Inhalt | Print-Ausgabe 01/2017
20.04.2017

Staat will "Riestern" stärker fördern – die meisten profitieren

Seit Jahren stagniert die Riester-Nachfrage. Dies will der Gesetzgeber jetzt ändern. Nachholbedarf haben vor allem Geringverdiener. Dabei können sie sich quasi systembedingt über sehr hohe Förderquoten freuen. Aber aufgepasst: Manche Policen erweisen sich als echte Kosten-Fallen.

von Kay Schelauske

Die Riester-Rente soll attraktiver werden. Die Bundesregierung will deshalb die jährliche Grundzulage um zwölf auf 165 Euro anheben und damit die direkte Förderung verbessern. Für eine entsprechende Anhebung des alternativen Sonderausgaben-Abzugs um 150 auf 2250 Euro zeigt sich der Gesetzgeber ebenfalls offen. Dies hat der Bundesrat in seiner Stellungnahme auf den Regierungsentwurf zum Betriebsrentenstärkungsgesetz empfohlen, „um die Struktur der bisherigen Förderung beizubehalten“. Fakt ist: Weder Grundzulage noch Sonderausgaben-Höchstbetrag sind seit 2008 an die allgemeine Preissteigerung angepasst worden.

Genau aus diesem Grund empfiehlt der Bundesrat auch eine Dynamisierung der Zulagen sowie eine Anhebung der Kinderzulage – und zwar einheitlich auf 300 Euro auch für jene Kinder, die vor 2008 geboren sind. Bislang vergeblich. Die Regierung lehnt dies ab, weil dem Staat dadurch jährlich 400 Millionen Euro an Steuergeldern verloren gingen. Und die Dynamisierung? Auch hiergegen sperrt man sich, weil dies die Komplexität der Riester-Förderung erhöhen würde.

Immerhin will der Gesetzgeber bei der „Grundsicherung für das Alter“ ansetzen. Der bisherige Zwang zur Anrechnung soll Geringverdiener in der Annahme, dass sie bei Rentenbeginn von der staatlichen Hilfe abhängig sein werden, vom „Riestern“ abgehalten haben. Schließlich bestehe das Risiko, keine zusätzliche private Rente zu erhalten, sondern vielmehr quasi jahrzehntelang für den Staat eingezahlt zu haben. Im Gesetzesentwurf wird ein Betrag von bis zu 202 Euro genannt, der bei Betriebs- und Riester-Renten künftig als Freibetrag auch bei Erwerbsminderung geltend gemacht werden könnte.

Verbesserungen beim Zulageverfahren sowie bei der Besteuerung der Abfindung von sogenannten Kleinbetragsrenten sollen die Attraktivität der Riester-Rente noch untermauern. Wird das aber ausreichen, um mehr Bundesbürger für das „Riestern“ zu gewinnen? Seit drei Jahren nimmt die Zahl der Riester-Verträge jährlich um weniger als ein Prozent zu und liegt aktuell bei rund 16,5 Millionen (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Während Versicherungen und Banksparpläne leicht verlieren, gewinnen Fondssparpläne und Wohn-Riester-Verträge leicht hinzu. Was sind die Gründe für das „Nicht-Riestern“?

Laut einer zu Jahresanfang vom Bundesministerium für Arbeit veröffentlichten Erhebung über die Verbreitung der Altersvorsorge in Deutschland werden vor allem drei Sachverhalte angeführt, die unmittelbar mit der Riester-Rente zu tun haben: die Komplexität, zu hohe Beiträge bzw. keine ausreichenden finanziellen Mittel sowie eine fehlende Beschäftigung mit dem Thema seitens der Verbraucher. In ihrem Gesetzentwurf nimmt sich die Regierung bisher nur der ersten beiden Gründe an, nicht aber den Wissensdefiziten. „Der Hinweis auf die Förderberechtigung bei der privaten Altersvorsorge ließe sich in die jährliche Renteninformation der Gesetzlichen Rentenversicherung einbinden“, nennt die Ende vergangenen Jahres erschienene Studie „15 Jahre Riester – eine Bilanz“ als Beispiel für eine Verbesserung des Vorsorgewissens. Für die Studienverfasser um Axel Börsch-Supan und Tabea Bucher-Koenen erscheint eine weitere Erhöhung der staatlichen Förderung nicht zielführend. Der Grund: Ein Großteil der Personen, die von den höchsten Förderquoten profitieren können, weiß gar nicht, dass er förderberechtigt ist.

Laut Studie hielten sich etwa 49 Prozent der Befragten für förderberechtigt, 51 Prozent hingegen nicht. Tatsächlich war das Verhältnis aber laut gesetzlich festgelegter Kriterien 73 zu 27 Prozent. Kurz gesagt: Die persönliche Zulagenberechtigung wird stark unterschätzt. Auf Basis von Erhebungen aus dem Jahr 2011 stellen die Verfasser mit Blick auf die Verbreitung von Finanzwissen in der Bevölkerung zudem fest: Haushalte mit geringem Einkommen, Frauen und Haushalte aus Ostdeutschland haben niedrigere Finanzkenntnisse im Vergleich zu Haushalten mit höherem Einkommen, Männern und Westdeutschen. Hierzu passt das Bild der Förderquoten, also des Verhältnisses der staatlichen Förderung zum Sparbeitrag.

Kurz zur Einordnung: Die Grundzulage steht jedem förderberechtigten Riester-Sparer zu. Für jedes Kind erhält grundsätzlich die Mutter eine Kinderzulage, es sei denn, die Eltern beantragen, dass der Vater die Zulage bekommt. Um die volle Zulage zu erhalten, müssen aber mindestens vier Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens des Vorjahres als privater Altersvorsorgeaufwand angespart werden. Der maximale Förderbetrag liegt bei 2100 Euro pro Jahr. Wird der erforderliche Eigenbetrag nicht in vollem Umfang aufgebracht, fließen die Zulagen nur anteilig. Wichtig dabei: Die Summe der gewährten Zulagen – also Grund- und etwaige Kinderzulagen – sind bereits im Mindesteigenbeitrag enthalten. Folglich muss der Sparer nur einen Teil dieses Beitrags selbst aufbringen.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel mit allen Tabellen in der Printausgabe von FONDS exklusiv.