Inhalt | Printausgabe 3/2021
21.10.2021

Lösungen gegen Wassermangel fördern und nachhaltig profitieren

Weltweit haben Milliarden Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser. Gleichzeitig wird das kostbare Nass durch veraltete Kanalisationen und eine ineffiziente Bewässerung von Ackerflächen verschwendet. Mit Wasserfonds können Anleger den Einsatz technischer Lösungen fördern und vom globalen Wachstumspotenzial profitieren.

von Kay Schelauske

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Wasser hat zwei völlig gegensätzliche Dimensionen: Anhaltender Starkregen überschwemmt Straßenzüge und Stadtteile oder lässt Wasserfluten entstehen, die ganze Ortschaften niederwalzen. Die jüngsten dramatischen Ereignisse in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind uns noch allgegenwärtig. Die andere bringt weltweit Milliarden Menschen in akute Not: (Trink-)Wassermangel. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Klimaveränderungen infolge der anhaltenden Erderwärmung, die genauso zu längeren Dürreperioden führen, über veraltete Kanalisationen bis hin zu fehlenden Versorgungsstrukturen. Beide Dimensionen werden an Brisanz zunehmen. Da sind sich Wissenschaftler einig.

Wasserverbrauch steigt weiter

Die Herausforderungen sind groß. So ist der globale Verbrauch von Trink-/Süßwasser in den vergangenen 100 Jahren um das Sechsfache gestiegen. Bevölkerungsanstieg, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass der weltweite Wasserverbrauch weiter um etwa ein Prozent pro Jahr ansteigt, analysieren Experten der Vereinten Nationen im diesjährigen Weltwasserbericht. Den größten Verbraucher stellt im weltweiten Mittel die Landwirtschaft mit 69 Prozent der Wasservorräte aus Flüssen, Seen und Grundwasserleitern dar (siehe Schaubild auf der nächsten Seite). „Ohne Einsparmaßnahmen dürfte der Wasserverbrauch der Landwirtschaft bis 2050 um weltweit 20 Prozent steigen, mahnen die Experten von BNP Paribas in einem Themenpapier und betonen, dass bis dahin etwa die Hälfte der Getreideproduktion auf der Welt durch Wasserknappheit infolge des anhaltenden Nachfragedrucks aufgrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums gefährdet sein wird.

Der verstärkte Einsatz innovativer technischer Lösungen kann weltweit dazu beitragen, dass Wasser effizienter genutzt und der Verbrauch gesenkt wird. Beispiel Precision Farming. Hierbei werden bspw. mittels GPS-Daten digitale Verfahrenstechniken eingesetzt, die es ermöglichen, Ackerflächen unter Berücksichtigung des Nährstoffgehalts des Bodens, der vorhandenen Biomasse und der Wachstumsfortschritte der Pflanzen optimal zu bewässern und zu bewirtschaften. Beispiel Umkehrosmose. Hinter diesem Begriff steckt eine wirtschaftliche Methode, um durch Filtration mittels Membrantechnologien Süßwasser durch Entsalzung zu generieren. „Mit einer Gesamtkapazität von etwa 80 Millionen Kubikmetern täglich (das entspricht 80 Milliarden Litern) wird etwa ein Prozent des weltweit verbrauchten Süßwassers durch Entsalzung gewonnen“, betonen die BNP-Experten unter Verweis auf den US-Dienstleister AquaVenture Holdings.

Vor rund sechs Jahren ist der Asset Manager mit seinem Wasserfonds BNP Paribas Aqua gestartet. Fast die Hälfte des Fonds ist im Industriesektor investiert. Danach folgen Versorger und Rohstoffe mit Gewichtungen von gut 20 bzw. 10 Prozent. Im Gegenzug meidet das Fondsmanagement den Energiesektor, da hier typischerweise Öl- und Gasunternehmen zu finden seien. Engagements in erneuerbare Energien werden daher indirekt über Investments in Versorger wie die in Paris ansässige Veolia Environ eingegangen. Auch der in den USA und Kanada aktive US-Wasserversorger American Water Works und der US-Produzent von Überwachungs- und Messtechnik, Agilent Technologies, finden sich nicht nur beim „Aqua“ unter den Top Ten. Gemieden werden hingegen Titel aus den Sektoren Kommunikation, Basiskonsumgüter und Finanzen.

Wachstumschancen im Fokus

„Unser Wasserfonds ist in Anbietern von Analysegeräten und Wasseraufbereitungslösungen wegen deren guten Wachstumschancen übergewichtet“, betont Dieter Küffer, der den RobecoSAM Sustainable Water Equities bereits seit fast 20 Jahren managt. Nur leicht übergewichtet seien französische Versorger wegen ihrer Kosteneinsparungsprogramme, geplanter Anlagenverkäufe sowie Fusions- und Übernahmeaktivitäten. Weniger überzeugt zeigt sich Küffer hingegen von US-amerikanischen und brasilianischen Wasserversorgern und der US-Abfallwirtschaft. Die größten Fondspositionen sind mit jeweils über 4,5 Prozent die im Bereich „Biowissenschaften, Hilfsmittel und Dienstleistungen“ angesiedelten amerikanischen Gesellschaften Thermo Fisher Scientific und PerkinElmer, gefolgt von dem diversifizierten US-Technologieanbieter Danaher.

Ähnlich wie der „Aqua“ von BNP ist auch der Robeco-Fonds stark in den USA und innerhalb Europas besonders in Großbritannien investiert. „Einige Wasserunternehmen sollten von dem großen Infrastrukturprogramm auf der Tagesordnung der neuen US-Administration profitieren“, sagt der RobecoSAM-Fondsmanager und steht mit der Erwartungshaltung nicht allein da. „In den USA werden jährlich circa 300.000 größere Lecks verzeichnet, was bei einem Durchschnittsalter der Infrastruktur von etwa 50 Jahren wenig verwunderlich ist“, sagt Jonas Knüsel. Der Fondsmanager des Swisscanto (LU) Equity Fund Sustainable Global Water ergänzt, dass teils immer noch Wasserleitungen aus Blei verwendet werden, die erwiesenermaßen ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen. Laut Knüsel summiert sich die US-Investitionslücke bei der Wasserinfrastruktur daher über die nächsten 20 Jahre auf circa 1.900 Milliarden US-Dollar – und dies unter Beibehaltung des aktuellen Investitionsniveaus.

Auch Nedim Kaplan rechnet mit kräftigen Nachfrageimpulsen durch das amerikanische Infrastrukturprogramm. Der Fondsmanager des Ököworld Water For Life verweist beispielhaft auf Unternehmen wie Advanced Drainage Systems, einem führenden Hersteller von Abflussrohren und Entwässerungssystemen in den USA und die bereits erwähnte American Water Works. Neben den Themenschwerpunkten Klimaschutz sowie Wasserversorgung und Abfallbeseitigung, denen jeweils rund 25 Prozent des Fondsvolumens zuzuordnen sind, spielen die prozesseffiziente Wassernutzung sowie Gewässer- und Grundwasserschutz noch eine volumenmäßig größere Rolle. Auffallend im Vergleich zu anderen Wasserfonds ist die deutlich stärkere regionale Streuung der Portfoliotitel besonders zulasten von US-Titeln, die auf einen Anteil von nur knapp 30 Prozent kommen. Folgerichtig spiegelt sich das auch in einer weitgehend anderen Zusammensetzung der Top-Ten-Werte wider. Kaplan begründet dies mit seinem ganzheitlichen Ansatz und der strikten Einhaltung von Ausschlusskriterien. Mit Blick auf „schmutzige Aktivitäten“ im Wassersektor meidet der Fondsmanager manch bekannten Wasserwert und investiert stattdessen beispielsweise lieber in Titel der Bio-Landwirtschaft.

Für Berater und Endkunden lohnt der Blick in die „Maschinenräume“ der Fondsanbieter. So richten die hier näher betrachteten Wasserfonds ihre Titelauswahl neben ökologischen nach Sozial- und Governance-Anforderungen, also ESG-Kriterien, aus. Die Prozesse und Leitplanken unterscheiden sich dabei aber teils deutlich. Bei Ökoworld hebt man die strikte Trennung von Portfoliomanagement und Fundamentalanalyse gegenüber dem Nachhaltigkeitsresearch hervor. Letzteres bestimmt das Anlageuniversum anhand von definierten Positiv- und Ausschlusskriterien – unterstützt von einem dreiköpfigen wissenschaftlichen Fachbeirat im Hinblick auf die Bewertung von Entwicklungen im Wassersektor und dort eingesetzten Technologien und Produktlösungen.




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