Inhalt | Print-Ausgabe 02/2020
13.08.2020

Stetige Ertragsquellen gesucht

Die Ausgangslage ist nicht einfach: Auf der Rentenseite verharren die Renditen auf historischen Tiefs, auf der Aktienseite drohen Dividendenkürzungen. Das stellt Income-Fonds, bei denen regelmäßige Ausschüttungen im Fokus stehen, vor eine große Herausforderung. FONDS exklusiv hat sich angeschaut, mit welchen Strategien die Fondsmanager das Dilemma meistern und was Anleger erwarten können.

von Raja Korinek

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Die Hiobsbotschaft hinterließ deutliche Spuren: Ende April kündigte der niederländisch-britisch Ölkonzern Royal Dutch Shell erstmals seit 1940 eine Dividendenkürzung an. Und das gefiel Anlegern wenig, der Aktienkurs gab daraufhin ein gutes Stück nach. Doch mit solch einer Aktion steht der Konzern nicht alleine da. Die Corona-Pandemie lässt die Gewinne zahlreicher Unternehmen einbrechen. Immer mehr Firmen entscheiden sich deshalb zu Kürzungen – oder Streichungen – ihrer Dividenden. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der Ausschüttungen als der neue Zins gehandelt werden. Denn auf der Bondseite verharren die Renditen auf einem historischen Tief, wenn auch der Börsencrash vom März zu Kursverlusten – und damit zu leicht gestiegenen Renditen – an den Bondmärkten führte.

Allzu rasch dürfte sich an dem Zinsumfeld nichts ändern, schon gar nicht in- mitten der schweren Wirtschaftskrise. Zuletzt hatten die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die US-Notenbank FED verkündet, ihre Anleihekaufprogramme vorerst ohne Ablaufdatum fortzusetzen, um die Renditen niedrig zu halten. Umso mehr schmerzen da die jüngsten Entwicklungen auf der Dividendenseite, die durchaus noch heftig werden könnten. Denn laut der jüngsten „Janus Henderson Global Dividend Index“-Studie dürften 2020 die weltweiten Ausschüttungen um mindestens 15 Prozent auf 1,21 Billionen US-Dollar sinken. (Die Studie können Sie herunterladen, den Link finden Sie im Kasten „Zahltag“). Besonders knifflig wird es in diesem Umfeld für jene Fonds, die den Schwerpunkt auf regelmäßige Ausschüttungen – auf ein sogenanntes „Income“ – gelegt haben. Sie müssen auf besonders ausgeklügelte, und vor allem aktive, Strategien setzen. Von dem jüngsten Crash haben sie sich dabei nicht ablenken lassen. Diesen nutzen sie vielmehr für Umschichtungen oder Zukäufe. Und Anleger, die auf der Suche nach regelmäßigen Ausschüttungen sind, können das aktuelle Umfeld für einen günstigen Einstieg nutzen.

Globalen Wirtschaftszyklus nutzen

Wie gehen nun die Profis vor? Bei reinen Aktien-Income Fonds konnte sich BlackRock mit dem BGF Global Equity Income Fund besonders erfolgreich durchsetzen. Eine bestimmte Zielrendite verfolgt Portfoliomanager Andrew Wheatley-Hubbard dabei nicht, wie es viele andere solcher Produkte tun. Stattdessen möchte Wheatley-Hubbard die durchschnittliche Rendite der globalen Aktien über einen Wirtschaftszyklus übertreffen, wie er sagt. Seine Benchmark ist dabei der MSCI All Country World Index.

Die größte Fondsgewichtung entfiel zuletzt auf den Gesundheitssektor mit einer Gewichtung von mehr als 27 Prozent, und damit mehr als doppelt so hoch wie die Gewichtung in der Benchmark. Schließlich zählt die Branche zu den langjährigen und verlässlichen Dividendenzahlern. Zuletzt rückte sie auch aufgrund der Corona-Krise ins Rampenlicht. Umgesetzt wird die Positionierung im BlackRock-Fonds mit Investments wie etwa in Novartis und Sanofi. Doch auch Aktien aus dem Basiskonsum locken oftmals mit interessanten Dividendenrenditen. Solche Titel hat Wheatley-Hubbard ebenfalls hoch gewichtet, etwa mit Unilever sowie Nestlé.

Nachhaltikeit für Stabilität

Interessant ist aber auch der Blick auf die Mitbewerber. Bei seiner Titelselektion betrachtet Fondsmanager Piergaetano Iaccarino vom Amundi Funds Global Equity Sustainable Income die Geschäftsmodelle sowohl unter fundamentalen als auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten. Er betont, das führe zu einer zuverlässigeren sowie nachhaltigen Aktionärsvergütung. Für das laufende Jahr strebt der Fonds dabei ein Ausschüttungsziel von vier Prozent an. Wie Iaccarino das erzielen möchte? Er setzte zuletzt den größten Schwerpunkt auf die IT-Branche, etwa mit Microsoft, Apple und Intel. Während diese Titel schon seit Jahren zu den etablierten Technologiekonzernen zählen, profitierten sie auch vom Lock-Down inmitten der Corona-Pandemie. Denn viele Menschen arbeiten deshalb im Home-Office und sind von der Technik besonders abhängig.

Fast genauso hoch gewichtet sind die Finanz- sowie die Gesundheitsbranche, etwa mit Aktien von Roche oder Munich Re. Dabei meint der Amundi-Experte: „Europäische Versicherungen verfügen in der Regel über solide Fundamentaldaten. Aus ESG-Sicht spielen sie außerdem eine wichtige Rolle beim Risk-Pricing sowohl in Bezug auf die Umwelt als auch in jüngster Zeit in Bezug auf Soziales“. (ESG steht für die englischsprachigen Nachhaltigkeitskriterien Environmental, Social, Governmental).

Freilich, dass US-Aktien mit rund 36 Prozent im Amundi-Fonds geringer als im BlackRock-Fonds gewichtet, dafür Europa-Titel höher gewichtet sind, zeigte sich auch in der Performance. Denn die Märkte diesseits des Atlantiks verloren im Crash stärker an Wert. Auch die Trendwende seit Mitte März erfolgte zuletzt verhaltener. Noch stärker wirkte sich dieser Umstand auf den Amundi European Equity Sustainable Income aus. Zumindest aber bieten die Rücksetzer langfristig orientierten Anlegern einen günstigen Einstieg.

Was noch hinzu kommt: Meist sind europäische Firmen in Hinblick auf Dividendenzahlungen Vorreiter, während viele US-Unternehmen gerne auch auf Aktienrückkäufe bei der Gewinnverwendung zurückgreifen. In Japan ist wiederum die Ausschüttungsquote noch relativ gering, wobei sich dies allmählich zugunsten der Aktionäre verändert.

Dividenden für die Kommunikation

Von den aktuellen Diskussionen rund um Dividendenkürzungen lässt sich der Amundi-Experte jedenfalls nicht verunsichern. Er sagt, „Dividenden bleiben das primäre und wichtigste Vergütungsinstrument für die Aktionäre und sie werden wieder bezahlt werden“. Das gelte auch für Unternehmen, bei denen die Kürzungen am stärksten ausfielen. Iaccarino meint auch, dass Dividenden zunehmend zu einem Kommunikationsinstrument von Social Responsibility für ein breiteres Publikum von Stakeholdern werde, nebst den Aktionären auch beispielsweise für Mitarbeiter. Ähnlich lautet der Tenor anderswo. Ben Lofthouse, Fondsmanager des Janus Henderson Global Equity Income Fund, glaubt, dass eine ganze Reihe an Unternehmen ihre Dividendenzahlungen recht schnell wieder aufnehmen dürften. Lofthouse meint auch, man habe zwar einige Dividendenkürzungen erlebt. „Aber der hohe Grad an Flexibilität bei der globalen Aktienauswahl und der Fokus auf Unternehmen mit starkem Cash Flow sowie gesunden Bilanzen erlaubt es uns, die Folgen abzuschwächen“.

In den vergangenen Jahren lagen im Schnitt die vom Fonds ausgezahlten Ausschüttungen immerhin bei rund vier Prozent. Um an den Erfolg anzuschließen wählt auch der Janus-Fondsmanager seine Strategie sehr genau: Zuletzt war der Pharmasektor mit rund 19 Prozent am höchsten gewichtet, etwa mit Titeln wie Roche und Novartis. Das ist mit ein Grund, weshalb regional die zweithöchste Gewichtung auf die Schweiz entfällt, nach den USA. Die zweitgrößte Sektorgewichtung entfällt auf die Versicherungsbranche. Lofthouse gefällt, dass viele solcher Konzerne eine starke Marke und Wettbewerbsposition hätten. Die Dividenden sehe man in diesem Sektor zudem als vergleichsweise nachhaltig an.

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