Inhalt | Print-Ausgabe 03/2016
27.10.2016

Sparen auf neuen Wegen

Die Zinsen sind auf dem Nullpunkt. Das ist nicht schön. Doch so schnell dürfte sich daran kaum etwas ändern. Auch sicherheitsorientierte Sparer können aus dieser Not eine Tugend machen: Umdenken und Schritt für Schritt neue Wege gehen – mit den eigenen Wünschen im Gepäck. 

von Kay Schelauske

Sparen ist wichtig. Damals wie heute. Es sichert die Handlungsfähigkeit in der Zukunft. Anders lassen sich viele Vorhaben nicht finanzieren. Es sei denn, ein dicker Lottogewinn oder eine große Erbschaft stehen ins Haus. Dabei spielt es keine Rolle, ob kurzfristige Sparziele, wie z.B. eine Urlaubsreise, im Fokus liegen oder langfristige, allen voran die Altersvorsorge. Die gesetzliche Rentenversicherung wird sich zukünftig immer mehr auf das Niveau einer Grundversorgung beschränken. Ein finanziell sorgenfreies Leben im Ruhestand lässt sich daher nur durch dauerhaftes Sparen erreichen. Vielen Bundesbürgern ist die Bedeutung des Sparens bewusst. Sie werden ihrem Ruf nach wie vor gerecht – und sparen fleißig. Das zeigen die Ergebnisse der jüngsten repräsentativen Sparstudie von Union Investment, der Kapitalanlagegesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

 

Genau 68,1 Prozent der Deutschen sparen demnach regelmäßig, über 90 Prozent von ihnen Monat für Monat. Auch die Sparquote kann sich sehen lassen: Seit Generationen werden gut zehn Prozent des Einkommens für unterschiedliche Ziele gespart, heißt es. Die jüngeren Bundesbürger im Alter von 16 bis 25 Jahren sparen noch mehr: Sie zweigen beachtliche 12,5 Prozent ihres Verdienstes ab, obwohl sie im Durchschnitt weniger Geld in der Tasche haben. Nicht nur das. Laut Studie sind sie sogar mit mehr Herzblut bei der Sache!

 

Seit einiger Zeit wird der ungebrochene Sparwillen der Deutschen auf eine harte Probe gestellt. Die anhaltenden Niedrigzinsen führen dazu, dass sich bisher beliebte Sparformen für das mittel- bis langfristige Sparen nicht mehr lohnen. Noch in den 90er-Jahren benötigten Sparer lediglich zwölf Jahre, um ihr Kapital mit verzinslichen Anlagen zu verdoppeln. Während sich dieser Zeitraum im Jahr 2010 bereits mehr als verdreifachte, lässt sich dieses Sparziel nun innerhalb eines Menschenlebens gar nicht mehr erreichen. Was können Sparer also tun?

 

Vier Handlungsoptionen stehen zur Wahl:

 

1. NICHT sparen, aber: Sparer würden sozusagen das Kind mit dem Bade ausschütten, also sich selbst ihrer Chancen berauben.

 

2. MEHR sparen, aber: Ein niedriger Zins lässt sich zwar durch erhöhten Kapitaleinsatz ausgleichen. Sparer können oder wollen jedoch in der Regel nicht mehr Geld ausgeben, um das anvisierte Ziel zu erreichen.

 

3. LÄNGER sparen, aber: das wäre zwar eine Alternative, wenn nicht mehr Kapital eingesetzt werden soll, bei langfristigen Sparzielen aber nur eine theo­retische. Mit fortschreitendem Alter verkürzt sich unumkehrbar die fürs Sparen zur Verfügung stehende Zeit.

 

4. EFFIZIENTER sparen, das bedeutet: Sparer wählen Anlageformen, die mit größeren Ertragschancen einhergehen. Gleichzeitig steigen auch die Verlustrisiken. Anders geht es nicht. Die Risiken lassen sich aber an die Anlagebedürfnisse des Sparers anpassen und können mittel- bis langfristig überschaubar bleiben.

 

Die Herausforderung liegt auf der Hand: Die Deutschen sind zwar fleißige Sparer, aber sie tun dies mit einem ausgeprägten Sicherheitsbewusstsein. „Das Sparbuch wirft aber faktisch keine Zinsen mehr ab“, betont Martin Weber. Der Professor für Finanzwirtschaft, insbesondere Bankbetriebslehre, an der Universität Mannheim verweist auf vergangene Zeitphasen, in denen die Situation für Sparer ähnlich war. So konnten beispielsweise jährliche Zinserträge von vier Prozent erzielt werden, bei allerdings ähnlich hoher Inflationsrate. „Das ist den Menschen nur nicht aufgefallen, weil sie in nominalen Größen denken“, ergänzt Weber und betont: „Die aktuelle Situation fördert daher ein Umdenken, und das ist dringend erforderlich.“

 

 

Dieses Umdenken hat offenbar schon begonnen. „Die Studienergebnisse zeigen, dass immer mehr Deutsche bereit sind, einen Teil ihres Geldes in chancenreichere Anlagen zu investieren. Wir bezeichnen es als Evolution des Sparens“, sagt Giovanni Gay. Der Geschäftsführer der Union Investment Privatfonds GmbH meint das Fondssparen. Unter diesem Begriff versteht man den regelmäßigen, zumeist monatlichen Kauf von Fondsanteilen bei gleichbleibender Sparrate.

 

Das Fondssparen besticht mit einer Reihe von Vorteilen. Ganz wichtig in puncto Sicherheit: Bei offenen Investment- oder auch Publikumsfonds investieren Sparer in ein sogenanntes Sondervermögen. Es wird getrennt vom Kapitalvermögen der Fondsgesellschaft treuhänderisch im persönlichen Depot des Sparers verwaltet. Sollte der Fondsanbieter in eine finanzielle Schieflage geraten oder gar Pleite gehen, bleibt das Sondervermögen davon unberührt. Gleichzeitig kann der Fondssparer auf ein Höchstmaß an Flexibilität und Transparenz vertrauen. So lassen sich die beim Abschluss des Fondssparplans vereinbarten Sparraten jederzeit erhöhen, verringern oder aussetzen. Ebenso ist es möglich, den Sparplan durch den Verkauf der Fondsanteile zu kündigen. Ratsam ist das jedoch nicht, da der Anteilswert schwanken kann und das Sparziel durch eine vorzeitige Beendigung des Sparplans zumeist verfehlt wird.

 

FONDSSPAREN FÖRDERT DISZIPLIN

 

Nach Angaben des deutschen Fondsverbandes BVI profitiert der Sparer bei gleichhoher Sparrate von einem langfristig günstigen durchschnittlichen Kaufpreis der Fondsanteile. Die Begründung: In Zeiten hoher Kurse werden weniger Fondsanteile erworben, dafür in Phasen niedriger Kurse mehr. Gleichzeitig wird das Timing-Problem ausgeschaltet, also das Risiko zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen, wie es bei einer Einmalanlage passieren kann, sofern das Kapital überhaupt zur Verfügung steht. Ebenso wichtig: der Fondssparer verabschiedet sich in schwierigen Zeiten nicht von den Kapitalmärkten. Vielmehr handelt er antizyklisch und profitiert damit von möglichen Kursschwankungen. Zudem fördern regelmäßige Ratenzahlungen die Selbstdisziplin und das Durchhaltevermögen des Sparers. Gewöhnlich wird die Rate von seinem Konto abgebucht und damit nicht mehr im persönlichen Haushaltsbudget verplant. So läuft der Sparer gerade bei Aktienanlagen weniger in Gefahr, sich bei starken Kursschwankungen von seiner Kapitalanlage zu verabschieden. Aus den Augen, aus dem Sinn – und das ist gut so.

 

Erfreulich ist auch die Vielfalt an Investmentfonds, die Fondssparern in­zwischen für einen Fondssparplan zur Verfügung steht. Hier empfiehlt es sich, einen fondsaffinen Berater hin­zuzuziehen. Einerseits können Invest­mentfonds mit erheblichen Kursschwankungen und -verlusten einhergehen. Andererseits gibt es unterschiedliche Stellschrauben, durch die sich das Chance-Risiko-Profil des Investments mit den individuellen Anlagebedürfnissen in Einklang bringen lässt. Hervorzuheben ist die Wahl der Anlageklassen, wie z. B. Aktien und Anleihen, sowie der Anlagestrategie. Sie offenbart, nach welchen Kriterien das Fondsmanagement in die jeweiligen Anlageklassen investiert. Besonders wichtig ist auch die Ausrichtung des Fonds. Hier geht es um die Frage, wie stark das Anlagegeld in verschiedenen Regionen, Wirtschaftsbranchen und Unternehmensgrößen gestreut ist. „Schon Marx hat Mitte des 19. Jahrhunderts die Beteiligung am Produktivkapital propagiert“, sagt Weber und fügt hinzu: „Das geht am besten über ein breit diversifiziertes Fondssparen in die Industrieschornsteine dieser Welt.“ Gemeint sind Aktienfonds, bei denen das Fondsvermögen in einer Vielzahl von Aktien investiert ist. Der Vorteil für den Fondssparer: Er vermeidet das hohe Einzeltitel-Risiko, profitiert aber über die Kursentwicklungen und Ausschüttungen der Aktiengesellschaften langfristig von steigenden Unternehmenswerten.