Inhalt | Print-Ausgabe 01/2018
06.04.2018

Elektromobilität: Impulse und Fallstricke für "grüne" Anleger

Chinesen, Amerikaner und Japaner geben klimafreundlich kräftig Gas. Für nachhaltige Aktienfonds spielt das urgrüne Thema zumeist noch keine große Rolle. Energieversorger und Autohersteller fallen häufig durch den "grünen" Rost.

von Kay Schelauske

Foto: Fotolia

Elektromobilität gehört die Zukunft. Mit 1,2 Millionen Elektroautos gab es in 2017 global gesehen so viele Neuzulassungen wie noch nie. Damit waren Anfang dieses Jahres weltweit 3,2 Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 57 Prozent. Schon ein kurzer Blick auf die einzelnen Wachstumsmärkte zeigt, wo hier Gas gegeben wird: in China mit 1,2 Millionen und den USA mit 750.000 Elektroautos. Deutschland liegt mit knapp 93.000 Fahrzeugen weiterhin nur auf Platz 8 (siehe Grafik nächste Seite). „Bleiben die Wachstumsraten annähernd auf diesem Niveau, wird die Zahl der jährlich zugelassenen Elektrofahrzeuge 2025 bei mehr als 25 Millionen liegen“, sagt Prof. Werner Tillmetz, Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), das die Ergebnisse vor wenigen Wochen veröffentlichte. Nach Einschätzung von Tillmetz würde diese Prognose der Ankündigung vieler Autohersteller entsprechen, in nur sieben Jahren ein Viertel ihrer Produktion auf E-Fahrzeuge umgestellt zu haben.

Fakt ist auch: Der Anteil von Elektrofahrzeugen am gesamten Automarkt ist mit rund vier Prozent noch klein. Laut Statista wurden 2017 weltweit rund 79 Millionen Pkw neu zugelassen. Wie lange könnte es also dauern, bis Elektroautos nicht nur höhere Marktanteile erreichen, sondern die Fahrzeuge mit klimaschädlichen Verbrennungsmotoren gänzlich verdrängen?

Die European Climate Foundation in Brüssel hat sich diesen Prozess für den deutschen Markt angeschaut. Die Berechnungen basieren auf einem „zentralen Technologie-Szenario“, das als plausibel und erreichbar angesehen wird. Demnach verfügt erst in 17 Jahren fast jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug über einen Elektroantrieb. Bis Anfang der 40er-Jahre könnte es demnach weiter dauern, bis immerhin jede zweite Neuzulassung ein E-Fahrzeug ist. Dies verwundert zunächst. Begründet liegt es vor allem darin, dass auch der Anteil von Fahrzeugen, die mit Brennstoffzellen angetrieben werden, zwar langsamer, aber ebenfalls stetig steigt und im Jahr 2050 ein Niveau von 25 Prozent erreichen wird (siehe Grafik). Erst dann verschwinden Autos mit Verbrennungsmotoren quasi aus den Modellpaletten der Autohersteller. Gleichwohl, sie werden auch danach noch lange zum Straßenbild gehören. Der Technologiemix verändert sich im Gesamtmarkt „nur relativ langsam“. „Das Durchschnittsalter von Fahrzeugen auf der Straße liegt heute bei neun Jahren“, schreiben die Studienverfasser. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind aber schon jetzt global gesehen etwas über eine Milliarde Pkw auf den Straßen.



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Vor diesem Hintergrund fragte FONDS exklusiv beim Fondsmanagement bekannter nachhaltiger Aktienfonds nach, wie sie dieses durch und durch grüne Thema aus Anlegersicht beurteilen und für eigene Investments nutzen. „Langfristig stehen derzeit nach vielen Jahren der Unsicherheit hinsichtlich verschiedener Antriebssysteme wie Gas, Hybrid und Wasserstoff alle Zeichen auf Elektromobilität“, sagt Florian Hauer, Manager des Kepler Öko Energien Fonds und Kepler Ethik Aktienfonds. Für den Fondsmanager hängt viel davon ab, wie das Problem begrenzter Reichweiten gelöst wird und der Ausbau der Ladeinfrastruktur vorankommt.

Auch für Wolfgang Pinner ist Elektromobilität die präferierte alternative Antriebstechnologie. Nach Einschätzung des Leiters „Nachhaltige Investments bei der Raiffeisen KAG“ ist die neue Technologie in vielen Ländern noch nicht beim Endkunden angekommen. „Kurzfristig sind wir daher abwartend, mittel- bis langfristig werden die weitere politische Gangart, im Hinblick auf gesetzliche Regelungen und Förderungen sowie der technische Fortschritt vor allem bei der Batteriekapazität eine wichtige Rolle für die Wachstumsaussichten spielen“, sagt Pinner. Lediglich 2,5 Prozent der globalen Aktienstrategie investiert der Fondsanbieter derzeit in den Bereich Elektromobilität. Für Christian Zimmerman, Fondsmanager des Global Ecology von Amundi Asset Management führt an Elektromobilität ebenfalls kein Weg vorbei. Aber: „Wie schnell die Marktpenetration vonstatten gehen wird, ist einzig und allein abhängig von der weiteren Kostendegression vor allem im Bereich der Batterien.“ Bei Nordea Asset Management sieht man das ähnlich, rechnet aber mit „signifikanten Innovationsschüben in der Wertschöpfungskette von Batterien“.

Schlüsselfaktor Batterien

Für nachhaltig ausgerichtete Anleger ist die Batteriefertigung noch aus weiteren Gründen ein Schlüsselfaktor. Kann bei der Gewinnung von Rohstoffen wie Lithium und Kobalt sowie beim Einsatz von Lösemitteln bei ihrer Herstellung sichergestellt werden, dass grundlegende Menschen- und Arbeitsrechte auf Basis der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen eingehalten werden? Kepler und Amundi verweisen auf entsprechende Ausschlusskriterien, wobei Amundi in Minenproduzenten bzw. Grundstoffhersteller nicht investiert ist. Kepler greift auf die Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsagentur oekom research zurück. Nicht geduldet wird, wenn die Normen nachweislich oder mutmaßlich in erheblichem Maße missachtet werden, wie vonseiten des Fondsanbieters betont wird. Die Fondsgesellschaft Ökoworld hält in ihrem nachhaltigen Aktienfonds Ökovision Classic eine geringfügige Position in Samsung SDI. Der südkoreanische Hersteller von Bildschirmen und Batterien ist gefordert, die Standards auf der Basis des Liefer-Verhaltenscodex „Supplier Code of Conduct 2017“ zu erfüllen. Der Fondsanbieter beschäftigt eigene Nachhaltigkeitsanalysten und wird bei seinem Flaggschiff-Fonds zusätzlich von einem unabhängigen Expertengremium beraten. Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Stromspeicherung und der Ausbau der Netz- und Ladeinfrastruktur. Wie kritisch die Situation werden kann, lässt eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman erahnen: Demnach drohen ab einer Elektroauto- Quote von 30 Prozent Engpässe bei der Stromversorgung. „Unter den derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen könnte in deutschen Elektromobilität-„Hotspots“ bereits in fünf bis zehn Jahren regelmäßig der Strom ausfallen. Bei einer Ortsnetzgröße von 120 Haushalten reichen bereits 36 Elektroautos aus, um das Netz zu überlasten“, schreiben die Autoren und betonen: „Ohne vorbeugende Maßnahmen ist damit ab 2032 flächendeckend in Deutschland zu rechnen.“ Einen Ausweg sehen die Studienautoren in der Nutzung flexibler Lademöglichkeiten.

 

 

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