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05.03.2014

Zwei Riesen im Süden erholen sich

Ist bereits die Zeit gekommen, um in Brasilien und Indien wieder einzusteigen? Entscheidungshilfe gaben zwei Fondsmanager, die auf Einladung von Nordea im Februar durch Europa tourten.

von Thomas Müller

Rio de Janeiro

Rio de Janeiro

Foto: Ortiz/Wikipedia

Galt das BRIC-Akronym von Goldman Sachs einst als Marke für aufstrebende Länder und Aktienindizes, so hat sich die Wahrnehmung inzwischen deutlich ins Negative verschoben. Besonders Brasilien und Indien wurden zu Sorgenkindern der Anleger. Die beiden Länder standen auch im Fokus des „Emerging Market Day“ der schwedischen Fondsgesellschaft Nordea, die Fondsmanager aus Rio de Janeiro und Mumbai zum Vortrag nach Wien geladen hatte. Den Anfang machte Marcelo Porto Aranha von Quest Investimentos, einer der Fondsmanager des Nordea 1 – Brazilian Equity Fund. Er leugnete nicht, dass die Lage in seiner Heimat Brasilien alles andere als zufriedenstellend ist. „Das BIP-Wachstum hat sich verlangsamt, aber das ist eine nötige Verschnaufpause im Zyklus, damit das Wachstum wieder Kraft sammeln kann. Für die nächsten zehn Jahre erwarten wird plus 3,5 Prozent pro Jahr“, zeigte sich Aranha optimistisch. Die Aktienanleger jedenfalls haben seit 2010 vom Wachstum nicht profitiert. Der Ibovespa-Index hat sich in dieser Zeit sogar halbiert und, wobei die Abwertung des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar bereits eingerechnet ist. Auf der anderen Seite seien die brasilianische Wirtschaft und die Institutionen relativ stabil und die ausländischen Investitionen hätten sich nicht reduziert, so Aranha und fügte hinzu: „Das Schuldenprofil hat sich durch längere Laufzeiten und Lokalwährungsanleihen verbessert. Nur 16% der Anleihen sind im ausländischen Besitz.“

Die Infrastruktur im Rückstand

Eine bevorstehende Dynamik sieht der Fondsmanager in der Infrastruktur des riesigen Landes, das derzeit bei internationalen Rankings schlecht abschneidet. Und das auch im Vergleich mit anderen Schwellenländern. In den nächsten Jahren werde die Regierung daher nicht umhin kommen, hier viel Geld in die Hand zu nehmen, allein schon wegen der in Brasilien stattfindenden Olympischen Spiele 2016. Investitionen von staatlicher wie privater Seite werde es auch in die Erschließung von fossilen Rohstoffen im Atlantik geben: „Zuletzt wurden die Öl- und Gaskonzessionen für das Pre-Salt-Feld Libra versteigert. Das signalisiert auch, dass die Regierung Kapital und Fachwissen aus dem Privatsektor anziehen will.“ Ansonsten konzentrieren sich die Hoffnungen, ähnlich wie in China, auf eine wachsende, konsumfreudige Mittelschicht und einen jetzt schon riesigen Inlandskonsummarkt. Bremsend könnte es sich auswirken, wenn es nicht gelingt, die teure und ineffiziente Verwaltung zu reformieren. „Die Steuerlast gehört zu den weltweit höchsten, ohne dass im Gegenzuge die Qualität der Leistungen entsprechend gut ist“, konstatiert Aranha.

Indien: Wahlen nützen Anlegern

Einen etwas anderen Zugang wählte Karun Marwah von ICICI Prudential AM, Fondsmanager des Nordea 1 – Indian Equity Fund. Er ging auf politische Faktoren ein, die zum wirtschaftlichen Umfeld mit geringem BIP-Wachstum (2013: 4,8%) und hoher Inflation (10%) hinzukommen. „Die Regierung hat einen neuen Gouverneur der Royal Bank of India eingesetzt und der Schwerpunkt der Zentralbank hat sich von der Ankurbelung des Wachstums auf die Stabilisierung der Währung verlagert. Das hat die Wirtschaft kurzfristig belastet“, erklärte Marwah. Aber wendet sich nun das Blatt? Jedenfalls die hohen Lebensmittelpreise, die die Inflation angeheizt haben, sinken dank der guten Ernte wieder. Auch bei der Leistungsbilanz sieht der Fondsmanager Besserung: So sank das Leistungsbilanzdefizit von über 6% des BIP Ende 2012 auf unter 2% Ende 2013. Zudem hatte Indien zu diesem Zeitpunkt Fremdwährungsreserven von 296 Mrd. US-Dollar auf der hohen Kante. „Deshalb ist das Land nun besser für eine Reduzierung des Quantitative Easing in den USA gerüstet. Der Kurs der Rupie erholt sich bereits langsam“, folgert Marwah daraus.

Entscheidend für einen Investor könnten aber die Parlamentswahlen im Mai dieses Jahres sein. Laut Umfragen liegt die oppositionelle Bharatiya-Janata-Partei vorne und sie hat bereits im Dezember in vier wichtigen Bundesstaaten Wahlen gewonnen. "Bis jetzt hat jede Wahl seit 1991 dem Aktienindex Auftrieb gegeben. In den auf die bisherigen sechs Wahlen folgenden zwei Jahren ist der Markt um mindestens 20% gestiegen. Nach vier der sechs nationalen Wahlen sogar um 50% oder mehr“, so der Experte. Konkret bei dieser Wahl könnte ein Sieg der Opposition einen weiteren Impuls für Reformen geben, so das Kalkül.

Teure Top 20

In seinem Fonds fährt Marwah eine klare Strategie zu Gunsten der kleineren Unternehmen im Index: „Insgesamt ist der indische Markt mit einem KGV von 17,3 nicht mehr günstig, aber die Top 20 verzerren das Gesamtbild. Lässt man diese weg, bleibt ein KGV von lediglich 11,4 übrig. So können wir von der erwarteten Rally am besten profitieren.“ Zudem sind die zyklischen Sektoren im Fonds übergewichtet, die mit einem KGV 12,8 ebenfalls günstig zu haben sind. Immerhin hat der Fonds auf diese Weise in einer Auswertung von Indien-Fonds durch Morningstar den 2. Platz erreicht (-3,29% über 12 Monate). Worauf sich die Anleger aber langfristig gefasst machen müssen: „Die Volatilität wird am indischen Markt bleiben, es wird immer rauf und runter gehen. Und die Bevölkerung wird weiter dynamisch wachsen. Eine Geburtenkontrolle wie in China wird es in Indien nie geben.“