Inhalt | Print-Ausgabe 02/2019
27.06.2019

Wie Anleger von Klima-Investitionen profitieren

Der Ausbau regenerativer Energien gewinnt in Zeiten des Klimawandels an Schwung. Auch die Energieeffizienz muss gesteigert werden. Dies setzt globale Investitionen frei, von denen Neue Energien-Fonds profitieren. Ein Fonds-Trio ist bei der Performance wegweisend.

von Kay Schelauske

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Nachhaltige Investments erklimmen hierzulande wiedermal ein neues Rekordhoch. 219,1 Milliarden Euro umfasst das Volumen an Anlagen, die nach ESG-Kriterien verwaltet werden. Gemeint sind damit Anforderungen, die sich auf die Umwelt, Soziales und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung beziehen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht diese Entwicklung einem Zuwachs von gut 28 Prozent. Diese Ergebnisse veröffentlichte jüngst das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem jährlichen Marktbericht.

Die ESG-Anforderungen werden am meisten durch Ausschlusskriterien erfüllt. Dies geschieht entweder ausschließlich oder in Verbindung mit anderen Anlagestrategien. Nicht ganz unerwartet spiegelt sich die in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft anhaltende Diskussion um effektive Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels auch in der Investmentwelt wider: So hat der Ausschluss von Unternehmen, die Kohle fördern oder verstromen, erstmals Einzug in die zehn am stärksten verwendeten Ausschlusskriterien gehalten und rangiert mit einem Volumen von fast 73 Milliarden Euro auf Platz 5. Im Vorjahr war dieses Kriterium mit einem Volumen von knapp zwölf Milliarden Euro noch gar nicht in den Top Ten der wichtigsten Ausschlüsse vertreten gewesen.

Beim Kampf gegen die zunehmende Erderwärmung spielt die umwelt- und klimaschonende Deckung des global steigenden Energiebedarfs eine zentrale Rolle. Auf der Angebotsseite geht es dabei vor allem um die Erschließung und Verbreitung erneuerbarer Energiequellen. Auf der Nachfrageseite steht die Erhöhung der Energieeffizienz im Fokus, um den absoluten Verbrauch zu begrenzen und zwar in ganz unterschiedlichen Bereichen – sei es beim Ausbau von elektrischen Netzen, im Transportsektor oder in der Industrieautomatisierung. Von diesen weltweiten Anforderungen können Anleger durch den Einstieg in nachhaltige Neue Energien-Fonds profitieren. Ein Fonds-Trio setzt hier Maßstäbe und liefert auf Drei- und Fünf-Jahres-Sicht jährliche Wertzuwächse von überwiegend zehn Prozent. In den zurückliegenden zwölf Monaten waren sogar ein paar Prozentpunkte mehr drin.

Tabelle: Die besten Neue-Energien-Fonds

„Wir erwarten für die nächsten Jahre eine Beschleunigung der Wachstumsraten beim Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagt Thiemo Lang. Nach Einschätzung des Senior Portfolio- managers des RobecoSAM Smart Energy Fund profitiert man von neuen Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen. „Der absehbar noch größere Wachstumstreiber wird die bessere Wirtschaftlichkeit der Elektrizitätserzeugung über Solar und Wind im Vergleich zur Kohle und Gas sein – und dies zunehmend weltweit“, betont Lang. Beim Fondsanbieter DNB Asset Management sieht man die zunehmende Kostenwettbewerbsfähigkeit und -effizienz der sauberen Energien sowie die Elektrifizierung des Transports als Hauptthemen. „Die mit dem Klimawandel verbundenen Kosten nehmen zu und verstärken die Bereitschaft, in innovative, alternative und saubere Energien zu investieren“, sagt Jon Sigurdsen, Portfoliomanager des DNB Fund Renewable Energy. Bei der Wind- und Solarenergie erhöhe der Preissturz zudem die Attraktivität der nicht-subventionierten Projekte. Und das dürfte nach Meinung des DNB-Experten wiederum zu verstärkten Investitionen führen.

Beide Fondshäuser verfügen über eine langjährige Expertise bei nachhaltigen Anlagen. Trotz der gleichen thematischen Ausrichtung offenbart die Fondsanalyse eine Reihe von Unterschieden, die Anlegern bei ihrer Investmententscheidung helfen sollte. Bei RobecoSAM werden im Zuge der Festlegung des Anlageuniversums auch die sogenannten „Nachhaltigkeits-Kontroversen“, festgelegt. „Wir lassen nur Energieversorger mit einem 100-prozentigen Erneuerbaren Energien-Anteil ins Universum“, sagt Lang, „das heißt, nicht der geringste Anteil von Kohle, Erdgas, Kernenergie oder Öl bei der Energieerzeugung ist erlaubt.“ Ausgeschlossen werden auch Unternehmen, welche im Bereich der ersten Generation von Biokraftstoffen tätig sind, weil man diese als nicht nachhaltig ansieht. Bei der folgenden Generierung von Ideen analysiert das Fondsmanagement auch sektorspezifische Nachhaltigkeitsfaktoren. „Dies sind beispielsweise Regulierungen bezüglich CO2-Emissionen und Energieeffizienz-Vorgaben“, erläutert der Portfoliomanager. Auf Einzeltitelebene geht es um einen fundamental überzeugenden „Investment-Case“ einer Gesellschaft und deren Bewertung. Ob und mit welcher Gewichtung ein Unternehmen dann final in das Gesamtportfolio aufgenommen werden kann, entscheidet sich anhand sogenannter Risiko-/Return-Faktoren. Hat ein Titel dann den Sprung ins Portfolio geschafft, folgt ein permanentes Monitoring durchs Fondsmanagement. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die Veränderung von Fundamentaldaten, sondern auch, inwieweit gewisse Ereignisse das Nachhaltigkeitsprofil verändert haben könnten.

Bei einem Cash-Anteil von derzeit drei Prozent finden sich so aktuell 52 Aktien im Portfolio des RobecoSAM Smart Energy Fund. Industrieunternehmen stellen den drittgrößten Anteil mit fast 17 Prozent, ein Viertel sind Versorger und jeder zweite Titel ist dem IT-Sektor zuzuordnen. Das zeigt auch ein Blick in die Top 5: Mit Xilinx, Maxim Integrated Products, ON Semiconductor und Qorvo stammen vier Unternehmen aus der amerikanischen Halbleiterindustrie und stellen damit allein derzeit mehr als 15 Prozent des Fondsvolumens.

Ganz anders ist da der DNB Fund Renewable Energy aufgestellt: Das Portfolio ist nicht IT-lastig, aber mit derzeit 37 Titeln deutlich konzentrierter. Der Cash-Anteil liegt hier bei gut fünf Prozent. Den Anlageprozess beschreibt DNB als kontinuierlichen Zyklus aus Informationssammlung, Identifizierung und Due Diligence von Anlageideen, Portfoliokonstruktion und Neuausrichtung des Portfolios. Ob eine Anlageidee attraktiv ist, entscheidet sich anhand des Geschäftsmodells und der Wertschöpfung, der relativen Bewertung, dem Thema und des Momentums. Der Fondsanbieter erläutert diesen Anlageprozess anhand von zwei Unternehmensbeispielen aus den Top Ten:

China Longyuan, ein chinesischer Erzeuger von Windenergie, ist der aktuell am stärksten gewichtete Fondstitel. Laut DNB hat das Unternehmen eine starke Marktposition. Dies sei besonders deshalb vorteilhaft, da das Unternehmen in einer kapitalintensiven Branche tätig ist, die sich durch hohe Eintrittsbarrieren kennzeichne. „Wir glauben, dass das Unternehmen derzeit mit einem erheblichen Abschlag bewertet wird. Zudem bietet die Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie aus thematischer Sicht enorme Wachstumschancen, da die thermische Erzeugung immer noch mehr als zwei Drittel des chinesischen Strommix ausmacht“, erläutert Sigurdsen. Damit sei das Unternehmen ein wichtiger Akteur beim Übergang Chinas zu einer nachhaltigen Wirtschaft für regenerative Energien.

Constellium ist ein US-Hersteller von Aluminiumprodukten beispielsweise zur Steigerung der Kraftstoffeffizienz in Fahrzeugen. Zudem ist das Unternehmen führend im Bereich Aluminiumrecycling. Auf diese Weise werde nicht nur der Bedarf an Primäraluminium verringert. Das Verfahren dient auch als Lösung zur Reduzierung von Abfall, Treibhausgasemissionen und des Ressourcenverbrauchs bei der Aluminiumproduktion. Laut DNB besteht ein geringes technologisches Risiko, da der Bedarf an leichten Materialien mit der technologischen Innovation weiter zunehmen wird. Sigurdsen: „Wir sind der Auffassung, dass das Unternehmen derzeit mit einem erheblichen Abschlag zum fairen Value bewertet wird.“

Bei der Nummer 10 zeigt sich, dass die Nutzung fossiler Energieträger – anders als bei RobecoSAM – kein absolutes Ausschlusskriterium darstellt. Denn Enel, größter Stromversorger Italiens, erziele mehr als 50 Prozent der aktuellen Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen, den Großteil davon mit Gas. „Das Unternehmen hat weltweit einen der größten Beiträge zur Verlagerung des Strommix in Richtung Erneuerbare Energien vorgenommen, indem jährlich mehr als zwei Gigawatt in Erneuerbare Energieressourcen investiert werden“, erläutert der DNB-Fondsmanager und fügt hinzu: „Eine Umstellung von Kohle auf Gas wird ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Lösung zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens sein.“ Außerdem investiere der Versorger nicht in neue Kohlekraftwerke und habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 eine CO2-Neutralität zu erreichen.

Unter Ergebnisdruck sehen sich die beiden aktiven Fondsmanager mit Blick auf die zurückliegenden zwölf Monate. Mit einem Plus von 21,5 Prozent ließ der Lyxor New Energy UCITS ETF die Mitbewerber weit hinter sich – und dies bei deutlich geringeren Kosten. Der Exchange Traded Fund (ETF) bildet weltweit die 40 größten Gesellschaften in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieverteilung und -effizienz ab, die in dem World Alternative Energy Total Return Index gelistet sind. Nach einer Indexerweiterung im Januar dieses Jahres müssen 40 statt zuvor 50 Prozent des erzielten Umsatzes der Titel aus diesen Aktivitäten stammen. Halbjährlich wird der ETF einem Rebalancing unterzogen. In den Top Ten-Holdings gibt es ebenfalls kaum Überschneidungen mit den aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds.

Wie ist die Situation, sollte der Handelskrieg eskalieren oder andere Trump-Manöver die Börsen belasten? Dann müssen Anleger mit Kurseinbrüchen rechnen. Lang zeigt sich aber gewappnet: „Wir sind davon überzeugt, dass die Firmen in unserem Portfolio auch in einem eher schwierigen globalem Makroumfeld überdurchschnittliche Wachstumsraten werden aufweisen können. Das sollte sich, so Lang weiter, insbesondere über einen wirtschaftlichen Zyklus hinweg positiv auszahlen.