Inhalt | Print-Ausgabe 03/2019
02.10.2019

Durch messbaren Impact globale Ziele erreichen und profitieren

Impact-Investing liegt im Trend: Die Nachhaltigkeits-Fonds investieren in Unternehmen, deren Aktivitäten eine große Wirkung auf das Erreichen der Sustainable Development Goals (SDGs) haben. Anlegern schafft dies mehr Transparenz und mittelfristig Ertragschancen.

von Kay Schelauske

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Mehr als 60 Prozent der professionellen Investoren in Europa sind davon überzeugt, dass die Anlageentscheidungen, die sie heute treffen, eine spürbare positive Wirkung auf die Umwelt und die Gesellschaft im Sinne einer verantwortungsvolleren Anlage haben können. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich in mehreren europäischen Ländern durchgeführte Umfrage von NN Investment Partners (IP). Gleichzeitig gibt knapp die Hälfte der befragten Investoren jedoch zu bedenken, dass ihnen ihre professionellen Entscheidungsparameter nicht genügend Spielraum lassen, um beruflich so zu investieren, wie es ihrem persönlichen Verständnis von verantwortungsbewusstem Investieren entspricht. Nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) steht bei nachhaltigen Investments einerseits die finanzielle Wirkung im Mittelpunkt, also die Frage, wie sich nachhaltige Anlagestrategien auf Anlageerfolg bzw. Anlagerisiken auswirken. Andererseits werden mit der Kapitalanlage strategiekonform nachhaltige Aktivitäten der Unternehmen gefördert bzw. den gewählten Kriterien zuwiderlaufende Handlungen missbilligt. „Viele Zeichen sprechen dafür, dass sich der Markt für verantwortliche Investments und Nachhaltige Geldanlagen aufgrund der geplanten Regulierung der Europäischen Union in den nächsten Jahren quantitativ wie qualitativ neu formieren und inhaltlich stark weiterentwickeln wird“, schreiben die Autoren in ihrem jüngsten Marktbericht für den deutschsprachigen Raum. Künftig wird es daher eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, unternehmerische Aktivitäten danach zu bewerten, inwieweit sie messbar dazu beitragen, definierte Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele (ESG) zu erreichen.

Der Begriff Wirkung oder aus dem Englischen Impact, ist nach FNG-Angaben nicht eindeutig definiert und damit nur schwer kategorisierbar. Der Blick auf den Einsatz unterschiedlicher Anlagestrategien zeigt, dass Impact Investment bisher nur eine untergeordnete Rolle spielt. Allerdings zeigt der Trend klar nach oben, mit einem Plus von 149 Prozent besonders in Deutschland. Die größte Rolle spielen derzeit Ausschlusskriterien, die Integration von ESG-Kriterien und normenbasiertes Screening. Allerdings gehen die Autoren davon aus, dass die Abgrenzung der verschiedenen Anlagestrategien absehbar an Bedeutung verlieren wird. Den Grund liefert bereits die Praxis: Bei nachhaltigen Geldanlagen wird die Integration von ESG-Zielen zusehends durch die Kombination zweier oder mehrerer Strategien erreicht. Dies zeigt sich auch im jüngst stark wachsenden Feld sogenannter Impact-Investing-Fonds. Deren Manager investieren auf Basis mehrerer Nachhaltigkeitsstrategien in unterschiedlichen Assetklassen und Anlagebereichen, um einen messbaren Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, kurz SDGs, zu erzielen. Das sind die 17 globale Ziele, auf die sich die internationale Staatengemeinschaft im Rahmen der Agenda 2030 verständigt hat.

„Wir wollen den sozialen und umweltbezogenen Beitrag der Portfoliotitel messen und die Unternehmen dabei unterstützen, einen wachsenden Impact zu erzielen“, beschreibt das dreiköpfige Portfoliomanagement die Zielsetzung ihres NN (L) Global Equity Impact Opportunities. Der globale Aktienfonds wurde bereits 2006 aufgelegt, die Impact-Strategie aber erst im April 2017 voll implementiert. Das konzentrierte Portfolio von rund 50 Titeln verteilt sich auf die drei Themen Menschen, Planet und Wohlstand, denen wiederum Zielbereiche mit Bezug auf die SDGs zugeordnet sind. Ein Beispiel: Beim Thema Planet geht es um die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und die Reduzierung von Müll und Wasserverbrauch. Die Ziele werden durch die SDGs 6,7,11 und 12 abgebildet und durch die Einsparung von 23.423 Tonnen Abfall und von 145.427 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen im Verhältnis zum MSCI AC World Index unterstützt. Laut NNIP entspricht dabei die CO2-Einsparung dem CO2-Fußabdruck von knapp 6.500 Haushalten, die Müllvermeidung dem entsprechenden Fußabdruck von 22.415 Haushalten.

Das Fondsvermögen des NN (L) Global Equity Impact Opportunities ist sehr breit in Branchen und Regionen investiert, der Anteil an Emerging Markets liegt dabei unter fünf Prozent. Zu den Top-Ten-Positionen zählt zum Beispiel Bakkafrost. Der auf den Färöer-Inseln ansässige Lachsproduzent kontrolliert seine gesamte Wertschöpfungskette und schafft eine komplette Recyclingfähigkeit entlang des Produktionsprozesses. Zudem erreicht der Betrieb drei SDGs: die Produktion von proteinreichen Nahrungsmitteln (SDG 2), die Verringerung von CO2-Emissionen gegenüber Fleischproduzenten (SDG 7) und die Förderung eines nachhaltigen Wachstums der Region (SDG 8).

Triodos Investment hat seine nachhaltige Anlagestrategie auf einen Impact-Ansatz erweitert: Bislang richtete sich die Titelauswahl nach strengen Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen. „Wir halten dies nach wie vor für wichtig, setzen nun jedoch mit der Frage an, inwieweit ein Unternehmen aktiv mitwirkt, die Zukunft nachhaltig zu gestalten“, sagt Hans Stegemann, Head of Research and Investment Strategy bei dem Fondsanbieter (siehe Interview Seite 34). Für die Messung der Wirkungen werden externe Daten zum Fußabdruck in den Bereichen CO2-Emissionen, Abfall und Wasser eingesetzt. Auch hier geht es um den Beitrag, den die Portfoliotitel relativ zur jeweiligen Benchmark zur Erreichung der SDGs leisten. Der wichtigste Impact steckt aber nach Einschätzung des Fondsanbieters in den Unternehmensstorys und den Ergebnissen, die man durch aktives und langfristiges Engagement als Aktionär erzielt.

 

Tabelle: Nachhaltige Strategien im Vergleich


„Wir glauben, dass der Finanzsektor eine wichtige Funktion bei der Bewältigung der großen sozialen und ökologischen Herausforderungen der Welt hat – und Impact Investing kann in dieser Hinsicht als Katalysator für umwälzende Veränderungen wirken“, sagt J. W. Olsen, Fondsmanager des M&G (Lux) Positive Impact Fund (siehe Interview auf Seite 33). Nach seiner Einschätzung können die Ziele der SDGs bis 2030 ohne den Beitrag von privatem Kapital niemals erreicht werden. Der globale Aktienfonds wurde Ende November vergangenen Jahres aufgelegt und hält ebenfalls ein konzentriertes Portfolio aus zumeist weniger als 40 Unternehmen. Am Beispiel des „Pioniers“ Alk Abello, einem Titel der aktuellen TopTen, zeigt sich, wie das Fondsmanagement Impact-Investing interpretiert.

Nach M&G-Angaben ist die Gesellschaft weltweit führend in der Behandlung von Allergien im Zusammenhang mit Gras-, Baum- und Hausstaubmilben und gilt als Vorreiter bei der Immuntherapie in Tablettenform. Da Hausstaubmilbenallergien zunehmend mit der Verbreitung von Asthma bei Kindern in Verbindung gebracht werden, könnten die Therapien den 6,5 Millionen betroffenen Kindern helfen. „Dies ist ein hervorragendes Beispiel für ein Unternehmen, bei dem die Stärke des Geschäftsmodells mit dem Ausmaß und der Reichweite seiner Wirkung in Einklang steht“, betont Olsen. Alle Einnahmen von ALK-Abello stammen aus der Allergiebehandlung, sodass das Unternehmen direkt zum Ziel des SDG 3 beitrage.

Am Beispiel des RobecoSAM Global Gender Equality Impact Equities zeigt sich, dass Impact-Investing auch ein ganzes Stück weit fokussierter umgesetzt werden kann, hier vor allem zur Erreichung der SDGs 4 und 5. Gleichzeitig sei die Geschlechtergleichstellung ein erfolgskritischer Faktor. Nach Angaben des Fondsanbieters haben Studien bspw. gezeigt, dass Unternehmen, die über längere Zeit drei Frauen im Vorstand haben, bei zentralen Finanzkennzahlen besser abschneiden als solche mit ausschließlich männlich besetzten Führungsgremien. Gemessen wird die erreichte Gleichstellung an Kriterien wie Vielfalt und Nominierungsprozess der Vorstandsbesetzung, Management und Bindung vor allem weiblicher Talente und eine gleichberechtigte Vergütung. „Erfüllen müssen Firmen somit eine hohe Leistung bezüglich bestimmter Geschlechtergleichstellungskriterien, und dies im gesamten Unternehmen“, sagt Fondsmanagerin Junwei Hafner-Cai und fügt hinzu: „Es geht also um weit mehr als nur die Anzahl der Frauen auf Vorstands- oder Aufsichtsratsebene. “