Inhalt | Print-Ausgabe 02/2017
29.06.2017

Die Zinsfalle umgehen

Noch immer scheuen Privatanleger vor dem Gedanken zurück, sich vom althergebrachten Sparbuch zu verabschieden. Dabei macht eine Geldanlage in festverzinsliche Investments in Zeiten wie der aktuellen Niedrigzinsphase kaum noch Sinn. Hier bieten Dividendenfonds eine attraktive Option.

von Wolfgang Regner

Foto: fotolia

Studien haben mehrmals gezeigt, dass ein wesentlicher Teil der Aktienperformance auf die Dividendenausschüttungen zurückgeführt werden kann. Allianz Global Investors hat im historischen Rückblick die Zeitspanne von 1970 bis 2015 unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: In den vergangenen 45 Jahren brachten europäische Aktien einen durchschnittlichen Jahresgewinn von 9,9 Prozent (Kursgewinne+Dividenden). Im Detail sorgten Kursgewinne für ein Plus von 6,02 Prozent pro Jahr und die Dividenden für eine Zusatzrendite von 3,88 Prozent. Die Dividenden, die oft von Anlegern unterschätzt werden, sind also ein wichtiger Baustein und für rund 40 Prozent des Gesamtgewinns verantwortlich. Dividendentitel sollten daher gerade in risikoreichen Zeiten einen größeren Stellenwert im Aktiendepot einnehmen als spekulativere Wachstumswerte ohne Ausschüttung.

JPM Global Income Fund

JPMorgan Asset Management schätzt Dividenden-Strategien nach wie vor als attraktiv ein. Michael Schoenhaut, Fondsmanager für Income-Strategien (Income = Dividenden und Anleihekupons) bei JPM, hat das Aktienengagement im Portfolio des Income-Klassikers JPMorgan Global Income Fund vor allem über Positionen in den globalen Industrieländern aufgestockt. „Die Märkte entwickelten sich in diesem Jahr aufgrund der besseren globalen Wirtschaftstrends, die weiter auf eine Beschleunigung des weltweiten Wachstums hindeuten, bislang sehr erfreulich. Auch sind die Erwartungen für Unternehmensgewinne gestiegen, die nach einer längeren Stagnationsphase nun weltweit wieder gleichmäßig wachsen sollten“, findet Schoenhaut. Die aktuelle Quartalsausschüttung des Global Income Fund zeigt sich mit 1,73 Euro pro Anteil wie gewohnt stabil. Dies entspricht einer annualisierten Ausschüttungsrendite von 4,93 Prozent. „Kern unserer Investmentphilosophie ist, stabile und verlässliche Erträge zu liefern und nicht die höchste laufende Rendite erzielen zu wollen“, betont Schoenhaut. „Dies könnte nämlich zur Folge haben, dass Renditen zu Lasten des Risiko-Managements erzielt werden. Vielmehr wollen wir die attraktivsten und am günstigsten bewerteten Ertragsquellen finden und diese im Portfolio diversifizieren.“

Eine große Sorge vieler Anleger ist die Zinswende in den USA. Auch in Europa wird schon darüber diskutiert. Schoenhaut betont, dass außerhalb der Notenbankpolitik die strukturellen Ursachen niedriger Renditen – geringe Produktivität, niedrige Zunahme der Erwerbsbevölkerung und eine schwache demografische Entwicklung – nach wie vor bestehen. Aus diesem Grund sei kurz- bis mittelfristig ein signifikanter Anstieg der Renditen unwahr-scheinlich. In der Vergangenheit waren Zinserhöhungen für den Aktienmarkt kein Problem, solange diese von einem niedrigen Niveau ausgegangen sind. Das ist auch jetzt der Fall und ein kräftiges Anziehen der kurzfristigen Zinsen unwahrscheinlich. Das muss jedoch nicht für die längerfristigen Anleihezinsen gelten. Steigen hier die Renditen, sind Anleger mit Kursverlusten konfrontiert.

BGF European Equity Income

Matt Williams, Produktstratege für europäische Aktien bei BlackRock, sagt über seinen Anlagestil: „Das höchste Gewicht legen wir auf die Verlässlichkeit der Dividendenzahlungen. Unsere Selektionskriterien sind jedoch flexibel genug, um uns die Teilnahme an einem Turnaround-Prozess eines Unternehmens zu ermöglichen. Wenn die Bilanzen wieder in Ordnung sind und die Aussichten auf eine wieder deutlich steigende Dividende besteht, investieren wir auch in solch zyklische Situationen. Die wichtigsten Auswahlkriterien sind: Hohe und nachhaltige Dividenden, erstklassiger Dividenden-Track Record, Qualität, dabei dennoch unterbewertet, starke Wettbewerbs-position, starke Finanzdisziplin sowie stabile und möglichst hohe wiederkehrende Gewinne. Dabei balancieren wir die Höhe der Dividenden und die Aussichten für Dividendenwachstum innerhalb des Portfolios aus.“

Beide Unternehmensmerkmale sind im Fonds vertreten. Diese Balance hängt unter anderem von der Marktstruktur, dem Angebot an fehlerhaft gepreisten Dividenden bei Qualitätsunternehmen, Zinserwartungen und den Bewertungen ab. Dieses Verhältnis ist flexibel. Wenn Qualitätsaktien mit hoher Dividende zu teuer sind, investieren wir mehr in Dividenden-Wachstumsunternehmen“, sagt Williams. Derzeit bieten 69 Prozent der Fondsassets eine überdurchschnittliche Dividende, in Sektoren wie Versicherungen, Telekom, Versorger und Infrastruktur. Hier findet er immer wieder Unternehmen mit starken Verzinsungen auf ihren freien Cashflow. 31 Prozent generieren eine unterdurchschnittliche Dividende, haben aber das Potenzial für starkes Dividendenwachstum, wie in den Bereichen Business Services, bei Unternehmen mit einzigartigen Growth-Geschäftsmodellen sowie Profiteuren einer starken Forschung.

„Seit Fondsauflegung im Jahr 2010 hatten wir erst einen Fall einer Dividendenkürzung. Bei sehr hohen Dividenden werden wir vorsichtig. Sie könnten auf operative Probleme eines Unternehmens hindeuten. Im Fokus der fundamentalen Analyse steht daher der freie Cashflow. Denn daraus müssen die Ausschüttungen ja bezahlt werden. Aus dem gleichen Grund meiden wir Unternehmen mit hoher Verschuldung. Die Bilanzanalyse spielt daher eine wichtige Rolle. Die Expertise in der Prognose der zukünftigen Dividenden ist wichtig, denn hier existieren immer wieder Ineffizienzen im Markt, die wir ausnützen wollen. Wir haben durch richtige Prognosen immer wieder erhebliches Alpha generiert, vor allem im Bereich der Market Cap von zwei bis 20 Milliarden Euro“, erklärt Williams. Das System der Risikokontrolle hat dazu geführt, dass er nur zwei Banken im Portfolio hat. Manche Experten bezeichnen Aktien mit hoher Dividende als den „neuen Zins“. „Doch weisen Aktien gegenüber Bonds andere Charakteristiken auf: Bonds können ihren Kupon nicht erhöhen, Unternehmen ihre Dividenden dagegen schon. Damit wirken Aktien der steigenden Inflation entgegen, Bonds sind ihr voll ausgesetzt“, schließt Williams.

 

DWS Top Dividende

 

Bei der Titelselektion im DWS Top Dividende nutzt das Fondsmanagement zunächst ein quantitatives Multi-Faktor-Modell, das das globale Universum an Aktien nach Dividendenrendite, Ausschüttungsquote und Dividendenwachstum filtert. Erst dann findet die eigentliche fundamentale Analyse und Selektion statt. Fondsmanager Thomas Schüßler erläutert: „Wir achten bei der Aktienauswahl darauf, dass die Dividendenrendite für den gesamten Fonds über dem Marktdurchschnitt liegt. Schüttet ein Unternehmen jedoch einen zu hohen Teil der Gewinne oder sogar Substanz aus, besteht jederzeit die Gefahr, dass die Dividende überraschend gekürzt werden muss. Zudem sollte die Dividende im Zeitablauf nachhaltig gesteigert werden können. Dabei setzen wir vor allem auf stabile, defensive und weniger konjunktursensible Titel. Entscheidend für die Dividendenstrategie ist die Entwicklung der Zinsen auf langfristige Anleihen.“ Steigende Zinsen stellen dann ein „Problem“ dar, wenn sie innerhalb kurzer Zeit stark nach oben schießen. Zum einen fällt in solch einem Szenario die Attraktivität der Dividendenrendite im Vergleich zu Anleiherenditen geringer aus, zum anderen erhöhen sich die Finanzierungskosten für Unternehmen, die in größerem Umfang Fremdkapital einsetzen. In solch einem Umfeld entwickeln sich Aktien mit hoher Dividendenrendite oft unterdurchschnittlich. „Die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen ist nicht entscheidend, solange diese keinen Einfluss auf die langfristigen Zinsen ausübt. Diese werden in der Regel eher von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wachstums- und Inflationserwartungen) bestimmt“, weiß Schüßler.

 

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