Meldungen | Aktien, Marktkommentar
11.03.2014

Wo bleibt das Gewinnwachstum?

Gabriel Bartholdi, Aktien-Stratege der Bank J. Safra Sarasin, über das Sorgenkind Europa und was der Überraschungsfaktor mit den Unternehmensgewinnen zu tun hat.

Gabriel Bartholdi, Aktien-Stratege der Bank J. Safra Sarasin

Gabriel Bartholdi, Aktien-Stratege der Bank J. Safra Sarasin

Foto: J. Safra Sarasin

Seit der Finanzkrise hat sich die wirtschaftliche Lage wieder stabilisiert und die Risiken haben abgenommen. Viele Konjunkturindikatoren zeigen eine robuste Wirtschaftsentwicklung an. Die wichtigsten vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren sind die Einkaufsmanagerindizes. Die Einkaufsmanagerindizes der grössten Industrienationen befinden sich auf einem Niveau von über 50, was auf eine expansive Wirtschaftsentwicklung hindeutet. Ein Index-Niveau von unter 50 würde hingegen auf eine wirtschaftliche Kontraktion hindeuten. Zwar haben diese Indikatoren in jüngster Zeit etwas nachgelassen, doch der positive strukturelle Trend bleibt intakt. In einem solchen positiven Umfeld ist auch eine Beschleunigung des Gewinnwachstums bei den Unternehmen zu erwarten, was der wichtigste Treiber der Aktienmärkte ist. Das Gewinnwachstum zeigt aber ein ernüchterndes Bild. Während die USA und die Schweiz zwar ein leichtes Wachstum verzeichnen können, ist in Deutschland und den Schwellenländern das Gewinnwachstum ausgeblieben. Aus einer regionalen Perspektive präsentiert sich Europa nach wie vor als Sorgenkind. Dies wird durch die noch laufende Berichtssaison bestätigt, wo bereits rund 80% der Unternehmen die Quartalszahlen berichtet haben. Bei der Analyse der Quartalszahlen bedienen wir uns des Überraschungsfaktors. Dabei werden die Unternehmen gezählt (in % sämtlicher Unternehmen) welche positiv überraschten (Umsatz und Gewinn >1% über den Erwartungen) minus jene Unternehmen welche negativ überraschten (<1%). Während die Gewinne insgesamt leicht besser als erwartet ausgefallen sind, sind die Umsatzentwicklungen immer noch mehrheitlich enttäuschend. In Anbetracht der nach unten angepassten Erwartungen im Vorfeld der aktuellen Berichtsaison kann weder bei der Betrachtung der Gewinne noch bei den Umsätzen wirklich Freude aufkommen.

In den USA konnten 67% aller Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen, was ein guter Wert ist. Jedoch in Anbetracht dessen, dass in den USA im Durchschnitt 70% der Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen, kann fürs vierte Quartal nicht von einer überdurchschnittlichen Berichtsaison gesprochen werden. Diese hohen Werte resultieren aus der Fähigkeit der Unternehmen die Erwartungen zu beeinflussen. Aber auch in den USA zeigten die Umsatzüberraschungen eine schwächere Entwicklung. Somit zeigt die jüngste Berichtssaison, dass sowohl in Europa wie auch in den USA Gewinnwachstum über Umsatzwachstum schwierig ist. Insgesamt erhalten Aktien kaum positive Impulse aus den Gewinnentwicklungen. Entsprechend erhöht sich das Risiko für die Aktienmärkte, wenn Investoren feststellen, dass sie Preise für überdurchschnittliches Wachstum bezahlten, welches sie aber nicht in unmittelbarer Zukunft erhalten werden.