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Rohöl-Versorgung wird knapper

April 2026

Der Druck auf die weltweiten strategischen Ölreserven hält an, wenngleich die Wahrscheinlichkeit einer Einigung zwischen dem Iran und den USA hoch ist, so Daleep Singh, PGIM.

PGIM
Daleep Singh, PGIM

Die Blockade des iranischen Handels durch die Straße von Hormus durch die USA verdeutlicht den Unterschied zwischen den taktischen Erfolgen der USA und Israels und den strategischen Ergebnissen, betont Daleep Singh, Chief Global Economist bei PGIM, in seinem Kommentar. Zu letzterer Kategorie gehören ungelöste Probleme und unbeabsichtigte Folgen, wie etwa jene, welche die iranische Führung, das iranische Atomprogramm, den Einsatz asymmetrischer Gewalt, die Überlastung des US-Militärs, die wirtschaftlichen Kosten des Krieges und Verschiebungen in der geopolitischen Lage betreffen.

Trotz der anhaltenden Herausforderungen schätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass es angesichts der wirtschaftlichen und politischen Folgen für beide Seiten zu einer Art Verhandlungslösung oder einer erneuten Verlängerung des Waffenstillstands kommt, weiterhin auf etwa 70 Prozent.

DRUCK AUF DIE ÖLRESERVEN DAUERT AN

Aus wirtschaftlicher Sicht führt die Unterbrechung des Handels durch die Meerenge dazu, dass der Druck auf die weltweiten strategischen Reserven an Rohöl anhält. Derzeit verfügen Südostasien und Indien vermutlich nur über Vorräte für 7 bis 15 Tage, und die Philippinen haben bereits den nationalen Energie-Notstand ausgerufen. Indien soll über Vorräte aus den staatlichen strategischen Reserven für etwa 10 Tage verfügen. Japan, Südkorea, China und Australien liegen mit geschätzten 4 bis 10 Wochen im mittleren Bereich, während die Vorräte in Großbritannien und in Europa wohl für 2 bis 4 Monate reichen werden, wobei Großbritannien am unteren Ende dieses Zeitraums liegt.

Der Krieg und seine Auswirkungen haben die weltweiten Wachstumsprognosen für 2026 um etwa 50 Basispunkte nach unten korrigiert, wobei sich das Wachstum in den USA unter den großen Volkswirtschaften als besonders widerstandsfähig erweist. Ebenso haben der Krieg und seine Auswirkungen die weltweiten Inflationsprognosen für 2026 um etwa ein Prozentpunkt nach oben korrigiert, wobei die Prognosen für den Verbraucherpreisindex nach Kriegsende in Großbritannien und in den USA mit 5,1 bzw. 3,3 Prozent an der Spitze der entwickelten Volkswirtschaften stehen.

Die Inflation in den USA dürfte diesen Sommer ihren Höchststand bei etwa 3,5 Prozent erreichen, bevor sie bis zum Jahresende auf etwa drei Prozent zurückgeht. Angesichts dieser Entwicklung gehen wir davon aus, dass die Fed den Angebotsschock wohl außer Acht lassen und möglicherweise bereits im vierten Quartal 2026 wieder Zinssenkungen vornehmen wird. Dies könnte die geldpolitische Divergenz – mit Auswirkungen auf die Devisenmärkte – verstärken, da Öl importierende Regionen und einige Schwellenländer als Reaktion auf den Inflationsdruck eher Zinserhöhungen vornehmen dürften. Tatsächlich könnten die Rahmenbedingungen auf schwächere Aussichten für den US-Dollar hindeuten, da sich das Haushaltsdefizit und das Handelsungleichgewicht verschlechtern und sich angesichts der Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft weiter verschärfen könnten.