzeit. Zuzahlungen können jederzeit ab 250 Euro geleistet werden. Entnahmen sind möglich, sofern das verbleibende Gesamtguthaben nicht unter die Schwelle von 2.000 Euro sinkt.

Der Versicherer Swiss Life hat die Aktivitäten des EU-Gesetzgebers nicht nur zur Auflage eines eigenen ELTIF, den Swiss Life Funds (LUX) Privado Infrastructure S.A., genutzt, sondern Sparern diesen über eine Fondspolice geöffnet. Der ELTIF investiert derzeit in über 75 Anlagen aus den Sektoren Verkehr (z. B. Mautstraßen), erneuerbare Energien (z. B. Windparks), Versorgungsbetriebe (z. B. Fernwärme), Kommunikation (z. B. Glasfaserkabel) und Soziale Infrastruktur (z. B. Privatkliniken) listet die Studie auf. Die Swiss Life Privado Police kann nur gegen einen Mindesteinmalbeitrag von 10.000 Euro abgeschlossen werden. Danach sind Zuzahlungen bis zu fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn jederzeit ab 5.000 Euro möglich. Ebenso können Entnahmen ab 2.500 Euro jederzeit umgesetzt werden, vorausgesetzt das Restguthaben beträgt mindestens 5.000 Euro (mehr dazu im Interview mit dem Vorsorge-Spezialisten Steffen Hammer).

Mit Blick auf die Produktauswahl legen die Autoren auf drei Faktoren besonderen Wert:

1. Die Kosten des Versicherungsmantels und der Kapitalanlage müssen klar ausgewiesen werden. Letztgenannte sollten also die Kosten für Ziel- und Dachfonds ebenso einbeziehen wie performanceabhängige Vergütungen. Aufgepasst heißt es bei mehrschichtigen Kostenstrukturen, denn sie begünstigen „versteckte Kosten“.

2. Die Einschränkungen der Flexibilität müssen transparent aufgezeigt werden. Dabei geht es um Fragen wie: Wer stellt die Liquidität? Welche Rückgabebeschränkungen gelten? Sind Teilrückgaben möglich und wenn ja, mit welchen zeitlichen Verzögerungen? Und fallen Entgelte für die Übernahme des Liquiditätsrisikos an und wenn ja, in welcher Höhe?

3. Die Portfolioaufteilung, z.B. nach Sektoren und Regionen, und der Investitionsgrad in Alternative Investments sollten verständlich dargestellt werden. Mit Vorsicht sollten Angaben zur historischen Wertentwicklung interpretiert werden, da viele Vehikel jung sind und kurze Track-Records aufweisen.

Entsprechend kundengerecht eingebunden, können Alternative Investments im Versicherungsmantel die Vorsorge sinnvoll ergänzen, Erträge stabilisieren und Schwankungen dämpfen. „Alternative Investments sollten stets nur ein Baustein der gesamten Vorsorgestrategie sein – in einem diversifizierten Mix aus Aktien, Anleihen und Alternatives“, sagt der IVFP-Geschäftsführer. Eine aktuelle Studie des Fondsanbieters Union Investment bestätigt vorteilhafte Rendite- und Risikoeigenschaften. Was die Anlagerisiken betrifft, weisen Alternative Investments positive Diversifikationseffekte im Hinblick auf die Korrelation, Volatilität und Verlustphasen an den Kapitalmärkten auf.

Hinsichtlich der Renditeerwartungen könnten Alternative Investments demnach je nach Anlageklasse in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich einen jährlichen Ertrag zwischen sieben und fast zwölf Prozent erzielen. „Die von uns erwarteten Renditen für Alternative Investments liegen deutlich über jenen von vergleichbaren liquiden Märkten. Investoren können somit Prämien vereinnahmen, wenn sie Alternative Investments in ihr Portfolio integrieren“, sagt Jens Gottsmann, Abteilungsleiter im Portfoliomanagement und verantwortlich für die Steuerung von Portfolios institutioneller Anleger bei der Investmentgesellschaft.

Bleibt die Frage, für welche Kundengruppen sich Fondspolicen mit Alternativen Investments eignen? Ratierliches Sparen und echte Diversifikationsvorteile sind ideale Taktgeber für den langfristigen Kapitalaufbau. Für vermögendere Kunden kommen Einmalbeitragsprodukte zum langfristigen Kapitalaufbau bzw. zur Wiederanlage als Beimischung zum Tragen. Außerdem können manche Policen sinnvoll in eine Erbschafts- und Schenkungsstrategie eingebunden werden. 

Perspektivisch stehen Alternative Investments im Versicherungsmantel aus Sicht der Branchenkenner erst am Anfang einer breiten Marktdurchdringung. „Es ist zu erwarten, dass weitere Anbieter nachziehen – insbesondere im Bereich fondsgebundener Renten- und Lebensversicherungen“. Mit zunehmenden Erfahrungen, größerem Anlagevolumen und standardisierten Prozessen dürften die Lösungen zudem kosteneffizienter und damit preislich attraktiver werden, heißt es. Und die Autoren betonen weiter: „Gelingt zugleich ein verlässliches Liquiditätsmanagement und die Aktivierung des Vertriebs, hat die Anlageklasse das Potenzial, sich als fester Baustein moderner Altersvorsorge zu etablieren.“