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Jenseits der Krisengewinner

Juli 2022
Anleger brauchen starke Nerven. Zu viele Probleme lasten derzeit auf den Märkten, als dass sich ein einheitlicher Trend abzeichnen würde. Es ist ein wahrer Zickzackkurs, den die Börsen einlegen. Doch auch aktuell gilt: Es gibt Chancen!
Shareholder Value Management AG
Frank Fischer, Shareholder Value Management AG

Ob hohe Inflation, steigende Zinsen, eine sich abschwächende Konjunktur und nicht zuletzt der russische Krieg in der Ukraine – wie immer in schwierigen Phasen gibt es auch diesmal Krisengewinner. Aber: Nicht alle Gewinner sind auch investierbar. Zumindest nicht für uns. Denn es gibt klare Grenzen, die uns unsere Nachhaltigkeitskriterien vorgeben.

Rüstungs- und Ölfirmen sind absolute „No gos“!

Das gilt vor allem für Rüstungskonzerne wie Rheinmetall und all die anderen, die mit ihren Waffen vom Krieg profitieren. Diese lehnen wir auch aus persönlichen, moralischen Gründen ab, denn mit Rüstungsfirmen wollen wir nichts zu tun haben, auch wenn unseren Mandaten wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen dadurch zunächst vielleicht Performance entgehen sollte. Die holen wir auf anderen Gebieten rein.

Gleiches wie bei den Rüstungskonzernen gilt auch für die anderen Krisenprofiteure, wie etwa die Ölkonzerne. Die treiben Raubbau an den fossilen Ressourcen und sind deshalb für uns keinen Investmentgedanken wert. Und dass, obwohl sie durch den Russland-Ukraine-Krieg Rekordgewinne einfahren, wie etwa BP. So hat der Konzern in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahresquartal seinen Gewinn mehr als verdoppelt, nachdem die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschossen sind. Der Quartalsgewinn betrug 6,2 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 138 Prozent gegenüber den 2,6 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Und bei Shell war es nicht viel anders. Trotzdem: Für uns sind sie klare „No Gos“!

„Wunderbare“ Unternehmen mit stetig guter Performance

Aber noch ein Bereich gelangt durch den Russland-Ukraine-Krieg mehr und mehr in den Fokus der Anleger: Der Cybersecurity-Sektor. Speziell nach den Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland warnen IT-Sicherheitsexperten vor Racheakten durch Hackerangriffe. Und davon sind alle Arten von Unternehmen und Behörden betroffen. Eine Studie des Handelsblatt Research Instituts zeigt jüngst, dass fast die Hälfte der deutschen Firmen in den vergangenen 24 Monaten auf einen Cyberangriff reagieren mussten. Und hier sind wir mit unserem Portfolio-Unternehmen secunet Security Networks bestens positioniert.

Damit gehört das Essener Unternehmen zu den „wunderbaren“ Firmen, auf die wir uns spezialisiert haben. Sie zeichnen sich nicht nur durch hohe, zweistellige Kapitalrenditen von über 20 Prozent im Jahr aus, sondern auch beim Wachstum, Umsatz und beim Gewinn. Wenn sie dann auch noch über einen strukturellen Wettbewerbsvorteil verfügen, also nicht nur kurzfristig gut performen, sondern diese Entwicklung auch nachhaltig unter Beweis stellen können, kommen sie in die engere Wahl. Denn das bringt uns den Free Cashflow, die sogenannten Owner Earnings, mit denen wir auch in Zukunft eine über der Inflationsrate liegende, reale Performance erzielen können. „Wunderbare“ Firmen sind oft Unternehmen, die nicht im Fokus der meisten Anleger liegen, wie etwa die beiden US-Firmen Charter Communications und Montauk Renewables, oder auch die norwegische Versicherungsgesellschaft Protector Forsikring. Sie alle erfüllen unsere Auswahlkriterien – und performen auch in Krisenzeiten.

 

ZUR PERSON: FRANK FISCHER
Frank Fischer, Chief Investment Officer der Shareholder Value Management AG, ist verantwortlich für den „Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen“, den „Frankfurter – Value Focus Fund“, den „PRIMA – Globale Werte“ und den „Frankfurter Stiftungsfonds“. Fischer verfolgt einen Modern-Value-Ansatz: Nicht der Preis eines Unternehmens ist entscheidend, sondern was man dafür als Investor bekommt.