Inhalt | Print-Ausgabe 03/2018
10.10.2018

AnFAANG vom Ende?

Die Aktienkurse fünf großer US-Technologiekonzerne kannten lange Zeit nur eine Richtung: Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google/Alphabet, inzwischen nach ihren Anfangsbuchstaben als FAANG-Aktien zusammengefasst, vervielfachten ihren Wert in den vergangenen Jahren. Viele Aktienfonds haben davon profitiert und setzen bis heute auf die Quasi-Monopolisten im großen Internet-Geschäft. Doch in den zurückliegenden Monaten erlebten die einzigen Highflyer teilweise spektakuläre Kurseinbrüche. Sind das nur zwischenzeitliche Kursschwankungen oder erleben wir den Anfang vom Ende der FAANG-Erfolgsstory?

von Dirk Arning

Als Mitte März dieses Jahres öffentlich wurde, dass die Firma Cambridge Analytica unerlaubterweise an Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern gelangt war und mittels manipulierter Nachrichten geholfen hatte, Trump ins Weiße Haus zu bringen, war unübersehbar, dass die Erfolgsstory Facebook auch Risiken birgt: Die vermeintlich kostenlosen Internet-Dienste lassen sich mit den persönlichen Daten ihrer Nutzer bezahlen – ein von den meisten Nutzern sträflich unterschätzter Preis. Neben Facebook basiert vor allem auch das Geschäftsmodell von Google auf dem Sammeln und Verwerten von Daten zum Zweck der Beeinflussung, im harmlosesten Fall in Form von Werbung, die als solche erkennbar ist. Der Facebook-Konzern verlor damals fast 18 Prozent und damit gut 70 Milliarden Dollar Börsenwert. Google traf es in der zweiten März-Hälfte mit einem Minus von vierzehn Prozent. Als Facebook und die Google-Mutter Alphabet im April ihre Geschäftszahlen veröffentlichten, drehte die Stimmung aber zunächst: Die Ergebnisse beider Konzerne übertrafen die Erwartungen. Und die Erfolgsstory schien sich fortzusetzen, alle fünf FAANG-Aktien kletterten bis zum Sommer auf neue Rekordhochs. Apple erreichte dabei als erstes Unternehmen in der Geschichte einen Börsenwert von über einer Billion Dollar, verfolgt von Amazon, dessen Wert über 900 Milliarden Dollar stieg. Die Aktien von Alphabet und Facebook notierten im Juli höher als je zuvor und sogar die Aktie des hochverschuldeten Streaming-Dienstes Netflix kletterte bis Mitte des Jahres auf neue Rekordhöhen.

Doch der nächste Rückschlag sollte alles bis dahin Dagewesene übertreffen: Als Facebook trotz gewaltiger Zuwächse bei Umsatz und Gewinn die sehr hohen Erwartungen der Investoren im Juli enttäuschte, fiel der Aktienkurs an nur einem Tag um 40 Dollar bzw. 20 Prozent. Bei einer Gesamtzahl von 2,4 Milliarden Facebook-Aktien errechnet sich daraus ein Wertverlust von 96 Milliarden Dollar – bei einem einzigen Unternehmen an einem einzigen Tag. Ein Rekord in der Börsengeschichte. Und das nicht, weil das Unternehmen in die Verlustzone gerutscht wäre, im Gegenteil: Die Rendite des Unternehmens lag mit rund 30 Prozent traumhaft hoch – aber eben unter den Erwartungen. Die Nutzerzahlen in den Kernmärkten stagnieren.

Ein ähnliches Schicksal ereilte den Kurznachrichtendienst Twitter: Schwindende Nutzerzahlen führten ebenfalls in der zweiten Julihälfte zu einem rund 20-prozentigen Kurseinbruch. Beim Google-Kurs hinterließ dagegen die höchste Wettbewerbsstrafe, die die EU jemals gegen ein einzelnes Unternehmen verhängt hat, 4,3 Milliarden Euro wegen der marktmissbräuchlichen Verbreitung des Mobilfunk-Betriebssystems Android, kaum Spuren. Das mag bei einem Gewinn von 9,4 Milliarden Dollar allein in einem Kalenderquartal und rund 90 Milliarden Dollar Barreserven für sich genommen verständlich sein, zeigt aber auch eine Gefahr für die Quasi-Monopolisten: Ihre beherrschende Marktstellung wird unter Wettbewerbsgesichtspunkten auch von Seiten der staatlichen Regulierung angegriffen.

Marktmacht

Die Börsenwerte der FAANG-Aktien enthalten Prämien für die faktische Monopolstellung in ihren Geschäftsfeldern. Umsatz- und Gewinnentwicklung zeigen den Erfolg. Aber lässt sich dieser so fortschreiben? Schon einmal glaubten Anleger, die künftigen Profiteure des Internets zu kennen. In der Tech-Euphorie der späten 1990er Jahre malten sie sich eine rosige Zukunft für viele Unternehmen aus. Doch selbst die damaligen Internet-Marktführer wie Yahoo oder AOL verloren binnen weniger Jahre massiv an Bedeutung – und Börsenwert. Die heutigen FAANG-Konzerne arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Schicksal nicht zu teilen. Dazu werden dreistellige Millionen-Dollar-Budgets in Forschung und Entwicklung gesteckt, interessante Newcomer aufgekauft oder deren Geschäftsmodelle kopiert. Als Facebook ankündigte, selbst ins Dating-Geschäft einzusteigen, brachte das den Internet-Dating-Anbieter Match ins Wanken. Match betreibt Dating-Seiten wie Tinder oder Friend- scout24. Die Sorge vor der Konkurrenz durch Facebook führte bei Match zu einem Kursrutsch von mehr als 20 Prozent. Auch der Videonachrichtendienst Snap fürchtet die Konkurrenz von Facebook. Der Internet-Gigant kopierte die Funktion, Bilder und Videos senden zu können, die nach einer bestimmten Zeit wieder verschwinden.

Selbst der Online-Bezahldienst Paypal muss die großen Konzerne fürchten: Sein früherer Mutterkonzern Ebay gibt Konkurrent Adyen den Vorzug und Amazon fördert sein eigenes Bezahlsystem Amazon Pay. Auch wenn die Macht der FAANG-Konzerne inzwischen so groß ist, dass in ihrem Schatten kaum ernsthafte Herausforderer wachsen können, besteht doch die Gefahr, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen: Alphabet und Amazon konkurrieren zunehmend um Werbeerlöse und im wachsenden Cloud-Computing-Geschäft. Gleichzeitig versucht Facebook mit seiner Marketplace-App im E-Commerce Amazon Marktanteile abzunehmen und YouTube, das zu Alphabet gehört, im Videobereich Konkurrenz zu machen. Amazon bringt sein Video-, TV- und Filmgeschäft gegen Marktführer Netflix in Stellung. Alphabet wiederum greift mit seiner Smartphone-Marke „Pixel“ u.a. Apple an.

Keine Tech-Blase 2.0

Auch wenn Vergleiche zur Dotcom-Blase nicht angebracht sind, müssen Fondsmanager, die bislang stark in FAANG-Aktien investieren, ihre Investments aufmerksamer beobachten. Die Manager des Allianz Global-HiTech Growth-Fonds, Sebastian Thomas und James Chen, haben sich beispielsweise rechtzeitig von Netflix getrennt. Auch andere Experten halten die Bewertung des Streaming-Dienstes für überzogen. Auch Face-book bewerten inzwischen viel Fondsmanager vorsichtiger. Insgesamt aber sei die Situation der Technologieaktien heute nicht mit der um die Jahrtausendwende vergleichbar. Im Gegensatz zu damals gebe es jetzt echte Gewinne und Cashflows. Paul Wick von Columbia Threadneedle wies auf die positiven Effekte aus der US-Steuerreform hin. Die FAANG-Konzerne können nun ihr Auslandsvermögen zu günstigen Konditionen zurückholen. Das Geld, das in die USA zurückgeführt werde, stehe für Aktienrückkäufe, Dividendenerhöhungen, Investitionen und Übernahmen zur Verfügung – mit positiven Auswirkungen auf die Aktienkurse.

 

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