Inhalt | Print-Ausgabe 04/2010
30.11.2010

Am Ende werden wir alle zu Billionären

Die USA unternehmen das größte Gelddruckexperiment aller Zeiten, um sich von der Finanzkrise davonzustehlen. Doch die Wall Street-Alchemisten werden nicht nur Amerika, sondern auch Europa in ein neues Finanzchaos und in den größten Bankrott aller Zeiten stürzen. Ob und welche Rettung es vielleicht noch gibt, erfahren Sie im folgenden Interview mit dem für seine düsteren Prognosen bekannt gewordenen "Dr. Doom", dem Herausgeber des "Gloom, Boom & Doom-Reports".
 

von Wolfgang Regner

FONDS exklusiv: Herr Faber, Sie bezeichnen sich als Anhänger einer Richtung in der Nationalökonomie, die dem freien Markt möglichst großen Spielraum zugestehen möchte. Sehen Sie sich durch die immer noch nicht überwundene Finanzkrise in Ihrer Position gestärkt? 
 
Marc Faber: Wenn ich in die USA blicke und mitansehe, wie dort die Obama-Regierung, im Bund mit ökonomischen Vertretern einer schmalbrüstigen Denkschule, die staatlichen Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf über alles stellt, gefuhrwerkt wird, bekomme ich den Eindruck, dass das einst so unternehmerfreundliche Amerika in den Staatssozialismus abgleitet. Und dass dieser im totalen Zusammenbruch geendet hat, ist ein politisches Lehrstück, das uns die Geschichte erteilt hat und das sich die politischen "Leaders" in den USA zu Herzen nehmen sollten. Leider hege ich diesbezüglich erhebliche Zweifel. Denn dort glaubt man allen Ernstes, dass man jede Krise des Finanzsystems ganz einfach mit frischem Geld zuschütten und alles so weiterlaufen kann wie bisher. Dies jedoch halte ich für unmöglich, ja extrem gefährlich. 
 
FONDS exklusiv: Warum eigentlich? 
 
Marc Faber: Grundsätzlich ist es so, dass ein Politiker, der die Krisenbewältigung in möglichst großen Staatseingriffen sieht, genauso agiert wie ein Forscher im chemischen Versuchslabor. Das Problem dabei: Der Chemiker kann seine Versuche beliebig wiederholen, sollte dabei etwas schiefgehen. Ein Staatsführer hat aber nur einen einzigen Versuch. Geht der daneben, ist zu befürchten, dass alles nur noch schlimmer wird. Fragen Sie mich nicht nach der Erfolgswahrscheinlichkeit von Fed-Chef Ben Bernankes Gelddruckexperiment. Ich käme in Verlegenheit, da ich diese - jedenfalls auf langfristige Sicht - mit kaum über null beziffern müsste. 
 
FONDS exklusiv: Aber wäre es nicht sinnvoll, dem Desolaten US-Arbeitsmarkt mit wohlgezielten Reformen und zeitlich begrenzten Anreizen wieder auf die Sprünge zu helfen? 
 
Marc Faber: Also, wir haben bereits zwei große Eingriffe in die US-Wirtschaft miterlebt, die zusammengenommen, das größte Experiment in der Wirtschaftsgeschichte darstellen. Erstens eine Geldpolitik, die auf Nullzinsen abzielt, und eine Notenbank ("Fed"), die auch die schlechtesten "Zombie- Wertpapiere" aufkauft, nur um die pleitegefährdeten Banken zu entlasten. Ich fürchte nur, dass sie sich dabei übernimmt und dass dann Mr. Bernanke wirklich frisch gedrucktes Geld aus dem Helikopter abwerfen muss. Bisher erfolgte das Gelddrucken ja ganz einfach auf elektronischem Wege. Mittlerweile hat die Fed ihre Bilanz derart mit zweifelhaften Wertpapieren aufgebläht, dass nicht mehr viel Spielraum für weitere größere Kaufaktionen besteht. Denn sie kauft ja auch US-Staatsanleihen und bringt enorme Mengen digitaler Dollars ins Geldsystem. Es wird eine Zeit lang dauern, aber wenn dieser Kurs weiter fortgesetzt wird, werden die "Digidollars" noch ein heilloses Chaos an den Finanzmärkten anrichten. Es wird nicht lange dauern und die gesamte US-Staatschuld ist durch diese als "Offenmarktoperationen" getarnte Vorgangsweise monetarisiert, das heißt, eine äquivalente Geldmenge ist ins Finanzsystem gepumpt worden. Das Ziel: negative reale Zinsen, was die Inflation anheizen wird. 
 
FONDS exklusiv: Und der zweite Eingriff? 
 
Marc Faber: Dieser erfolgte am US-Immobilienmarkt. Es besteht kein Zweifel, dass die Finanzkrise von dort ihren Ausgang nahm, und zwar deshalb, weil man vor allem den Wohnungssektor in ideologischer Verblendung ("Jedem Amerikaner sein eigenes Haus") so manipuliert hat, dass die Häuserpreise drastisch anstiegen und sich dadurch Immobilienkäufe eine Zeit lang quasi von selbst finanzierten. Einfach durch Höherbewertung der den Hypotheken zugrunde liegenden Häuser, wodurch Kapital für den privaten Konsum frei wurde. Doch dieses Spiel hat - wie wir nun wissen - in einem veritablen Desaster geendet. Anstatt nun jene leichtsinnigen Hauskäufer und ihre Helfershelfer, Hypothekenbanken bzw. staatlich geförderten Hypothekenankäufer Freddie Mac und Fannie Mae, pleitegehen zu lassen und sie für ihren Leichtsinn zu bestrafen, geht man wieder den Weg der kurzfristig geringsten Schmerzen. Ich dagegen meine, dass ökonomische Exzesse auch ökonomisch bestraft werden müssten, was natürlich einige Jahre einer Wachstumskrise bedeutet. 
 
FONDS exklusiv: Aber 20 Millionen Häuser befinden sich nun in den USA auf dem Weg der Zwangsversteigerung& ist das nicht hart genug? 
 
Marc Faber:
Ja, wenn das seinen normalen Gang gehen würde, doch man versucht mit allen Tricks, diese gewaltige Welle an Zwangsversteigerungen zu umschiffen. Man zielt wieder einmal nicht auf die Ursachen der Krise ab, sondern setzt auf reine Behandlung der Symptome. Indem man Inhaber fauler Hypotheken vor dem Bankrott rettet, leistet man sich einen weiteren massiven Eingriff in das freie Privatrecht - und das ist auch ein großes moralisches Problem. Die soliden Hausbesitzer fragen sich nämlich: Wozu habe ich unter vielen Anstrengungen brav gespart und mir so mein Häuschen finanziert, wenn man nun die Pleitiers rettet? 
 
Das vollständige Interview finden Sie in der Ausgabe 04/2010 von FONDS exklusiv.