Der Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion hat sich gewandelt. Aus dem anfänglichen Hype ist ein gefestigtes Duopol entstanden. Auf der einen Seite steht der europäische Anbieter der Semaglutid-Präparate Wegovy und Ozempic, auf der anderen Eli Lilly mit dem wirksameren Wirkstoff Tirzepatid, der als Mounjaro und Zepbound vermarktet wird. Eli Lilly hat kontinuierlich Marktanteile gewonnen und sich als führender Anbieter etabliert. Zudem ist der Patentschutz für Semaglutid in Kanada und Brasilien ausgelaufen.
BREITERER ZUGANG DURCH TABLETTEN UND ERSTATTUNGEN
Die wichtigste Neuerung ist die Einführung oraler Medikamente. Der Anbieter von Wegovy hat eine Tablettenversion auf den Markt gebracht, Eli Lilly folgte mit Foundayo. Zunächst liegt der Vorteil bei oralem Wegovy: Es baut auf einer etablierten Marke auf, war als erstes erhältlich und schneidet beim Wirkprofil besser ab. Unterschiede gibt es jedoch bei der Einnahme: Wegovy-Patienten dürfen nach oraler Einnahme 30 Minuten lang weder essen noch trinken. Foundayo kann dagegen unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden, was die Anwendung erleichtern und die Therapietreue fördern dürfte. Beide Tabletten sind stark nachgefragt, ohne die Nachfrage nach Injektionen zu verdrängen.
Zusätzlich erweitert die staatliche Kostenübernahme den Zugang in den USA. Die US-Gesundheitsbehörde hat die Aufnahme der GLP-1-Präparate in Medicare und Medicaid beschlossen. Seit Juli erhalten berechtigte Versicherte die Medikamente für eine geringe Zuzahlung und damit Millionen US-Patienten leichteren Zugang.
Weitere Einsatzfelder und neue Wirkstoffe
Aktuell wird die mögliche Anwendung der Präparate über die reine Gewichtsabnahme hinaus geprüft. So könnten GLP-1-Agonisten das Belohnungssystem des Gehirns dämpfen und dadurch Suchtverhalten abschwächen. Bislang werden sie nur selten außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete eingesetzt.
Auch bei den Wirkstoffen gibt es Fortschritte. Retatrutid, welches sich in einer zulassungsrelevanten Studie befindet, führte zum bislang höchsten dokumentierten Gewichtsverlust, welcher einem operativen Eingriff nahekommt. Dabei wurde eine niedrige Dosis verwendet, die ein sehr gutes Nebenwirkungsprofil aufwies. Der eher für extreme Adipositas-Fälle vorgesehene Wirkstoff könnte damit für einen breiteren Patientenkreis infrage kommen. Die Einreichung bei der US-Arzneimittelbehörde wird zum kommenden Jahreswechsel erwartet.
Die Entwicklungspipeline reicht jedoch noch weiter. Als nächste Wirkstoffklasse rücken Amyline in den Fokus. Diese körpereigenen Hormone steuern das Sättigungsgefühl und zeichnen sich durch ein gutes Verträglichkeitsprofil sowie ihre Kombinierbarkeit aus. Damit kommen sie auch für Patienten infrage, die GLP-1-Wirkstoffe nicht gut vertragen.
Nicht jede Bewertung ist trotz Megatrend gerechtfertigt
Der Megatrend Adipositas-Therapie bleibt also intakt. Eli Lilly hat sich hier als klarer Qualitätsführer positioniert. Das Unternehmen verfügt über die breiteste Entwicklungspipeline, den stärksten Wirkstoff und laut Experten die überzeugendste Perspektive bei Amylinen. Dies dürfte jedoch bereits weitgehend eingepreist sein.
Der Anbieter der Semaglutid-Präparate hat den Markt früh geprägt, steht jedoch vor einer strukturellen Belastung. Die ausgelaufenen Patente in Kanada und Brasilien zeigen, wie stark die Preise nach dem Ende des Schutzes fallen können. Dieses Risiko spiegelt sich in der aktuellen Bewertung des Unternehmens möglicherweise noch nicht vollständig wider.

