Inhalt | Print-Ausgabe 02/2020
30.07.2020

Viele Optionen um Familie oder Partner g√ľnstig abzusichern

Familien genauso wie Ehe- oder Lebenspartner können mit einer Risiko-Lebensversicherung den finanziellen Notstand bei einem frühzeitigen Todesfall vermeiden. Die Gestaltungsräume sind groß. Schon bei der Produktauswahl wichtig: Im Leistungsfall sollten die Hinterbliebenen auf eine ausreichend hohe Kapitalauszahlung achten, damit das Sicherheitsnetz hält.

von Kay Schelauske

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Wer Lebensrisiken nur nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet, kann im Ernstfall bös erwachen. Denn es gibt Schicksalsschläge, die einem auch finanziell den Boden entreißen können – das ist der Fall, wenn der Lebenspartner oder der Hauptverdiener der Familie durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung zu früh aus dem Leben scheidet. Deshalb spannen viele Bundesbürger mit einer Risiko-Lebensversicherung ein finanzielles Sicherheitsnetz. Verstirbt dann die versicherte Person, zahlt der Versicherer die vereinbarte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen aus und bietet Partnerschaften und Familien damit einen belastbaren finanziellen Schutz – sei es bei Immobilienfinanzierungen, Kreditsicherungen oder der Absicherung des Lebensstandards und der Altersvorsorge.

„In der Regel kümmern sich die Menschen um diese Vorsorge insbesondere dann, wenn die großen Entscheidungen im Leben anstehen“, sagt Helmut Hofmeier, Vorstand EUROPA Lebensversicherung und nennt als Beispiele die Geburt des ersten Kindes und die Gründung einer beruflichen Existenz. Entsprechend beliebt ist dieser Todesfallschutz daher bei Familien mit mindestens einem Kind und bei Personen im Alter zwischen 35 und 54 Jahren.

 

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Versicherungsnehmern bietet der Deckungsschutz zwei zentrale Vorteile: Erstens ist das versicherte Risiko eindeutig definiert. Damit sinkt für die Hinterbliebenen im Leistungsfall das Risiko, dass das Sicherheitsnetz reißt, weil der Versicherer nicht zahlt. Zweitens sind die monatlichen Versicherungskosten überschaubar. So muss bspw. ein 30-jähriger kaufmännisch Angestellter nach einer Stichprobe unter in diesem Bereich marktbedeutenden Versicherern lediglich zwischen 30 und 40 Euro pro Monat aufwenden, um seine Familie bis zum Ruhestand mit einer Versicherungssumme von 300.000 Euro abzusichern. Dies setzt voraus, dass die versicherte Person gesund ist und nicht raucht. Allein letzteres treibt die Versicherungskosten um mehr als das Doppelte in die Höhe.

Über die gesundheitliche Situation der versicherten Person wollen sich die Anbieter auch bei der Risiko-Lebensversicherung durch eine Reihe von Gesundheitsfragen ein klares Bild verschaffen. Dabei wird nach zahlreichen Erkrankungen innerhalb der letzten fünf Jahre gefragt. Stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern oder Reha- bzw. Entzugskliniken müssen sogar über den Zeitraum der letzten zehn Jahre angegeben werden. Zudem erkundigen sich die Anbieter auch nach dem Body-Maß-Index und darüber, ob gefährliche Sportarten ausgeübt werden oder berufliche Risiken bestehen. Beim Vergleich der Fragestellungen fällt auf, dass mitunter geringe Unterschiede die Risikobewertung negativ beeinflussen können.

Beispiel Auslandsreisen und Rauchverhalten: So will die Hannoversche wissen, ob in den kommenden zwölf Monaten ein außereuropäischer Auslandsaufenthalt von mindestens halbjähriger Dauer geplant ist, während die EUROPA und die Dialog bereits auf drei Monate fokussieren. Letztere klammert die USA und Kanada ebenfalls aus, während die Interrisk danach sogar ohne zeitliche Eingrenzung fragt. Für den Versicherer ebenso die Dialog und EUROPA gilt als Nichtraucher, wer in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht geraucht hat. Die Hannoversche engt hier die Räume hingegen stärker ein, indem der Antragsteller angeben muss, ob er seit zwölf Monaten, drei oder zehn Jahren oder noch nie geraucht hat.

Wie nicht anders zu erwarten, lassen sich die Gesundheitsfragen bei den Anbietern im Zuge der Antragstellung online beantworten. „Wenn in dem vom Kunden auszufüllenden Gesundheitsfragebogen zum Antrag relevante Erkrankungen und Diagnosen bestätigt sind, ist eine Risikoprüfung erforderlich. Ansonsten gehen die Anträge direkt in die automatische Dunkelverarbeitung, im Rahmen derer Stichproben durchgeführt werden“, schildert Michael Stille den „normalen“ Verlauf. Der Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherung-AG verweist in dem Zusammenhang darauf, dass die Zahl der Gesundheitsfragen auf neun halbiert und ihre Formulierung allgemeinverständlicher gestaltet wurde.

Wie die EUROPA Versicherung hebt der Versicherer dabei seine integrierte Risikoprüfung hervor. Angepasst an die angegebenen Erkrankungen werden ein oder zwei erforderliche ergänzende Fragen sofort gestellt und bei Bedarf allgemeine Informationen eingeholt, heißt es. In Abhängigkeit von der Diagnose und den gemachten Antworten könne dann ohne weitere Rückfragen abschließend entschieden bzw. direkt innerhalb von 24 Stunden policiert werden.

Die EUROPA verweist auf ihr Online-Tool, das Vermittler und Kunden interaktiv durch den Antrag führt. Erforderliche Rückfragen werden durch das System automatisch erstellt, sodass ergänzende Fragebögen laut Versicherer zumeist nicht mehr notwendig werden. Vielmehr werde am Ende der Online-Antragstellung sofort eine Entscheidung getroffen, die die Ergebnisse der Risiko- und Gesundheitsprüfung bereits berücksichtigt. „Mit dem neuen eGesundheitsdialog werden die Prozesse im Sinne aller Beteiligten schneller. Auch unsere Vermittler profitieren, denn der von ihnen vermittelte Vertrag wird zügiger policiert“, betont Helmut Hofmeier, der als Vorstand Leben im Continentale Versicherungsverbund auch für den Versicherer verantwortlich zeichnet (Näheres hierzu im Interview auf Seite 57).

Weitere beitragsrelevante Kriterien sind natürlich das Einstiegsalter, die Vertragslaufzeit und die Versicherungssumme, die eng mit dem Absicherungsziel zusammenhängen. Bei Krediten und Immobiliendarlehen sollte der Versicherungstarif so gewählt werden, „dass die Versicherungssumme mindestens der aktuellen Restschuld entspricht“, sagt Marcus Stephan, Vertriebs- und Marketingvorstand bei der InterRisk-Versicherungs-AG. Bei der Finanzierung von Wohn- oder Gewerbeimmobilien wird deshalb ein annuitätisch fallender Tarif gewählt, während für die Familienabsicherung ein Tarif mit konstanter Versicherungssumme sinnvoller ist. Bei der Europa weist man aber darauf hin, dass der Vertrag nicht zwingend so lange laufen muss, bis zum Beispiel der Hauptverdiener im Ruhestand ist. So könne sich der Absicherungsbedarf schon dadurch verringern, wenn die Kinder erwachsen sind und ihre eigenen Wege gehen. Mit dem Angebot von vier verschiedenen Versicherungssummenverläufen und drei Beitragszahlungsarten bietet die Dialog Lebensversicherung hier die größte Flexibilität.

Anders als bei einer Hausfinanzierung ist bei der Familienabsicherung die Höhe der Versicherungssumme nicht von vorherein klar. Nach Angaben der Versicherer hilft hier aber folgende Faustregel: Bei Alleinstehenden das Dreifache des jährlichen Bruttoverdienstes, bei Familien das Fünffache. Der genaue Kapitalbedarf sollte anhand der persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse festgezurrt werden. Dabei geht es um Fragen wie diese: „Welche Kosten gilt es zukünftig über welchen Zeitraum zu bestreiten? Gibt es Kosten, wie z. B. die Ausbildung von Kindern, die zusätzlich anfallen und für wie lange? „Demgegenüber gilt es zu prüfen, welche „Ersatzeinkommen“, wie z. B. Witwen-/Witwer- oder Waisenrenten, oder sonstige freie Vermögen in welcher Höhe zur Verfügung stehen“, erläutert der InterRisk-Vorstand.

Nicht nur für die Festlegung der Versicherungssumme kann sich ein Termin mit dem Berater lohnen. Gleiches gilt auch für die gegenseitige Absicherung von (Ehe-)Paaren, die oft schon mit Blick auf die finanzielle Situation sinnvoll sein kann. Viele Versicherer bieten hierfür zwei Varianten: die „über Kreuz“- oder „verbundene Leben“-Absicherung. Letztere beinhaltet einen Risiko-LV-Vertrag, in dem sich beide gegenseitig absichern. Die Versicherungssumme wird aber nur einmal ausgezahlt. Das gilt oftmals selbst für den Fall, dass beide Partner zum Beispiel bei einem Autounfall ums Leben kommen. Anders hingegen bei der Dialog, die die Versicherungssumme dann zwei Mal auszahlt. „Ein Alleinstellungsmerkmal der Dialog ist es, dass bis zu neun Personen in einem Vertrag versichert werden können, was vor allem für Geschäftspartnerschaften interessant ist“, sagt deren Vorstandsvorsitzender und beziffert die Ersparnis gegenüber zwei Einzelverträgen auf zehn bis 15 Prozent.

Wie ist die Situation aber, wenn das Leben anders als geplant verläuft? „Die Gesamtabsicherung ist günstiger und steuerlich effizienter, wenn sich die Partner in zwei unterschiedlichen Verträgen gegenseitig versichern“, meint der Vorstand der EUROPA, die keine „verbundene Leben“ anbietet. „Zwei einzelne Verträge über „Kreuz“ abgeschlossen sind teurer als eine Partner-RLV“, sagt hingegen Arne Becker, Leiter der Produktentwicklung der Hannoversche, fügt aber hinzu: „Sie bieten jedoch den besseren Schutz, insbesondere, wenn Kinder vorhanden sind. Außerdem sind die „Über-Kreuz-Versicherungen“ bei der Auszahlung steuerfrei und können besser auf Änderungen der persönlichen Situation wie zum Beispiel eine Trennung reagieren.“ Zudem eröffnet diese Variante Paaren die Möglichkeit, dass in einem Leistungsfall keine Erbschaftssteuer anfällt, betont Hofmeier und verweist auf den geringen Freibetrag für unverheiratete Paare in Höhe von nur 20.000 Euro. Ansonsten dürften die gesetzlichen Freibeträge zumeist ausreichen, um im Leistungsfall eine Belastung durch Erbschaftssteuern zu vermeiden: Sie reichen von 200.000 Euro für Enkelkinder bis zu einer halben Million Euro für Ehe- bzw. eingetragene Lebenspartner.