Inhalt | Print-Ausgabe 03/2017
12.10.2017

Kapital flexibel und steuerfrei vererben

Vermögenswerte in Milliardenhöhe werden in den nächsten Jahren übertragen. Als vorteilhaft erweist sich oftmals der Einsatz von „Sofortrenten“: Der Erblasser behält Mitspracherechte und die Steuerbelastung lässt sich vielfach deutlich verringern. Eine interessante Option stellt die Rentenschenkung dar.

von Kay Schelauske

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Auf rund 400 Milliarden Euro beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) das jährliche Erbvolumen in Deutschland in den kommenden zehn Jahren. Das ist ein beachtlicher Wert. Für viele Bundesbürger steht dieses Thema damit auf der Agenda – und zwar schon zu Lebzeiten. Aus guten Gründen: Erstens soll das Kapital möglichst steuerfrei vererbt bzw. verschenkt werden. Zweitens ist der Kapitaltransfer oftmals mit persönlichen Wünschen an die Erben verbunden, die der sogenannte Erblasser erfüllt wissen will.

In solchen Fällen lohnt es sich, über eine Investmentlösung im Versicherungsmantel nachzudenken, meint Finanzfachwirt Ralf Huber. Das Mitglied der Geschäftsleitung bei der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung (DGFRP) betont: „Den bei Versicherungslösungen gegenüber früheren Jahren geringer gewordenen Renditevorteilen steht ein deutlicher Zuwachs an Flexibilität gegenüber.“ Veranschaulichen lässt sich dies anhand von Praxisfällen wie dem folgenden: Ein 70-jähriger Mann will seinem 45-jährigen Sohn erstens eine Immobilie mit einem Verkehrswert von 400.000 Euro übertragen. Zusätzlich will er ihm einen Kapitalbetrag in Höhe von 100.000 Euro ebenfalls zu Lebzeiten schenken, dabei aber sicherstellen, dass der Sohnemann erst ab einem Alter von 55 Jahren Zugriff auf das Kapital erhält, damit er es für seine eigene Ruhestandsplanung nutzen kann.

Erblasser behält viele Optionen

Angesichts des gleich hohen Freibetrags von 400.000 Euro kann die Immobilie ungeschmälert durch Erbschafts- und Schenkungssteuer übertragen werden. Für den zusätzlichen Kapitalbetrag gilt das jedoch nicht. Denn der Freibetrag ist komplett ausgeschöpft. Bei einer Barschenkung müssten daher 11.000 Euro an den Fiskus abgetreten werden (siehe Tabellen). „Deshalb wäre es sinnvoll, die 100.000 Euro weitere zehn Jahre zu investieren, um danach erneut von dem Freibetrag profitieren zu können“, sagt Johanna Bröcker, Head of Product Development bei Standard Life und verweist auf die eigene Produktneuheit „Weitblick“. Im Rahmen der „Familien-Option“ gelinge dies dadurch, dass der Sohn als zweiter Versicherungsnehmer in den Vertrag integriert wird. Der Vater hat damit sozusagen immer noch seine Hand auf dem Kapital, dass der Sohn nicht gegen seinen Willen Geld entnimmt, erläutert die Produktentwicklerin. Denn beide Versicherungsnehmer müssten zustimmen, wenn auf das Geld zugegriffen werden soll.

Bernhard Rapp, Direktor Marketing und Produktmanagement und stellvertretender Niederlassungsleiter von Canada Life Deutschland, beschreibt die Gestaltungsmöglichkeiten bei der „Garantie Investment Rente“ so: „Der Vater ist zunächst Versicherungsnehmer und der Sohn versicherte Person. Damit hat er die alleinige Kontrolle über den Vertrag. Die Versicherungsnehmereigenschaft kann der Vater dann zu einem späteren Zeitpunkt auf den Sohn übertragen“, bspw. zu dessen 55. Lebensjahr, sodass der Sohn dann Zugriff auf das Kapital erhält. Bei dieser sofort beginnenden oder aufgeschobenen Versicherungslösung erhält der Kunde eine lebenslang garantierte Rente, deren Höhe jährlich überprüft wird und infolgedessen steigen, aber selbst in schlechten Börsenzeiten nicht fallen kann, wie vonseiten des Versicherers betont wird. Drei gemanagte Portfolios mit unterschiedlicher Gewichtung an Renten- und Aktienfonds von Setanta Asset Management, der zur Unternehmensgruppe gehörenden Investmentgesellschaft, stehen als „Ertragsmotoren“ zur Auswahl.

Wie wäre die Situation, wenn der Vater den Kapitalbetrag in Höhe von 100.000 Euro für sich verrenten lassen und in seinem Todesfall seinen Sohn und seine 33-jährige Tochter zu gleichen Teilen absichern wollte? Bröcker verweist auf den zur Verfügung stehenden Auszahlungsplan: „So könnte sich der Kunde die 100.000 Euro als Teilbeträge in regelmäßigen Abständen, z.B. monatlich oder quartalsweise, auszahlen lassen.“ Werden der Sohn und die Tochter als bezugsberechtigte Person benannt, erhalten sie bei Tod des Vaters das verbleibende Kapital in gewünschter Weise ausbezahlt, bestätigt auch Rapp und fügt hinzu: „Die Rentenleistung kann sofort beginnend oder aufgeschoben gewählt werden.“ Das gilt auch für eine Rentenschenkung an die Kinder, was gerade aus steuerlichen Gründen sehr interessant ist.

Vorteilhafte Rentenschenkung

„Als Wert der Versicherung ist dann die Jahresrente mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Vervielfältiger multipliziert anzusetzen. Dieser Wert ist deutlich niedriger als das Kapital, das sich in der Rentenversicherung befindet“, sagt Huber – und stellt den Steuervorteil am gewählten Beispiel dar: Aus der Einmalanlage von 100.000 Euro könnte der Vater seinem Sohn via Rentenpolice ab dem 55. Lebensjahr eine lebenslange monatliche Rente in Höhe von 250 Euro schenken. Steuerlich anzusetzen wäre lediglich ein Kapitalwert von 41.820 Euro, der sich aus der Multiplikation folgender Werte ergibt: 250 (Rentenzahlung) x 12 (Monate) x 13,94 (Vervielfältiger). Da die Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs 75.000 Euro nicht übersteigt, gilt ein Steuersatz von sieben Prozent (statt elf Prozent bei der Schenkung des Gesamtbetrags). So beträgt die steuerliche Belastung 2927 Euro, sodass sich der Vater über einen Steuervorteil von 8073 Euro freuen kann.

Als vorteilhaft erweist sich die steuerliche Situation auch aufseiten des Erben. Denn die Rentenzahlungen sind mit dem so genannten Ertragsanteil zu versteuern und dessen Höhe richtet sich nach dem Alter der versicherten Person bei Rentenbeginn. Mit anderen Worten: Je älter der Rentenempfänger ist, desto geringer fällt der Ertragsanteil aus. Für den Erben erweist sich dies als geldwerter Vorteil, wenn im Zuge der Rentenschenkung die Versicherungsnehmer-Eigenschaft auf ihn übertragen wurde. „Dann wird der günstigere Ertragsanteil vom Vater auf den Sohn mit übertragen“, heißt es in einem Tipp der Condor Versicherung in ihrer kürzlich erschienenen Broschüre zum Thema Ruhestandsplanung. Bei der Kapitalanlage der hauseigenen Sofortrente setzt der Versicherer im Übrigen auf den Deckungsstock.

 

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