Inhalt | Print-Ausgabe 01/2017
31.03.2017

Infrastruktur: Langer Atem ist gefragt

Weltweit ist der Aufholbedarf bei Infrastruktur-Investitionen immens. Schnelles Geld gibt es hier nicht, weder für Unternehmen noch für Anleger. Politik und Rohstoffpreise dürften die Akteure auf manche Geduldsprobe stellen.

von Thomas Müller

Foto: Fotolia.de

Praktisch alle einschlägigen Infrastruktur-Aktienfonds haben schwere Zeiten hinter sich (wir berichteten in der Ausgabe 01/2016). Im Drei-Jahres-Vergleich konnten damals nur wenige Fonds mit einer zweistelligen annualisierten Performance überzeugen. Fast ein Jahr später stellt sich die Situation wieder etwas positiver dar, denn so gut wie alle Fonds, die das Analysehaus Morningstar in dieser Kategorie führt, konnten das Jahr 2016 mit einem Plus abschließen. Dieser Trend reicht von selektiv gemanagten Fonds bis hin zu breiter investierten ETFs. Doch für Aufmerksamkeit sorgte das Thema zuletzt, in erster Linie durch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Dessen Wahlversprechen weckten nicht nur bei der konservativen Wählerschaft Phantasien, sondern auch bei den Fondsgesellschaften. Immerhin kündigte der Rüpel-Milliardär an, die marode Infrastruktur der USA aufzumöbeln und dabei nicht sparen zu wollen. Ein freundlich gesinnter Kongress sollte dabei hilfreich sein und die jahrelange Blockade des politischen Systems beenden.

Dass der Handlungsbedarf langsam dramatisch wird, bestätigt Peter Shapiro, Fondsmanager und US-Spezialist bei der Pariser Fondsgesellschaft Comgest: „Wenn es um Infrastruktur geht, muss man sagen, dass es in den USA schon lange einen Investitionsrückstand gibt. Es gibt Schätzungen, wonach zwei bis drei Billionen US-Dollar fehlen. Das bleibt nicht ohne Folgen, wie man an einstürzenden Autobahnbrücken während der Rush Hour sehen kann. Es wird nicht in den Erhalt der Infrastruktur investiert, hier haben wir ein Problem der politischen Kultur.“ Interessant sei, dass Trump höhere Investitionen in einem republikanisch dominierten Kongress durchbringen will, der bisher jedes zusätzliche Deficit Spending abgelehnt hat. „Auf der anderen Seite war es rückblickend bisher immer die jeweilige Oppositionspartei, die weniger Staatsausgaben gefordert hat. Unter George W. Bush zum Beispiel kann man nicht behaupten, dass der Staatshaushalt sehr sparsam geführt worden wäre“, räumt Shapiro ein. Bei Comgest jedenfalls habe man keine Infrastrukturunternehmen gefunden, die in ihrer Branche hervorstechen und zyklusunabhängig stabile Gewinne liefern können. Sandra Crowl, Portfolio Advisor bei Carmignac, gibt außerdem zu bedenken, dass Infrastrukturprojekte eine sehr lange Vorlaufzeit haben: „Hier geht es oft um mehrere Quartale, bevor der politische Prozess und die Planung abgeschlossen sind. Dementsprechend verzögern sich die Auswirkungen auf die Unternehmen.“

Politische Einflüsse ausschalten

Von politischen Aspekten unbeeinflusst findet die Titelauswahl beim Frankfurter Fondsanbieter Veritas statt. Dessen Fonds Ve-RI Listed Infrastructure wird nach systematischen und regelbasierten Ansätzen gesteuert. „Von daher nehmen wir keine manuellen Eingriffe in der Titelauswahl aufgrund politischer Risiken vor“, sagt Geschäftsführer Dirk Rogowski. „Generell lässt sich jedoch sagen, dass politische Risiken in den entwickelten Märkten, in denen wir ausschließlich investieren, natürlich für Verunsicherungen sorgen und dadurch höhere Volatilitäten zu Stande kommen können.“ Zu 40 Prozent geht daher die Stabilität einer Aktie in den Bewertungsprozess des Fonds ein.

„Denn Werte, die in der Vergangenheit in volatilen Märkten recht stabil waren, werden sich wahrscheinlich auch in Zukunft so verhalten“, sagt Rogowski. Bei den Branchen stehen Energie, Kommunikation, Transport und Wasserversorgung im Vordergrund, nicht berücksichtigt werden Energieproduzenten und soziale Infrastruktur, wie etwa Krankenhäuser. Um überhaupt in Frage zu kommen, muss ein Unternehmen 50 Prozent seines Umsatzes in diesen Kern-Infrastruktursegmenten erwirtschaften. Außerdem wurde ein Ländercap von maximal 30 Prozent eingezogen, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden. In den vergangenen drei Jahren wurde diese Strategie mit einer stabilen Entwicklung belohnt. Dass die meisten Infrastrukturfonds in dieser Zeit gelitten haben, liege hauptsächlich am Verfall des Ölpreises und dem hohen Gewicht der Energieunternehmen in den Indizes und Portfolios, analysiert Rogowski: „Zum Beispiel die Master Limited Partnerships aus den USA, die etwa Fracking-Betreiber sind, haben in dieser Zeit teilweise 70 bis 80 Prozent ihres Unternehmenswertes verloren. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir mit unserem Fonds hier grundsätzlich nicht investieren, sodass wir von dem starken Preisverfall verschont geblieben sind.“ Kritikwürdig findet er, dass die Fonds oder ETFs der Mitbewerber teilweise geschlossen wurden, um den negativen Track Record nicht fortführen zu müssen und dann gleich wieder neu aufgelegt wurden.

Durchhalten zahlt sich aus

 

Riskanter sind da schon die Fonds, die einen regionalen Fokus haben, vor allem, wenn es um Asien und die Schwellenländer geht. Der S&P Emerging Markets Infrastructure Index entwickelte sich in drei Jahren nur schwach positiv. Dabei gibt es aber regional auch unterschiedliche Trends. Während der ESPA Stock Asia Infrastructure der Erste Asset Management auch längerfristig nur schwache einstellige Performances erreichte, konnte sich der Indien-Fonds von Amundi bei der Drei-Jahres-Performance an die Spitze der Tabelle setzen.

 

 

Infrastrukturfonds nach Wertentwicklung auf Drei-Jahres-Basis

 

Quelle: Morningstar, Stichtag: 31.12.2016

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