Inhalt | Print-Ausgabe 03/2014
01.10.2014

„Neue Geschäftsmodelle frühzeitig aufspüren“

20 Jahre Investments in den Emerging Markets – dafür steht der Magellan-Fonds von Comgest. Über das Geheimnis des Anlageerfolgs, den größten Fehler und wie es um die künftigen Marktchancen in den Schwellenländern steht, berichtet Vincent Strauss, Manager des Fonds und CIO bei Comgest.

Vincent Strauss, Manager des Magellan-Fonds und CIO bei Comgest

Vincent Strauss, Manager des Magellan-Fonds und CIO bei Comgest

FONDS exklusiv: Herr Strauss, Sie managen den Magellan-Fonds seit 20 Jahren. Wie würden Sie heute die Charakteristik dieses Schwellenländer-Aktienfonds beschreiben?

 

Vincent Strauss: Wir betrachten den Magellan-Fonds als langfristiges Investment, das sich auch in schwierigen Marktphasen behaupten kann. Das Ziel ist, eine jährliche Performance zu erzielen, die oberhalb des MSCI Emerging Market-Index liegt, bei gleichzeitig niedrigerer Volatilität für den Anleger. Als Stockpicker investieren wir nur in Unternehmen, von deren Geschäftsmodell und Management wir vorbehaltlos überzeugt sind. Deshalb meiden wir Banken, zyklische Branchen wie Schifffahrt und Rohstoffe.

 

 

Die Schwellenländer haben sich in ­dieser Zeit rasant verändert – und der Magellan?

 

V. S.: Nicht viel. Angesichts des auf fast drei Milliarden Euro angewachsenen Fondsvolumens müssen wir stärker diversifizieren. Entsprechend ist die Zahl der Portfoliotitel von 35 auf bis zu 45 Titel gestiegen. Gleichzeitig hat sich das Anlageuniversum stark vergrößert. Inzwischen verfügen wir über ein sehr gutes Managementqualitäts-Ranking der Gesellschaften. Es ist sehr, sehr wichtig und der anspruchvollste Part für uns als Fondsmanager, die Managementleistungen der Entscheidungsträger zu bewerten.

 

 

Was war in den zurückliegenden 20 Jahren der kritischste Moment für Sie als Fondsmanager?

 

 

V. S.: Das war vor etwa drei bis vier Jahren. In 1994 waren wir extrem auf Konsumwerte in den Schwellenländern ausgerichtet. Diese Anlagestrategie war nicht populär. Damals waren die meisten Investoren auf stark exportorientierte Unternehmen in Ländern wie Korea, Taiwan und Brasilien fokussiert. Das änderte sich aber einige Jahre später, als manche Werte zu wahren Anleger-Lieblingen wurden – mit der Folge, dass deren günstige Bewertungen bis zum Jahr 2011 quasi durch die Decke gingen. Mein Job als Fondsmanager ist es aber, in Unternehmen zu investieren, die gutes Wachstum bei einem niedrigen Aktienkurs erwarten lassen. Daher sahen wir uns gefordert, in Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen der Computer- und Technologiebranche zu investieren. Aber deren Geschäftsmodelle und Management waren vor zehn Jahren schwierig einzuschätzen und passten aufgrund ihrer Zyklizität nicht in unser Fondsportfolio. Da haben wir Fehler gemacht.

 

 

Seit seiner Auflage vor 20 Jahren hat der Fonds ein jährliches Plus von  8,7 Prozent erzielt, während der MSCI Emerging Market-Index lediglich einen Zuwachs von knapp 4,5 erreichte. Was ist das Geheimnis dieses Anlageerfolges?

 

V. S.: Ich denke, es ist die ständige Suche und das Aufspüren neuer Geschäftsmodelle, neuer Sektoren und neuer Märkte, in die wir einen Teil des Portfolios investieren. Vorausgesetzt, dies gelingt uns früher als anderen.

 

 

In den zurückliegenden Jahren ­haben die Emerging Markets deutlich an ­Attraktivität eingebüßt. Wie fällt ihre aktuelle Lagebeurteilung aus?

 

V. S.: Schwellenländer-Investments sind mit hohen Kursschwankungen verbunden. Darauf müssen wir Anleger hinweisen. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, dass die beschriebene Anlagestrategie ein Stück weit dazu beitragen kann, dass makroökonomische und politische Krisen nicht immer voll auf unser Portfolio durchschlagen. Wenn wir zurückblicken, waren viele Investoren in den Jahren ab 2009 zu optimistisch, was die Ertragschancen in den Emerging Markets betrafen, sodass viel Kapital in die Märkte floss. Das hat sich umgekehrt und viele sind inzwischen extrem pessimistisch eingestellt. Wir waren damals eher defensiv und blicken heute konstruktiv-positiv auf die dortigen Anlagechancen.

 

 

Lesen Sie das Interview auch in der Print-Ausgabe 03/2014 von FONDS exklusiv.