Inhalt | Print-Ausgabe 04/2018
16.01.2019

Nachhaltiges Anlegen zahlt sich doppelt aus

"Grüne" Anlagestrategien mausern sich zum Mainstream. Nachteile bei den Ertragschancen brauchen Anleger nicht zu fürchten, wie Studien zeigen. Eher im Gegenteil. Große Defizite gibt es noch bei der Transparenz. Die Europäische Union will mit einem Aktionsplan gegensteuern.

von Kay Schelauske

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eltweit verfolgen 61 Prozent der Investoren und 48 Prozent der Emittenten, also Herausgeber von Wertpapieren, eine Finanzstrategie nach ESG-Kriterien (Environment, Social und Governance). Auf beiden Seiten sind dabei europäische Marktteilnehmer mit Anteilen von 85 bzw. 90 Prozent klar führend. „Nachhaltigkeitsstrategien nach ESG, klimagerechte Finanzierung und Risikomanagement nähern sich dem Mainstream“, betont daher Daniel Klier. Der Head of Strategy und Global Head of Sustainable Finance von HSBC begründet dies mit der veränderten Motivation aufseiten der Akteure.

Im vergangenen Jahr nannten Emittenten noch den Druck von Investoren als Hauptgrund, gefolgt von Regulierungsanforderungen und Reputationssorgen. Inzwischen sind finanzielle Beweggründe maßgeblich für nachhaltiges Handeln (siehe Grafik auf der nächsten Seite). Dies zeigt, dass der Druck von Investoren wirkt und die Marktkräfte eine Verhaltensänderung erzeugt haben, bewertet Klier die Umfrageergebnisse. Sie basieren auf einer in Auftrag gegebenen Befragung von 1.731 Unternehmen und Investoren weltweit. Laut HSBC ist die Sustainable-Finance-Studie die größte dieser Art und wurde von East & Partners zum dritten Mal in Folge durchgeführt.

Über zwei Drittel der befragten Unternehmen und mehr als jeder zweite Investor sehen keine Hürden, ihr nachhaltiges Engagement auszuweiten. Diese positive Sicht drückt sich auch in einer von Schroder Investment Management beauftragten Studie aus. Dort gaben fast drei Viertel der befragten Investoren an, dass nachhaltiges Investieren in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Das entspricht einem Plus von sieben Prozentpunkten gegenüber den Umfrageergebnissen des Vorjahres. Fast jeder Zweite gab zudem an, während der vergangenen fünf Jahre verstärkt „grün“ investiert zu haben.

Deutlich zurückhaltender äußern sich die 650 institutionellen Investoren, die etwa zur selben Zeit befragt wurden, allerdings über den aktuellen Umgang mit dem Thema. So haben Überlegungen zur Nachhaltigkeit der Kapitalanlage bei fast einem Drittel der Befragten wenig bis gar keinen Einfluss auf ihren Investment-Entscheidungsprozess. Ausschlaggebend seien dagegen Faktoren wie strategische Vermögens-allokation, Erfolgsbilanz des Fondsmanagers, erwartete Rendite und die eigene Risikotoleranz.

Die Resultate offenbaren außerdem, dass der Anlagehorizont und die Renditeerwartungen eine wichtige Rolle spielen. Rund 32 Prozent der Befragten mit einer Haltedauer von mindestens fünf Jahren gaben an, dass der Aspekt Nachhaltigkeit einen wesentlichen Einfluss hat. Demgegenüber teilten unter Investoren mit einem kürzeren Investmenthorizont zwischen drei und fünf Jahren lediglich 23 Prozent diese Ansicht. Bei jenen Anlegern, die stärker auf Nachhaltigkeit setzen, zeigten sich 59 Prozent zuversichtlich, dass ihre Renditeerwartungen erfüllt werden, verglichen mit 37 Prozent bei denjenigen, für die Nachhaltigkeit keine Priorität besitzt. Bemerkenswert: Drei von vier in der Schroder-Studie befragten Investoren räumten ein, dass ihnen nachhaltiges Investieren mit Blick auf die Wertentwicklung Schwierigkeiten bereite. Beim Nachweis von Renditevorteilen würde gut jeder Dritte seine Allokation zugunsten nachhaltiger Anlagen aufstocken.

Ähnliches Risiko-Profil

Zwei kürzlich veröffentlichte Studien bestätigen erneut, dass sich die Renditeaussichten durch nachhaltige Anlagestrategien nicht eintrüben. Scope Analysis verglich „Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Europa“ und „Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt“ mit ihren nicht-nachhaltigen Pendants „Aktien Europa“ und „Aktien Welt“. Das Ergebnis: Im Durchschnitt zeigen sich über fünf Jahre keine signifikanten Unterschiede bei den Anlageergebnissen der Aktienfonds. Die europäischen Anlagen erzielten im Durchschnitt der letzen fünf Jahre eine jährliche Performance von 7,8 Prozent und lagen damit im Vergleich nur um 0,1 Prozent besser, bei einer um 0,3 Prozentpunkte höheren Volatilität von 11,7 Prozent. Die globalen Anlagen schnitten mit einem jährlichen Wertzuwachs von 10,7 Prozent um 0,7 Prozentpunkte besser ab. Die Volatilität lag mit 10,1 Prozent um 0,8 Prozentpunkte unter jener der klassisch ausgerichteten Fonds. „Der Performance-Vergleich zeigt, dass sich das Risiko-Rendite-Profil nachhaltig ausgerichteter Fonds bei einer Durchschnittsbetrachtung wenig von herkömmlichen Fonds unterscheidet. Mit anderen Worten: Investoren müssen keine Performance-Einbußen in Kauf nehmen, wenn sie nachhaltig investieren“, resümieren die Studienverfasser. Bei der Performanceanalyse von Absolute Research wurden mehr als 800 Nachhaltigkeitsfonds mit über 8.000 Investmentansätzen verglichen, die nicht auf nachhaltige Strategien im Anlageprozess setzen. Das Ergebnis: „Grüne“ Anlagestrategien erzielten in der Summe oftmals eine bessere risikoadjustierte Rendite bei geringeren Volatilitäten und Drawdowns. Beispielsweise lieferten nachhaltige Europa-Aktien-Manager über die letzten 36 Monate eine Rendite von jährlich neun Prozent, während nicht nachhaltige Fonds im Mittel bei 8,5 Prozent Rendite pro Jahr lagen. Bei einem Vergleich der zurückliegenden 60 Monate ergaben sich hingegen keine nennenswerten Unterschiede.

Gleichzeitig schauten sich die Analysten an, wie die Renditen innerhalb der Fondsgruppe verteilt sind. Es zeigte sich, dass in der relativ kleinen Peer Group der Sustainability-Manager Ausreißer seltener waren als bei den traditionellen Managern. Im Nachhaltigkeitsuniversum lagen bei der erzielten Rendite lediglich elf Prozentpunkte zwischen dem besten und dem schlechtesten Fonds. Im nicht nachhaltigen Bereich war die Spannweite dreimal so groß. Außerdem konnten alle nachhaltigen Fonds eine positive Rendite erwirtschaften, heißt es weiter.

 

Fazit für Anleger: Immer mehr Emittenten richten ihr Handeln nach ökologischen, sozialen und Governance-Anforderungen aus. Dadurch eröffnen sich Investoren zusehends mehr Möglichkeiten, ihr Kapital nach den ESG-Kriterien und entsprechend ihrer persönlichen Präferenzen zu investieren. Grundsätzlich sollten sie dabei keine Renditenachteile erwarten, oftmals eher einen Mehrertrag. Lediglich mit teils etwas erhöhten Kursschwankungen ist zu rechnen. Die Fondsauswahl steigt für Anleger erfreulicherweise stetig.

 

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