FONDS exklusiv: Anleger finden wieder verstärkt Gefallen an Nachhaltigkeitsfonds, berichtete Morningstar mit Blick auf das erste Quartal 2026. Worauf kommt es an, damit grüne Fonds Anleger überzeugen?
Stefan Höhne: Nachhaltigkeit bleibt ein strukturelles Wachstumsthema. Im Mittelpunkt steht die Frage: In welcher Welt wollen und können wir langfristig noch leben? Es geht also darum, Verantwortung zu übernehmen. Auch bei der Kapitalanlage. Dahinter können sich, trotz zwischenzeitiger Rückschläge, sehr viele Anleger generationenübergreifend versammeln. Im Rahmen unserer Unternehmensstrategie 2030 haben wir drei Punkte eines Dreiecks benannt, die entscheidend dafür sind, dass Anleger tatsächlich investieren.
Welche drei Punkte sind das?
S. H.: Erstens Glaubwürdigkeit. Als Pionier mit einer über 50-jährigen Historie gilt Ökoworld als Mutter der verantwortungsvollen Kapitalanlage. Wir haben unsere anerkannt strengen Ausschlusskriterien wie zum Beispiel bei Atomkraft, fossilen Energien und Waffen nie zurückgezogen. Der zweite Punkt ist die Wirkung: Wir leben Engagement. Bei Ökoworld arbeiten zehn Nachhaltigkeits-Analysten, die mit Unternehmenslenkern kommunizieren, auf Hauptversammlungen ihr Stimmrecht aktiv ausüben und zusammen mit den Portfoliomanagern auch auf Veränderungen hinwirken. Wir wollen Unternehmen mittel- bis langfristig auf ihrem Transformationspfad aktiv begleiten. Und drittens die Wertentwicklung. Denn am Ende geht es auch um eine renditestarke Kapitalanlage.
Dieser Dreiklang stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation, oder?
S. H.: Ja, wir haben unsere Website modernisiert und ein eigenes Beraterportal eingerichtet, sodass Anleger, Kunden und Vermittler auf eine Vielzahl von Dokumenten und Inhalte zugreifen können. Und ganz wichtig ist das Erwartungsmanagement. Aktienmärkte bewegen sich in Zyklen und wie wir gerade am Beispiel der Emerging Markets sehen, kann es bisweilen einige Jahre dauern, bis die Märkte durchstarten.
Genau. Herr Molter, warum ist das so?
Michael Molter: Die drei Hauptgründe für die mehr als zehnjährige Underperformance der Emerging Markets kehren sich gerade komplett um. Die für die Schwellenländer belastende Stärke des US-Dollars dürfte nicht zuletzt wegen der horrenden Verschuldung der USA auf mittlere Sicht vorbei sein. Gleiches gilt für die Mittelabflüsse bedingt durch den Fokus auf die viel zitierten Magnificent Seven. Drittens hilft den Schwellenländern, dass die strukturelle Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China ihren Tiefpunkt erreicht haben könnte.
Was sind ergänzend dazu die Treiber, die dazu geführt haben, dass der Ökoworld Growing Markets 2.0 über seine Höchstkurse aus 2022 gestiegen ist?
M. M.: Da gibt es Treiber auf verschiedenen Ebenen. Die Emerging Markets sind nach den zurückliegenden Abverkäufen extrem günstig bewertet. Ein massiver Treiber ist das Thema künstliche Intelligenz (KI). Denn die Schwellenländer haben einen bedeutenden Anteil an den globalen Lieferketten. Und das spiegelt sich in einer Gewichtung von derzeit 49 Prozent an Technologiewerten im Ökoworld Growing Markets 2.0 wider. Dieser vergleichsweise hohe Anteil ist zum Teil performancebedingt, weil wir uns hier recht früh stark positioniert haben. Es zeigt sich einmal mehr, dass der Fonds wirklich aktiv gemanagt wird. Vor gut zwei Jahren waren wir beispielsweise stärker in Bildungs-, nachhaltigen Immobilien- und Gesundheitswerten investiert und auf Länder-ebene relativ stark in Indien. Zuletzt waren andere Themen interessanter. Nichtsdestotrotz sind wir noch in einzelnen Positionen wie zum Beispiel dem brasilianischen Wohnungsbauunternehmen Cury investiert, wo die Investmentstory absolut intakt ist.
Schwenken wir von den Sektoren auf die Unternehmen. Was zeichnet Ihre Portfoliotitel aus?
M. M.: Wir investieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Small- und Midcaps, bei denen das zukünftige Gewinnwachstum unterschätzt wird, deren Geschäftsmodelle also Potenzial für die Zukunft bieten. Dabei haben wir übergeordnet drei Themenbereiche im Fokus: 1. Binnenmarktorientierte Titel, die vom Wachstum der Mittelschicht profitieren, 2. Grüne Infrastruktur-investments und 3. Technologie/KI-Lieferketten. Warum Technologie? Unsere Tech-Portfoliotitel tragen zur Ressourcenschonung bei.
Bitte konkretisieren Sie das anhand von Beispielen.
M. M.: Gern. Unternehmen, allen voran die großen Technologiewerte, benötigen für ihre KI-Aktivitäten große Rechenzentren, die wiederum sehr viel Energie verbrauchen. Deshalb investieren wir in energieeffiziente Lösungen, beispielsweise in den Marktführer für HBM4, unsere größte Fondsposition SK Hynix. Dieser speziell für KI-Workloads weiterentwickelte Speicherstandard bietet eine deutlich höhere Leistung bei gleichzeitig verbesserter Energieeffizienz von geschätzt bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Vorgänger HBM3. Weitere Bereiche mit deutlichen Effizienzgewinnen sind zum Beispiel der vermehrte Einsatz von Optik und Glasfaser anstelle von Kupferkabeln, die an physikalische Grenzen stoßen oder fortschrittliche Flüssigkühlung direkt am Chip. Traditionelle Luftkühlung macht rund 40 Prozent des Energieverbrauchs von Servern aus.
Nutzen Sie KI, um solche investierbaren „Hidden Champions“ zu finden?
M. M.: Der Kern unseres Investmentprozesses ist die Entscheidung durch den Menschen auf Basis unseres bewährten aktiven fundamentalen Investmentansatzes. KI nutzen wir dabei unterstützend beispielsweise zur Recherche, für Zusammenfassungen oder zur Aufbereitung von Analysepapieren, was uns klar effizienter macht. Zudem setzen wir im Risikomanagement mithilfe von KI eine „failure list“ zur Identifikation von potenziellen Underperformern ein. Der fundamentale Entscheidungsprozess bleibt aber immer übergeordnet.
S. H.: Wir setzen KI an vielen Stellen ein, im Portfoliomanagement genauso wie im Nachhaltigkeitsresearch. Denn es erhöht die Effizienz von Analysen und die Treffsicherheit von Bewertungen, wobei die Entscheidungen weiterhin von den Teams auf Basis ihrer Erfahrungen getroffen werden.
Sie betreiben sichtbar aktives Stockpicking, sodass es vielleicht nicht von Dauer ist, dass Technologiewerte beziehungsweise die Regionen China und Taiwan jeweils rund 50 Prozent des Portfolios ausmachen. Aber müssten Fondsanleger mit größeren negativen Folgen rechnen, wenn die Konflikte in der Region zunähmen?
M. M.: Sollte die Situation dort im Sinn einer kriegerischen Auseinandersetzung eskalieren, müssten Aktienanleger grundsätzlich mit deutlichen Kursverlusten rechnen. Denn der taiwanesische Hersteller TSMC ist der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter, die nicht nur im Bereich KI, sondern in vielen industriellen Bereichen eingesetzt werden. Aber es lässt sich nicht prognostizieren, wie sich die politische Situation dort weiter entwickeln wird. Persönlich rechne ich zumindest in den nächsten zwei Jahren mit keiner derartigen Eskalation. Da die Wachstumstreiber intakt sind, ist es für Anleger genauso wie für uns ratsam, an der gewählten Investmentstrategie konsequent festzuhalten. Dann warten zwar unruhige Tage mit erhöhter Volatilität auf einen. Aber hätten wir im Zuge des Iran-Krieges, der die Volatilität massiv verstärkte, das Risiko deutlich reduziert, läge die Performance statt bei 36 Prozent jetzt möglicherweise nur bei zehn Prozent seit Jahresanfang.
S. H.: Genau, wenn es an den Märkten zu Rückschlägen kommt, ist der Vertrieb ganz besonders gefordert. Deshalb bereiten wir unsere Kunden im B2B-Vertrieb, sei es bei Sparkassen, Volksbanken oder Vermögensverwaltern, auf solche Risikoszenarien vor. Auch hierfür haben wir bei allen unseren Fonds angestrebte Zielrenditen eingeführt, beim Ökoworld Growing Markets 2.0 liegt diese bei neun Prozent nach Kosten pro Jahr bei einer Mindesthaltedauer von zehn Jahren. Die Grundlage sind keine Hochrechnungen auf Basis vergangener Wertentwicklungen. Die Werte basieren vielmehr auf den Erwartungen unserer Portfoliomanager, die schon viele Investmentzyklen durchlebt haben. Somit helfen die Zielrenditen auch unseren Kunden, den Blick nicht auf kurzfristige Ereignisse zu lenken, sondern perspektivisch zu denken und zu handeln.

