FONDS exklusiv: 50 Jahre BVT – das lässt auch Anleger aufhorchen. Was sind zurückblickend die Meilensteine Ihrer Unternehmensgeschichte?
Tibor von Wiedebach: Einer der größten Meilensteine war in den 70er-Jahren die Public Storage Fondsserie. Mit der Entwicklung von Mini-Warehouse-Projekten ist die BVT sozusagen groß geworden. Gleichzeitig war das ein Stück weit die Keimzelle für weitere Projekte in den USA, konkret zunächst die Beteiligung an Shopping-Centern und danach die Konzeption hochwertiger Apartmentanlagen im Rahmen der US-Residential-Serie. Sie stellt seit mehr als 20 Jahren maßgeblich das Fundament unseres Wachstums dar. Ein weiterer Meilenstein ist das Thema Umweltschutz als Kapitalanlage.
Sie meinen Ihre Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien?
T. v. W.: Richtig, im ersten Schritt. In den 80er-Jahren haben wir Anlegern eine Beteiligungsmöglichkeit an dem damals größten Windpark Europas in Nordfriesland eröffnet. Darauf aufbauend realisierten wir zahlreiche weitere Umwelt-Infrastrukturprojekte als Private-Public-Partnership-Modelle, Investments in Ver- und Entsorgungsanlagen und unseren größten Fonds, einen Kraftwerke-Pool mit einem Investitionsvolumen von über einer Milliarde D-Mark. Künftig wollen wir vor allem das Thema Energiespeicherung in den Fokus stellen.
Darauf kommen wir zurück. Lassen Sie uns noch kurz auf die Meilensteine schauen.
T. v. W.: Gern, 1992 haben wir angefangen, deutsche Immobilienfonds auch für Privatanleger aufzulegen, zunächst nachfragebedingt eher mit steuerorientierter Ausrichtung. Dann wechselte der Fokus ab 2004 mit unserer Ertragswertfondsserie auf stabile Erträge und Ausschüttungen. Und bei diesem Spurt durch unser halbes Jahrhundert dürfen wir natürlich den Bereich der Alternativen Investments nicht vergessen. Hier waren wir mit unseren Private Equity Dachfonds unter den Vorreitern am Markt und haben dieses Segment für ein breites Privatanleger-Publikum erschlossen.
Wenn Sie die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren lassen, welches Ereignis hat Sie besonders bewegt?
T. v. W.: Das war die große Finanzkrise 2008. US-Investments wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen, auch unsere US-Beteiligungen. Die Entwicklungen bereiteten mir damals manche schlaflose Nacht. Uns kam allerdings zugute, dass wir schon sehr früh auf die Umsetzung einer breiten und ausgewogenen Geschäftsstruktur geachtet haben. Das bedeutet, wenn eine Assetklasse vertriebsseitig Schwierigkeiten bereitete, wie damals US-Beteiligungen, gab es andere Assetklassen, die ausgesprochen gut liefen. So konnten wir die verschiedenen Zyklen, die es marktseitig immer wieder gegeben hat, sehr gut ausgleichen. Zudem ist es uns immer gelungen, eine vernünftige Kosten-Ertrags-Relation sicherzustellen und uns damit von Transaktionen weitgehend unabhängig zu machen.
Was kennzeichnet Ihre US-Expertise auch in Abgrenzung zu Mitbewerbern?
T. v. W.: Das ist unsere langjährige Erfahrung über unterschiedliche Marktzyklen hinweg, aber auch unsere Office-Präsenz in den USA, konkret unser Hauptsitz in Atlanta und ein Standort in Boston. Die Tätigkeitsschwerpunkte unserer insgesamt 14 Mitarbeiter dort liegen in der Projektverwaltung und Akquisition. Letzteren Bereich verstärken wir gerade personell. Alles dies versetzt uns in die Lage, Markttrends zu erkennen und zu bewerten sowie auf Basis des eigenen Researchs und eigener Erfahrungen Projekte zu entwickeln. Vorteilhaft ist zudem, dass wir unsere Development-Partner direkt vor Ort im Blick haben. Und spätestens seit die BVT-Gesellschaften in den USA und in Deutschland zusammengeführt worden sind und ich auch Präsident und CEO der USA-Aktivitäten bin, reise ich etwa alle acht Wochen für rund zehn Tage nach Amerika und mache mir mein eigenes Bild.
Im ersten Quartal 2026 bescherten zwei Objektverkäufe im Rahmen der BVT US-Residential-Fondsserie Anlegern millionenschwere Kapitalrückflüsse. Womit ist im weiteren Jahresverlauf zu rechnen?
T. v. W.: Wenn eine Gesellschaft bedeutsame Exits auch in schwierigen Zeiten erzielt, ist das gerade im Marktvergleich wie ein „Proof of Concept“. Mit den beiden Objektverkäufen haben Privatanleger beziehungsweise institutionelle Investoren Renditen zwischen acht und elf Prozent erzielt. Die Anlageergebnisse bestätigen, dass wir ziemlich genau das erreicht haben, was wir vor drei oder vier Jahren versprochen haben – und dies, obwohl die Märkte damals einfacher waren als heute. Gerade vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass wir aktuell mit unserem Development-Partner Criterion unser neuntes Großprojekt in Boston anbinden konnten. Durchschnittlich können wir in einem guten Jahr drei bis vier Projekte anbieten.
Gilt das auch unter der aktuellen Präsidentschaft?
T. v. W.: Die aktuelle politische Landschaft in den USA belastet die globale Wirtschaft generell – und ist sicher nicht vertriebsfördernd. Auch einige unserer institutionellen Kunden haben ihre Investitionstätigkeiten zunächst auf „hold“ gestellt. Sie stellen ihre Aktivitäten also nicht ein, sondern beobachten die weiteren Entwicklungen. Der Investitionsdruck in den US-Dollar nimmt ja nicht ab, als Investor gilt es eben auch immer langfristig zu denken. Die USA werden für Investoren auch in Zukunft ein Staat mit verlässlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen und besonderen unternehmerischen Chancen bleiben, die sich langfristig auszahlen werden.
Nicht nur durch den US-Präsidenten ist das Thema Nachhaltigkeit in jüngster Zeit stark ins Hintertreffen geraten. Welche Bedeutung hat es für die BVT aktuell und in Zukunft?
T. v. W.: Das stimmt, allerdings passiert dort dennoch viel in diesem Bereich. Beispielsweise wird massiv in Holz gebaut, also mit nachwachsenden Rohstoffen. Bei der BVT ist Nachhaltigkeit, wie erwähnt, schon lange fest verankert. Darüber hinaus haben wir die UN PRI unterschrieben, berücksichtigen ESG-Kriterien bei der Bewertung von Chancen und Risiken, verfolgen eine ESG-Policy, die weit ins Unternehmen hineinreicht und werden seit einigen Jahren von einem unabhängigen Nachhaltigkeitsbeirat unterstützt, aktuell zum Beispiel rund um das Thema Energiespeicherung. Diesen Weg werden wir weiterverfolgen, denn die Klimaveränderungen lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sich der Themenfokus wieder in diese Richtung drehen wird.
Stichwort Energiespeicherung. Planen Sie einen neuen AIF in diesem Bereich, Herr von Wiedebach?
T. v. W.: Ja, wir arbeiten an einem Beteiligungskonzept, das wir im Sommer herausbringen wollen. Derzeit können wir aber keine Details nennen, da die erforderlichen Genehmigungen seitens der Aufsichtsbehörde noch nicht komplett vorliegen.
Was hat Sie in all dieser Zeit besonders positiv beeindruckt?
T. v. W.: Das ist für mich eindeutig der familiäre Zusammenhalt in der Unternehmensgruppe, den Harald von Scharfenberg initiiert und wir gemeinsam fortentwickelt haben. Im Alltag zeigt sich das in vielfältiger Weise, beispielsweise darin, dass ein Mitarbeiter einen finanziellen Zuschuss bekommen hat, damit die Behandlung eines schweren Krankheitsfalles bezahlt werden konnte. Oder es geht um Möglichkeiten der Freistellung, die nicht an den Urlaub angerechnet werden und so ließen sich die Beispiele lange fortsetzen. Wir haben für unsere Mitarbeiter immer ein offenes Ohr. Das schafft langfristiges Vertrauen und Kontinuität – und darauf sind wir auch ein bisschen stolz.


