Inhalt | Printausgabe 3/2021
05.10.2021

KI-Anlagechancen breit nutzen

Mit künstlicher Intelligenz (KI) verbinden sich vielfältige technologische Innovationen und Wachstumsperspektiven. Anleger können hiervon mit speziellen Themenfonds bereichsübergreifend profitieren – anders als bei Technologiefonds.

von Wolfgang Regner

Adobe Stock

Seit Jahresbeginn ist es mit der Leichtigkeit der Kursgewinne im KI-Sektor vorbei. Zyklische Unternehmen sind seitdem „in“, KI-Werte mit hohem Wachstum mussten den steigenden Renditen im Anleihesegment Tribut zollen. Ganz einfach deshalb, weil bei vielen KI-Unternehmen, wie bei den meisten Technologiewerten, der Großteil der erwarteten Gewinne in der Zukunft liegt und der Gegenwartswert dieser Profite mit steigenden Zinsen unweigerlich sinkt. Bei unveränderten Kursen steigen somit auch die Bewertungen der Unternehmen, was diese für Investoren weniger attraktiv macht. Viele Branchenexperten sind jedoch der Ansicht, dass nach der notwendigen Konsolidierung im KI-Sektor dieser bald wieder mit steigenden Kursen aufwarten kann. Die Gewinne haben auch 2021 ohnehin mit teils atemberaubender Rasanz zugelegt.

„Unser Ziel ist es, das disruptive Potenzial der KI zu analysieren und in Aktien von Unternehmen zu investieren, die den Fortschritt in diesem Segment vorantreiben oder davon direkt profitieren“, sagt Johannes Jacobi, Produktspezialist bei Allianz Global Investors. Doch was ist künstliche Intelligenz? Sie basiert auf Schaltkreisen, deren Rechenleistung, anders als beim menschlichen Gehirn, unbegrenzt ausgebaut werden kann. Und sie werden mit Daten gefüttert. KI steckt in diversen Alltagsanwendungen: Social-Media-Plattformen, die Informationen filtern, Videoanalysen zur Sicherheitsüberwachung, Anwendungen im Gesundheitssektor (so führt z. B. eine indische Firma heute schon Tag für Tag bis zu 100.000 Diagnosen mit KI durch) und Algorithmen, die Sport- oder Unternehmensanalysen verfassen. Selbst juristische Stellungnahmen werden von KI angefertigt, mit Datenbanken im Hintergrund, die kaum noch von Menschen durchforstet werden könnten.

KI steckt hinter jener Entwicklung, die „Industrie 4.0“ oder „Vierte industrielle Revolution“ genannt wird. Das bestätigt auch Allianz-Experte Jacobi.

Technologische Infrastruktur

KI wird die nächste große Innovations- und Automatisierungswelle in den kommenden Jahrzehnten antreiben. Dabei sei ein Punkt ganz wichtig: Die heutigen Leistungen der KI werden größtenteils hinter den Kulissen erbracht und noch deutlich weiterentwickelt werden. Unternehmen, die das Ökosystem für KI erschaffen oder KI für einen Umbruch ihres Geschäfts nutzen, sind demnach besonders gut positioniert, um ihre Marktanteile auszubauen und beträchtliche Renditen für die Anleger zu erwirtschaften.

„Wir suchen nach Unternehmen, die intensiver als ihre Wettbewerber im Bereich KI engagiert sind und bei denen aufgrund dieser Tatsache mit nachhaltigen Aktienkursgewinnen zu rechnen ist. Ein typischer Technologiefonds investiert nur innerhalb des Technologiesektors in KI. Der Allianz Global Artificial Intelligence investiert dagegen in Unternehmen aus allen Sektoren, die von der raschen Entwicklung der KI profitieren bzw. sie nutzen“, erläutert Jacobi. „KI spielt bereits heute auch in anderen Sektoren als dem Technologiesektor eine Rolle. Wenn die Technologie weiter expandiert, dürften auch Unternehmen aus anderen Sektoren zunehmend im Fonds-Portfolio vertreten sein,“ so der AGI-Experte weiter. Denn KI kann potenziell auf Jahrzehnte hinaus in allen industriellen Sektoren – nicht nur im Technologiesektor – der wichtigste Treiber für Innovation und Disruption sein.

Roboter an die Macht?

Für Brice Prunas, Fondsmanager des ODDO BHF Artificial Intelligence, sind folgende Merkmale entscheidend: „Es geht um Maschinen, die aufgrund von KI zu menschlichen kognitiven Leistungen wie Sinneswahrnehmungen (mittels Sensoren), Verarbeitung von Wissen (mittels Deep Learning) und Handeln fähig sind.“ Vereinfacht gesagt: KI ist die Wissenschaft von selbstlernenden Software-Algorithmen, welche Aufgaben übernehmen, die ansonsten in der Regel von Menschen erledigt werden. „Mit der Zeit werden diese Maschinen in der Lage sein, uns mehr Entscheidungen abzunehmen und uns mehr Zeit für anspruchsvollere Denkprozesse zu geben“, sagt Prunas.

KI ist mehr als nur ein paar kluge Algorithmen (Computerbefehle in Form von mathematischen Formeln), die Probleme selbstständig lösen können. KI versetze Systeme vielmehr in die Lage, selbstständig aus Daten zu lernen und sich zu verbessern, ohne explizit programmiert zu sein. Es gehe um einen ganzen Kosmos an Technologien und Maschinen – und damit Investitionsmöglichkeiten – die zusammenwirken. Das beginnt mit der Schnelligkeit der Prozessoren, die exponentiell anwächst. Aber Schnelligkeit ist nicht alles. Es geht um mehr. Zuallererst um Daten. Je mehr Daten, desto besser. Denn Speicherkapazität kostet kaum noch etwas und sie kann über Rechnernetzwerke in der „Cloud“ nach Belieben weltweit zusammengeschaltet werden.

„Je mehr Daten, desto mehr lässt sich an – auch noch so speziellen – Verknüpfungen erstellen. Daten und Rechnerleistung machen Strukturen im Unstrukturierbaren erkennbar“, sagt der ODDO-BHF-Fondsmanager. Wenn nur genügend Daten zur Verfügung stünden, dann würden beispielsweise bei sehr individuell verlaufenden Krankheiten Muster sichtbar, die eine zielgerichtete, speziell angepasste Behandlung ermöglichen. Nicht nur die Diagnose solle damit besser und schneller werden, Algorithmen sollen auch Vorhersagen über Krankheiten treffen. „Der große Unterschied von KI zum menschlichen Gehirn ist dabei: Während Letzteres in seinen Kapazitäten begrenzt ist, können Computerkapazitäten nahezu unbegrenzt ausgebaut werden“, weiß Prunas.




Lesen Sie die vollständige Story in der aktuellen Printausgabe 3/2021!