Inhalt | Print-Ausgabe 02/2018
04.07.2018

Zukunftsthema Megatrends

Einige Megatrends kennt jeder – so etwa die Urbanisierung oder die Alterung der Menschheit. Tatsächlich gibt es aber über ein Dutzend solcher Megatrends, auf denen die Fondsindustrie ihre Produkte aufsetzt. Lesen Sie, welche Fonds mittelfristig attraktive Renditen erzielen können.

von Wolfgang Regner

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Die Deutsche Finance Group mit Sitz in München ist eine international agierende Investmentgesellschaft und hat vor kurzem eine Studie zum Thema Megatrends veröffentlicht. Managing Director Holger Fuchs erklärt, was Megatrends eigentlich sind: „Megatrends sind langfristige und Zyklen übergreifende Transformationsprozesse und als stabile Treiber des globalen Wandels häufig Startpunkt strategischer Zukunftsanalysen. Megatrends sind globale, gesellschaftliche und demografische Verschiebungen, die einschneidende Veränderungen bewirken können. Sie beeinflussen Länder, Regierungen, Unternehmen und unser gesellschaftliches Leben und sind wirkungsmächtige Einflussgrößen, welche die Märkte der Zukunft prägen. Wir beschäftigen uns diesbezüglich mit den Megatrends wie Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, wachsende Mittelschicht und Demografie.“ Die Welt wird immer urbaner, gleichzeitig hält der Trend zur Landflucht an. Insgesamt werden bis 2030 rund 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Der Trend geht hin zu noch mehr Verdichtung. Rund neun Prozent der Weltbevölkerung werden bis in 15 Jahren in 41 Megastädten mit jeweils über zehn Millionen Einwohnern leben. Die Stadtbevölkerung könnte sich bis 2050 weltweit von heute vier Milliarden auf dann 6,5 Milliarden Menschen vergrößern. „Einen Vorteil hat dieser Megatrend: Megacitys leisten einen überproportional hohen Beitrag zur Wirtschaft. So trägt London 29 Prozent des britischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) bei, Paris 35 Prozent, Seoul sogar 65 Prozent.

Die größten Ballungsräume entstehen in Asien. Hier wird es 24 Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern geben, in Lateinamerika sechs, in Afrika sechs, in Europa drei und in den USA zwei. Auch die Altersstruktur unserer Gesellschaft verschiebt sich kontinuierlich. Bis 2050 wird sich die Zahl der älteren Menschen von heute 900 Millionen mehr als verdoppeln. Dann werden rund zwei Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sein. Der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird sich bis 2050 in Europa auf mehr als ein Drittel erhöhen, in Nordamerika auf 20 Prozent und in Asien auf 24 Prozent steigen,“ sagt Fuchs.

Silver Society

Der Trend zur Silver Society ist global. Nicht nur Industrienationen, auch Schwellenländer in Asien und Lateinamerika altern zunehmend. Doch es werden immer mehr Ressourcen benötigt. Der Energiebedarf wird bis 2030 um die Hälfte steigen. In China leben 20 Prozent der Weltbevölkerung, die aber mit sieben Prozent der globalen Frischwasservorräte auskommen müssen. Der nachhaltige Umgang mit erneuerbaren und endlichen Ressourcen ist essenziell. Die fortwährende Digitalisierung vollendet die Globalisierung. Weltweit haben vier Milliarden Menschen Zugang zum World Wide Web. Die Vernetzung des Alltags nimmt durch die Verknüpfung von „Offline-Produkten“ wie Automobilen, Geräten und Gebäuden gerade auch in den Industrienationen zu – die Welt wird „smart“. 51,7 Prozent der Weltbevölkerung nutzen derzeit das Internet, die Anzahl der vernetzten Geräte in Mrd. Devices wird von 0,5 (2003) auf 75,4 im Jahr 2025 explodieren.

Dazu kommt der globale Aufstieg zur stark wachsenden Mittelschicht. „Mehr als eine Milliarde Menschen sind seit dem Jahr 2000 Teil der globalen Mittelschicht geworden. Bis 2030 werden etwa zwei Drittel der dann weltweit geschätzten fünf Milliarden Mittelschichtbürger vor allem in Asiens Schwellenländern leben (in Europa wären es nur 14 Prozent). Das wachsende verfügbare Einkommen verändert ihr Konsumverhalten. Markenprodukte und hochwertige Lebensmittel sind angesagt. Die Ausgaben für Telekommunikation, Kultur und Erholung wachsen noch schneller als die Ausgaben für Nahrungsmittel. Dies und das urbane Wachstum bedeuten einen gigantischen Ausbau der Infrastruktur, der in China bereits eingesetzt hat.

Das bringt uns zum Thema Nachhaltigkeit. Nur mit nachhaltigem Wirtschaften wird die Menschheit die genannten Herausforderungen meistern. Nachhaltigkeit hat ein Investmentpotenzial für private Anleger von 20 Billionen (!) Dollar, vor allem in den Emerging Markets. Intelligent vernetzte Städte können die Antwort auf die Herausforderungen durch die wachsende Urbanisierung sein. Smart Citys ermitteln mithilfe von vernetzten Sensoren den Bedarf an öffentlichen Leistungen in Echtzeit und stellen diese Güter und Dienstleistungen bedarfsgerecht zur Verfügung,“ erläutert Fuchs.

Pictet: der Alleskönner

Walter Liebe, Senior Investment Advisor, Pictet Asset Management, erklärt die Anlagephilosophie des Pictet Global Megatrends Selection. „Wir investieren gleichgewichtet in alle neun identifizierten Themen (Ernährung, Gesundheit & Biotech, Clean Energy, Timber, Premium Brands, Digital, Security, Robotics, Wasser). 14 Megatrends wurden vom Kopenhagener Institut für Zukunftsforschung wissenschaftlich fundiert. Das Interessante dabei ist, dass viele Anlagethemen wie bei einem Spinnennetz gleich mehrere Anknüpfungspunkte zu verschiedenen Megatrends haben. Die Themen sitzen quasi an den Schnittpunkten der Megatrends. So sitzt das Thema Wasser an den Schnittpunkten der Megatrends wie demografische Entwicklung, Gesundheit, Kommerzialisierung und Nachhaltigkeit. Je mehr Schnittpunkte, desto stärker das Anlagethema. Wichtig ist außerdem, dass die Innovationskraft die aktuell starke Marktposition und die Wachstumsstärke unserer Fondskandidaten für die Zukunft absichert, auf viele Jahre hinaus. Diese Faktoren sind weiterhin ungebrochen. Positiv wirken sich Megatrends auch auf soziale Faktoren aus. In der Industriegeschichte sind mit jedem Technologiesprung zumeist mehr Jobs neu entstanden als verloren gingen. Das Beispiel Robotik zeigt dies recht schön. In den Ländern mit der größten Roboterdichte, also Japan, Südkorea und Deutschland sind die Arbeitsmärkte fast leergefegt – weil es durch die Robotertechnologie gelang, große Industriestandorte im Land zu halten, obwohl es sich um Hochlohnländer handelt. In Ländern, wo weniger Roboter eingesetzt werden, also etwa in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien sind – nicht nur aber auch deswegen – die Arbeitslosenraten deutlich höher“.

Industrie 4.0

„Bei Industrie 4.0 handelt es sich um einen Trend, der sich bereits seit ca. 2010 entwickelt und schon in vielen Branchen sichtbar ist. Das Ziel von Industrie 4.0 ist eine möglichst vollständige Automatisation von Prozessen nahezu aller Art. Für eine weitere positive Entwicklung dieses Trends sprechen im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens stehen die meisten Unternehmen in einem globalen Wettbewerb um möglichst gute Produkte zu möglichst geringen Kosten und sind daher darauf angewiesen, in höchstem Maße effizient zu produzieren“, erklärt Jörg Schneider, Fondsmanager des UniIndustrie 4.0 aus dem Hause Union Investment. „Zweitens führt der demographische Wandel dazu, dass vor allem in Industrienationen mit einem geringeren Anteil an potenziellen Arbeitskräften ein volkswirtschaftliches Wachstum generiert werden soll. Auch zum Erreichen dieses Ziels ist eine hohe Effizienz notwendig. Mit einer steigenden Automatisation von Prozessen bietet Industrie 4.0 eine Antwort auf diese beiden wichtigen Bedürfnisse von Unternehmen und Volkswirtschaften.“ Und mit einer zunehmend größeren Menge an verfügbaren Daten, immer neuen technologischen Entwicklungen und sinkenden Kosten für CPU-Leistung und Roboter werden die Voraussetzungen für Industrie 4.0 noch besser. Dazu kommt noch das Thema Big Data, so Schneider: "Dieses ist aus unserer Sicht einer der wesentlichen Grundlagen und Treiber von Industrie 4.0. Automatisierte Prozesse werden zumeist von einer Künstlichen Intelligenz gesteuert, und auch der Mensch verrichtet Tätigkeiten weniger selbst, sondern nimmt eine übergreifende, steuernde oder kontrollierende Funktion ein."

 

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