Inhalt | Print-Ausgabe 01/2021
08.04.2021

Kommt jetzt der Biden-Boom?

Dem neuen US-Präsidenten Joe Biden werden jede Menge Reformen zugetraut. Sie dürften Wirtschaft und Börsen kräftig ankurbeln. Selbst Inflationssorgen und Währungsrisiken trüben die guten Aussichten kaum. Kurschancen sehen die Top-Manager von US-Aktienfonds nicht nur im Technologiesektor. Auch die globale Klima-Agenda eröffnet nun zusätzliches Potenzial.

von Raja Korinek

Adobe Stock

Für den neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden ist der Start in das Amt denkbar schwierig. Er plant eine mächtige Kehrtwende bei zahlreichen Maßnahmen seines Vorgängers Donald Trump. Dazu zählt allen voran die Förderung der Umweltpolitik. Biden möchte beispielsweise öffentliche Investitionen in Höhe von 400 Milliarden US-Dollar in energie- und klimabezogene Forschung und Entwicklung tätigen. Denn die USA liegen in diesem Bereich weit hinter Europa und China laut einer Studie von JP Morgan Asset Management. Welche Bedeutung hat die Präsidentschaft von Joe Biden für die globale Klima-Agenda? Zur JP Morgan-Studie gehts hier:

Auch der Wiedereintritt der USA in das Pariser Klimaabkommen hat oberste Priorität. Das Abkommen wurde Ende 2015 von rund 200 Staaten unterzeichnet, mit dem Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Ebenso im Fokus steht die Erneuerung der Infrastruktur. Wie dringend solche Maßnahmen notwendig sind, hat zuletzt der schwere Wintereinbruch im US-Bundesstaat Texas gezeigt, dem die Wasser- und Gasleitungen nicht stand hielten. Auch den Kampf gegen die Corona-Pandemie und überhaupt die Reformen im Gesundheitssystem hat Biden genauso auf seine Prioritätenliste gesetzt, wie die Ankurbelung des Konsums.

Schon Ex-Präsident Donald Trump hatte kurz vor Amtsende ein erstes 900-Milliarden-Dollarpaket verabschiedet, um den krisengebeutelten Privathaushalten unter die Arme zu greifen. Immerhin macht der Privatkonsum rund 70 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Marco Schneider, Portfoliomanager des UniNordamerika, findet, schon Trumps Paket habe damals das Rezessionsrisiko für die US-Wirtschaft deutlich gesenkt. Weitere Maßnahmen stehen bereits im Fokus: Allein der US-Senat gab am 6. März grünes Licht für das von Biden vorgeschlagene Fiskalpaket in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar, was immerhin fast zehn Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspricht. Schneider erwartet sich davon jedenfalls positive Effekte. Ebenso zuversichtlich zeigt man sich anderswo für den weiteren Konjunkturverlauf. Bei Goldman Sachs wurden die Prognosen binnen kürzester Zeit gleich zweimal für das laufende Jahr angehoben. Zuletzt wurde das Wirtschaftswachstum auf 6,8 Prozent geschätzt – bei durchwegs positivem Aufwärtstrend (siehe Schaubild rechts).

US-Maßnahmen sollten zusätzlich stimulieren

Angesichts solch positiver Konjunkturaussichten wird auch den US-amerikanischen Börsen noch jede Menge Potential eingeräumt. „Die angekündigten Stimulus-Instrumente sollten nach Bestätigung durch den Kongress für eine Unterstützung der Märkte sorgen“, betont Symon H. Godl, Geschäftsführer Deutsche Finance Asset Management GmbH. Und das, obwohl sie schon bislang zügig zulegten. Breite Indizes wie der Dow Jones Index, der Technologieindex Nasdaq sowie der S&P 500 erreichten zuletzt neue Rekordhochstände.

Werden weitere Kursgewinne damit künftig teuer erkauft? Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Asset Managers Bantleon, meint, US-Aktien seien mit einem KGV von rund 23 auf Basis der erwarteten Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im historischen Vergleich zwar hoch bewertet. „Das gilt allerdings nur in absoluter Betrachtung. Relativ zu Anleihen sind Aktien noch immer attraktiv.“ Er meint, während die Gewinnrendite (der Kehrwert des KGV) von Aktien bei gut vier Prozent liege, werfen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries noch immer kaum mehr als ein Prozent ab. Noch prekärer war dieser Umstand im vergangenen Sommer, als die Renditen auf rund 0,6 Prozent sanken.

Einzig, mit der Hoffnung auf den Konjunkturaufschwung nehmen die Inflationssorgen ebenso zu. Für Anleihen ist solch ein Umfeld denkbar schlecht. Die Papiere werden dann verkauft, um den Wertverlust durch eine steigende Teuerungsrate zu begrenzen, die Renditen steigen aufgrund der sinkenden Kurse in Folge an. Allerdings dürfte sich der Anstieg in Grenzen halten, solange die US-Notenbank weiterhin in großem Stil Anleihen kauft. Immerhin hat die FED vorigen Sommer klargestellt, dass sie ein zwischenzeitliches Überschießen der Inflationszielmarke von zwei Prozent toleriert, und darauf nicht gleich mit einem Drosseln der Anleihekäufe oder einer Zinsanhebung reagieren würde. Das ist eine weitere wichtige Stütze für die US-Aktienmärkte. Denn würden die Renditen allzu weit nach oben klettern, könnten zahlreiche Anleger sich überlegen, lieber wieder von Aktien in Anleihen umzuschichten.

Doch wie drastisch könnte die Teuerungsrate letztendlich ansteigen? Laut Goldman Sachs wird die Kerninflationsrate für das Gesamtjahr zwar über der Marke von zwei Prozent verharren, danach aber wieder sinken. Hartmann von Bantleon meint zudem: „Die Finanzmärkte nehmen den Beginn einer wirtschaftlichen Erholung vorweg und rechnen mit steigenden Leitzinsen – allerdings erst in der fernen Zukunft.“

Lesen Sie die vollständige Titel-Geschichte in der Print-Ausgabe 01/2021 von FONDS exklusiv!