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Nagelprobe für Fed-Präsident Kevin Warsh

September 2026

Benjamin Bente, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Vates Invest, stellt die Frage: Volcker oder Burns?

Vates Invest
Benjamin Bente, Vates Invest

Fed-Präsident Kevin Warsh hat mit seiner jüngsten Rede auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole seine bisherige Linie konsequent fortgesetzt, konstatiert Benjamin Bente, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Vates Invest. Seine Ausführungen reihen sich nahtlos in die Ansprachen seit seinem Amtsantritt ein: Warsh zeigt sich „hawkish in words“. Am vergangenen Freitag hat er rhetorisch in puncto Restriktivität sogar noch einmal nachgelegt.

Bemerkenswert war insbesondere die Klarheit seiner Worte: Warsh räumte explizit ein, dass die Verantwortung für die nunmehr seit 65 Monaten anhaltende, erhöhte Inflation eindeutig bei der US-Zentralbank liegt. Damit grenzt er sich – zumindest verbal – deutlich von seinem Vorgänger ab, der stets von einer lediglich „vorübergehenden“ („transitory“) Inflation sprach. Einen Zeitraum von 65 Monaten kann schlicht niemand mehr als temporär klassifizieren.

RESTRIKTIVE GELDPOLITIK?

Bislang präsentierte sich Warsh – wie auch die Pressekonferenz im Nachgang der letzten Fed-Sitzung verdeutlichte – zwar rhetorisch als Falke („hawkish in words“), in seinem tatsächlichen Handeln jedoch als Taube („dovish in deeds“). Eine wirksame Inflationsbekämpfung lässt sich am Ende des Tages jedoch nicht durch Appelle erzielen, sondern ausschließlich durch konsequentes Handeln in Form von Zinserhöhungen.

Am Markt zeigt die Rhetorik bereits Wirkung: Die Geldmärkte preisen nach der Rede mittlerweile wieder zwei Zinserhöhungen ein. Die erste Anpassung wird bereits für die anstehende September-Sitzung erwartet – und damit noch vor den US-Zwischenwahlen.

Dies wird der eigentliche Lackmustest für die Notenbank. Warsh verbleiben noch ein bis zwei Sitzungen, um seinen Worten Taten folgen zu lassen und seine geldpolitische Glaubwürdigkeit zu wahren. Ob er eine Leitzinsanhebung vor den Midterms tatsächlich wagt, bleibt abzuwarten, da er sich damit direkt gegen US-Präsident Trump positionieren würde.

HISTORISCHE WEICHENSTELLUNG

Wählt er den Pfad von Paul Volcker, der die Inflation als zentrale Bedrohung erkannte und sie ohne Rücksicht auf politische Befindlichkeiten oder drohende Ungnade konsequent bekämpfte?

Oder folgt er dem Beispiel von Arthur Burns, der die Teuerung gewähren ließ und als einer der willfährigsten Fed-Präsidenten in die Geschichte einging?

Volcker oder Burns – diese Richtungsentscheidung wird Kevin Warsh schlussendlich nur durch seine Taten oder das Ausbleiben selbiger fällen können.