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19.12.2019

In grĂĽner Mission

Der voranschreitende Klimawandel erfordert dringend Lösungen – und reichlich Finanzierung. Entsprechend wächst auch der Markt für Green Bonds, bei denen der Erlös rein für Umweltprojekte verwendet wird. Worauf es bei einem solchen Investment ankommt, erklären Top-Fondsmanager.

von Raja Korinek

Wenn man sich Bilder der jüngsten Buschbrände in Australien oder der lodernden Waldbrände im Amazonas vor Augen hält, wird eines schnell klar: Es ist buchstäblich Feuer am Dach. Die Erdkugel heizt sich zunehmend auf, Maßnahmen gegen den Klimawandel sind dringend gefragt. Und deshalb wurde auch am 12. Dezember 2015 das Pariser Klimaabkommen von der internationalen Staatengemeinschaft unterzeichnet. Demzufolge soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. In der EU bedeutet dies eine Senkung der Treibhausgasemissionen von 40 Prozent bis 2030. Doch die Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaft – etwa den Umstieg auf erneuerbare Energien – kostet viel Geld. In Brüssel hat man eine Investitionslücke von rund 180 Milliarden Euro pro Jahr für die EU berechnet, die nicht nur von der öffentlichen Hand geschlossen werden soll. Auch Investorengelder sollen eingebunden werden. Wie man das am besten umsetzen kann, das wird seit März 2018 im Rahmen des EU-Aktionsplans „Sustainable Finance“ intensiv erarbeitet. Und dazu zählt auch die Entwicklung eines EU Klassifikationssystems (Taxonomie), bei dem erstmals einheitlich definiert werden soll, was eigentlich unter „nachhaltigen Investments“ zu verstehen ist. Darauf aufbauend wird auch ein EU-Green-Bond-Standard festgelegt. An die darin enthaltenen fixen Vorgaben müssen sich dann alle Emittenten grüner Anleihen halten.

Green Bonds im Fokus

Dabei sind Green Bonds noch eine relativ junge Form der Finanzierung. „Es handelt sich um Anleihen, die ökologische Projekte mit Klimarelevanz direkt finanzieren“, erklärt Christian Zuma, Fondsmanager des Raiffeisen-GreenBonds. Dabei ist das Marktwachstum durchaus beachtlich. Allein in diesem Jahr dürfte das Emissionsvolumen laut „Climate Bond Initiative“ gut 250 Milliarden Dollar erreichen. Und das wäre ein Plus von rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bram Bos, leitender Portfoliomanager für Green Bonds bei NNIP verweist dazu auch auf einen klaren Trend: Vor allem Finanz- und Versorgerfirmen zählen zu den Emittenten im Unternehmensbereich. „In diesem Jahr kamen zahlreiche Emittenten aus dem Telekom- und Versicherungssektor hinzu“. Damit finanzieren etwa Telekomgesellschaften den Ausbau von Glasfaserleitungen, die wesentlich energieeffizienter sind als Kupferkabeln.

Doch auch zahlreiche Staaten zapfen den Markt längst an, wobei die regionale Aufteilung durchaus breit gestreut ist. Sie reicht von Frankreich, hinzu Polen und selbst China. Im Frühjahr 2019 wagten die Niederlande nunmehr den Schritt, im kommenden Jahr könnte Deutschland, aber auch Schweden folgen. Und weil derzeit noch fixe Standards fehlen, orientieren sich die Emittenten meist an die freiwilligen Green Bond Principles. Tun sie dies nämlich nicht, kommen die Bonds für nachhaltige Investoren erst gar nicht in Frage. Denn die Principles haben strenge Vorgaben: So muss ein Emittent nachweisen, wie der Erlös für grüne Zwecke eingesetzt wird, wie die Umweltprojekte ausgewählt werden, aber auch wie effektiv die Investitionen hinsichtlich der CO2-Reduktion sind. Auch wird bei den Principles die Einholung einer Second-Party-Opinion für die Bewertung von Projekten empfohlen, womit sie von externen Prüfern zusätzlich überprüft werden. Solche Zweitmeinungen werden unter anderem von Nachhaltigkeitsagenturen wie Sustainalytics erstellt – und von Investoren für den Kauf von Green Bonds ebenso vorausgesetzt.

Angebot an Fonds wächst

Und dazu zählen längst auch zahlreiche Green-Bonds-Fonds. Freilich, dabei achten die Fondsmanager nicht nur darauf, dass Emittenten sich an die Vorgaben der Green Bond Principles halten. Darüber hinaus werden Emittenten in der Regel auch nach einem Ausschlussverfahren überprüft, und Unternehmen mit schwerwiegenden bzw. strukturellen Problemen in Umweltfragen ausgeschlossen. Einer, der schon seit Jahren grüne Anleihen sorgfältig selektiert, ist der Raiffeisen-GreenBonds, der 2015 lanciert wurde. Selektiert werden Green Bonds sowohl von Unternehmen als auch von der öffentlichen Hand. Gut 40 Prozent des Fondsvolumens entfallen immerhin auf staatsnahe bzw. supranationale Emittenten. Und sie setzen allesamt den Erlös für die unterschiedlichsten „grünen“ Zwecke ein. So werden etwa Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz sowie die Schadstoffbekämpfung finanziert, verweist Fondsmanager Zuma auf die Mittelverwendung. Auch die Wasserversorgung zählt dazu. Derzeit ist der Fonds zum Beispiel in den Green Bond der Verbund investiert, mit dem das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug aufgewertet wird.

Euro Emissionen begehrt

Überhaupt ist der Anteil an Euro-Emissionen - mit gut 90 Prozent in diesem Fall - auffällig hoch. Und zwar nicht nur im Raiffeisen-Fonds, sondern auch bei den Mitwerbern. Im Eurizon Absolute Green Bond, der Anfang 2018 lanciert wurde, liegt dieser sogar bei mehr als 98 Prozent, wobei mehr als die Hälfte der Emittenten tatsächlich aus Europa kommen, der Rest aus verschiedenen Regionen, etwa aus Asien und den USA. Der Grund für die hohe Eurogewichtung? Der liegt nicht nur in der sehr hohen Nachfrage nach ökologischen Investments von europäischen Anlegern, die damit kein Währungsrisiko eingehen. „Auch die Politik in Brüssel sorgt für wichtigen Rückenwind“, erklärt Ko-Fondsmanager Matteo Merlin. Dass die Einstellung in den USA ein wenig anders aussieht, verdeutlichte jüngst der Rückzug der US-Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen. Obendrein werden im Eurizon-Fonds kurzfristige Strategien mit Derivaten umgesetzt, mit denen zum Beispiel zwischenzeitlich auf fallende Bondkurse gesetzt wird. Chancen für ein wenig Mehrwert können aber auch im High-Yield-Segment genutzt werden. Darin kann der Fonds bis zu einem Viertel des Vermögens investieren.

Atomstrom im Fokus

Doch wie geht Merlin konkret vor? Ein Beispiel ist Ørsted, ein großer Player im Bereich der Offshore-Windenergie aus Dänemark. Tatsächlich macht der Energiesektor gut 42 Prozent des Fondsvermögens aus. Auch ein Green Bond der SNCF, der französischen Bahn, zählt zu seinen Investments. „Mit dem Ausbau der Bahn kann der Transport zunehmend auf die Schiene verlagert werden“, sagt Merlin. Er wiegelt den Einsatz von Atomstrom vorsichtig ab, dessen Herstellung in Frankreich ein wichtiger Teil des gesamten Energie-Mixes ist. „Die Atomkraftwerke kann man nicht über Nacht abdrehen“. Dazu gebe es derzeit zu wenig Alternativen. Einzig, auch anderswo ist die Atomkraft durchaus ein Thema, etwa für Arnaud-Gilhelm Lamy, Fondsmanager des BNP Paribas Green Bond Fund. Mit knapp mehr als sechs Prozent ist die größte Fondsposition in einem Green Bond des französischen Staates investiert. „In diesem Fall sind atomare Projekte ausgeschlossen“, verweist Lamy auf die klaren Regeln zur Mittelverwendung. Der Staatsbond, der 2017 emittiert wurde, umfasste ein Volumen von sieben Milliarden Euro – und war die jemals größte Green-Bond-Emission.

Doch auch bei Unternehmensanleihen wird man in Frankreich fündig, etwa bei La Poste. Was daran gefällt? So verfügt die französische Post über eine der weltweit ersten Flotten an Elektro-Fahrzeugen. Damit setze das Unternehmen auf einen umweltfreundlicheren Transport. Zahlreiche Bankanleihen, etwa von der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie der European Investment Bank, zählen ebenso zu den größten Fondspositionen.

Schwellenländer ziehen nach

Und wie sieht es mit den Emerging Markets aus? Bros, der auch ko-leitender Portfoliomanager des NN(L)Green Bond Fund ist, verweist auf die aktuellen Entwicklungen: „Die Schwellenländer waren schon immer auf unserem Radar“. Das Potential sei groß, allerdings achte man in diesen Regionen besonders genau auf die Mittelverwendung. Immerhin hat der Fonds eine kleine Position in einer grünen Emission der Asian Development Bank. Der Green Bond wurde 2018 emittiert, und war der erste der Asian Development Bank dieser Art mit einem Volumen von 600 Millionen Euro. Mit den Geldern werden grüne Projekte in den Mitgliedsländern aus den Emerging Markets finanziert, die zur Senkung der Treibhausgase beitragen.

Auch anderswo sind Schwellenländer im Fokus. Im AXA WF Global Green Bonds machen Green Bonds aus China etwas mehr als fünf Prozent des Fondsvermögens aus. Zu den größten Fondspositionen zählt obendrein der Green Bond der Perusahaan Penerbit SBSN Indonesia, der Finanzierungsarm des Staates. Mit den Geldern werden klimafreundliche Projekte in Indonesien unterstützt, und das in unterschiedlichen Sektoren, etwa im Agrar-, Energie- oder auch im Gesundheitsbereich. Doch auch beim NNIP-Fonds sowie beim Axa-Fonds zählen staatliche Green Bonds aus Frankreich und Belgien zu den größten Fondspositionen. Obendrein verweist Axa-Fondsmanager Johann Plé auf den Impact-Bericht, der jährlich veröffentlicht wird. „Damit wird Transparenz gewährleistet“. Denn in dem Bericht wird der Umweltbeitrag des Portfolios festgehalten. Zahlreiche Leistungskennzahlen zeigen zum Beispiel auf, wie viel CO2-Ausstoß anhand einzelner Projekte vermieden, oder wie viel an erneuerbare Energie produziert wurde.

Berichte dürfen nicht fehlen

Doch auch die jährlichen Nachhaltigkeitsberichte der Green-Bond-Emittenten stehen im Fokus der Fondsmanager. Lamy von der BNP Paribas AM meint: „Ein Jahr nach Auflage des Bonds schauen wir uns den Impact-Report genau an“. Dabei müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden, etwa, ob das Projekt seine Ziele erreicht hat, die Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden oder das Geld dorthin geflossen ist, wo es hinfließen soll. Und welche Risiken gibt es eigentlich bei Green Bonds? Zu den marktüblichen Punkten zählen etwa das Emittenten- oder das Zinsrisiko. Auch in diesem Segment sind in den vergangenen Jahren die Kurse gestiegen, die Renditen damit gesunken. Grund sind die laufenden Zinssenkungen, die vor allem in der Eurozone für ein ultratiefes Zinsumfeld sorgen. Im Schnitt betragen die Renditen der Green Bonds in den Fonds derzeit nicht einmal ein Prozent. Doch dafür trage man ein Stück mehr zu einer nachhaltigeren Welt bei, zeigen die Experten auf. Damit sinken langfristig die Kosten aus Umweltrisiken.

Doch Lamy mahnt auch: „Anleger sollten zudem bei Green Bonds nicht auf einen Etikettenschwindel hereinfallen“. Gemeint ist das „Greenwashing“, bei dem der Emittent nicht wirklich dem Klimawandel entgegenwirkt. Ein solches Beispiel wäre etwa die Verwendung der Gelder durch eine Ölgesellschaft zur Effizienzsteigerung einer bestehenden Raffinerie – anstatt erneuerbare Energien auszubauen. Man müsse sich die Anleihe eben gründlich ansehen, mahnt Lamy. So könne man verstehen, was tatsächlich finanziert werde.