Inhalt | Print-Ausgabe 03/2014
01.10.2014

Titelstory - Vorsorgen mit Fonds: Wege zum Vermögensaufbau

In Zeiten niedrigster Zinsen ist ein realer Vermögensaufbau eine echte Herausforderung. Sind aber Fonds oder Fondspolicen das aussichtsreichere Anlagevehikel? Und losgelöst davon:  Wer soll die „Ertragsmotoren“ bestimmen und warten? Dies sind lebenswichtige Fragen. Denn wer heute keine Antworten darauf findet, wird das Vermögensziel nicht erreichen und auf einen genüsslichen Lebensabend verzichten müssen.

von Kay Schelauske

Die Bundesbürger setzen bei der Vermögensbildung auf die falschen Pferde. Dies zeigt erneut die jüngste Statistik der Deutschen Bundesbank: Danach hat sich das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende des ersten Quartals dieses Jahres auf rund 5,2 Billionen Euro erhöht. Das Plus im Umfang von 49 Milliarden Euro resultiert vor allem aus einem Anstieg beim Bargeld und den Bankeinlagen auf über zwei Billionen Euro und gestiegenen Ansprüchen gegenüber Versicherungen auf derzeit knapp 1,6 Billionen Euro. Um lediglich gut sechs Milliarden Euro kletterte hingegen das in Aktien, Investmentfonds und sonstigen Beteiligungen gehaltene Vermögen und verharrt in der Summe unter der Billionenschwelle. Per Saldo setzte sich damit die bei privaten Haushalten schon länger zu beobachtende Präferenz für liquidere und risikoarme Anlageformen fort, bewertete die Bundesbank diesen anhaltenden Trend.

 

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Warum lassen sich Sparer von ihren Banken mit Mini-Zinsen abspeisen, die vielfach noch nicht einmal die Infla­tionsrate ausgleichen? Aus Angst vor Wertverlusten und einem gefühlten Mangel an Alternativen, berichten vielfach Vermittler. So wird das Geld vermeintlich sicher bei der Bank gehortet oder schlicht ausgegeben. Freude bereitet nur Letzteres. Denn die Mini-Zinsen der Kreditinstitute gleichen noch nicht einmal die Teuerungsrate aus. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Verbraucherpreise im Durchschnitt des Jahres 2013 um 1,5 Prozent. Auch wenn die Inflationsrate jetzt geringer ist – an der Problematik wird sich mittel- bis langfristig nichts ändern.

 

Was das für den persönlichen Lebensalltag bedeutet, wird schnell deutlich, wenn man sich anschaut, wie sich beispielsweise Lebensmittel in 30 Jahren verteuert haben. So kostet ein Kilogramm Brot statt 1,45 inzwischen 3,40 Euro und der Preis eines halben Liter Biers ist von 48 Cent auf 3,10 Euro gestiegen, so die Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung (DGFRP). Die Konsequenz: Wer ein Vermögen real – also unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes – langfristig schaffen will, sollte sich von Sparbriefen und Termingeldern verabschieden und nach Alternativen Ausschau halten. In Zeiten niedrigster Zinsen ist dies wahrlich nicht einfach, aber allemal lohnend.

 

Ausgangspunkt ist immer das persönliche Chance-Risiko-Profil. Dessen muss sich der Sparer auch im Gespräch mit seinem Berater stellen. Je stärker dann das Sicherheitsbewusstsein ausgeprägt ist, desto größer wird der Anteil fest verzinslicher Wertpapiere in seinem Portfolio ausfallen. Die Anforderung: In diesen Niedrigzinszeiten lässt sich mit als sicher geltenden sogenannten Investment Grade-Staatsanleihen kein Blumentopf gewinnen.

 

Was sind also die Alternativen? Marco Grzesik, Senior Vice President bei Pimco Deutschland und verantwortlich für das Global Wealth Management in Deutschland und Österreich, empfiehlt Staatsanleihen von Schwellenländern, da sich dort die fundamentalen Daten oftmals noch nicht verschlechtert haben, die Wertpapiere aber durch jüngste Marktkorrekturen attraktiv geworden sind. Bei Schwellenländeranleihen auf Basis lokaler Währungen sollten Anleger bedenken, dass die Währungskomponente nicht nur zusätzliche Chancen, sondern auch Risiken beinhaltet. Mit Blick auf die Kupon-Zahlungen für ebenfalls interessant hält der Pimco-Anlageexperte hypothekengesicherte Anleihen aus den USA sowie Anleihen von Unternehmen vorrangig aus Wachstumssektoren, da das Segment insgesamt in der jüngsten Zeit gut gelaufen ist. Hochzins- und Nachranganleihen kämen lediglich als Beimischungen in Frage. Ideal umgesetzt werden diese Strategien in „Income Funds“, die global in eine breite Palette von festverzinslichen Wertpapieren investieren.

 

Als ergänzende Portfolio-Strategien bieten sich nach Meinung des Anlageexperten Fonds mit „Absolute Return Investment Grade-Anleihenstrategien“ an. Hier kann das Fondsmanagement in eine breite Palette von Sektoren und Restlaufzeiten investieren und bei einer negativen Duration sogar bei stärkeren Zinserhöhungen profitieren. „Dadurch kann der Manager seinen Fonds bei möglichst geringer Volatilität und einer Zielrendite von drei Prozent durch die Unwetter der Kapitalmärkte manövrieren“, sagt Grzesik und ergänzt, dass Langläufer daher eher gemieden werden sollten. Gewichtet nach der Risikobereitschaft sollten Aktien dann den Gegenpart im Portfolio spielen.

 

Genau damit tun sich die deutschen Sparer wieder schwerer. Seit der Jahrtausendwende haben fast vier Millionen Bürger dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt. Im Jahr 2013 waren es, nach Angaben des Deutschen Aktieninstitutes (DAI), rund 600.000 Menschen. Besonders die schlechten Erfahrungen aus den vergangenen Börseneinbrüchen sollen demnach eine wesentliche Ursache dafür sein. Bei jahrzehntelangen Anlagehorizonten verlieren Kurseinbrüche und -schwankungen hingegen an Bedeutung. Mehr noch: Bei regelmäßigen Sparraten können Anleger sogar einen besseren Durchschnittspreis beim Fondskauf erzielen (sogenannter Cost Average-Effekt). Ratsam ist, den Großteil des Aktienexposures in globalen Aktienfonds zu investieren. Denn dem Performanceerfolg in einer Region von heute folgt oft ein Verlust von morgen. So haben Aktien in Schwellenländern seit 2006 in drei Jahren Verluste erlitten, in fünf Jahren aber positive Wertzuwächse erzielt.

 

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ETF sind global die beste Wahl

„Gerade bei Aktienfonds sollten Fondsanleger mit langfristigem Anlagehorizont trotz der Kursschwankungen investiert bleiben und sich nicht im Markettiming versuchen“, empfiehlt Ali Masarwah. Das untermauern auch die langfristigen Ergebnisse von Aktien­fonds-Sparplänen über zehn, 20 und 30 Jahre. Bei der Frage, ob passiv oder aktiv gemanagte Fonds vorzuziehen sind, kommt es auf den Fonds bzw. die Fondsgruppe an, betont der Chefredakteur bei Morningstar Deutschland, Österreich und Schweiz. So gebe es zwar viele Fondsmanager, die einen guten Job machen und den Marktindex schlagen. Bei global investierenden Fonds und US-Standardwerten dürften Anleger aber mit einem ETF die bessere Wahl treffen. „Bei etlichen Standardwertekategorien haben wir beobachtet, dass Indexfonds in unserem quantitativen Rating die Höchstnote von fünf Sternen erhalten. Das bedeutet, dass sie ein besseres Rendite-Risiko-Profil aufweisen als 90 Prozent der größtenteils aktiven Fonds in dieser Vergleichsgruppe.“

Für das Sicherheitsbedürfnis des Anlegers kann es notwendig sein, gerade die Aktienseite mit Garantien zu sichern, z.B. in Form der Absicherung der Beitragssumme. Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment in Deutschland, betont aber: „Garantien kosten Rendite. Denn sie führen dazu, dass große Teile des Kapitals in vermeintlich risikofreie Anlagen investiert werden, die nur minimale Renditen erwirtschaften können. Alternativ müssen Teile des Kapitals für Absicherungen aufgebracht werden, die ebenfalls entweder direkte Kosten verursachen oder Rendite­potenziale aufgeben.“

 

„Garantien kosten immer Rendite, das lässt sich an jedem x-beliebigen Produkt zeigen“, bestätigt Ralf Huber, Prokurist und Finanzfachwirt bei der DGFRP. Beim Vermögensaufbau setzt man deshalb auf aktiv gemanagte Fonds-Depots bei der Luxemburger Fondsplattform und fondsbasierten Vermögensverwaltung Moventum – fest aufgeteilt nach verschiedenen Chance-Risiko-Profilen, deren Aufteilungen vierteljährlich überprüft werden. „Kunden kommen so viel schneller und ohne Nachteile an ihr Geld“, sagt der Prokurist und ergänzt: „Die Kosten sind deutlich geringer als bei Fondspolicen, schon wegen der Zillmerung, also der Provisionierung.“ „Größtenteils liegen die Kosten bei Fondspolicen zwischen einem und drei Prozent und im schlimmsten Fall auch mal über vier Prozent“, ergänzt Carlos Reiss, Gründer und Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Hoesch & Partner – und dies ist gerade in diesen Niedrigstzinszeiten beachtlich.

 

„Drei bis vier Mal pro Woche komme ich mit Menschen zusammen, die mir ihre Fondspolicen zeigen, die sie seit acht, zehn oder 15 Jahren besparen. Ihr Vertragsguthaben ist gerade einmal so hoch wie die Summe der eingezahlten Beiträge oder ein bisschen höher, obwohl die Aktienmärkte sehr gut gelaufen sind“, sagt Dierk Maßmann, Abteilungsleiter für den Bereich Altersvorsorge und Vermögensaufbau bei den Kieler Versicherungsmaklern Eck & Oberg. Auch seine Hauptkritik gilt den hohen Kosten von Fondspolicen, denn sie lassen den Kunden „keine Chance, an einer Rendite zu partizipieren, sofern sie überhaupt erzielt wird“.

 


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