Meldungen | Marktanalyse, Marktausblick
13.02.2020

Wird die US-Vorwahl zur Belastungsprobe für die Märkte?

Das Wahljahr 2020 in den USA kann noch für jede Menge Überraschungen sorgen. Cedric Scholtes von der BNP Paribas Asset Management sagt, worauf Anleger achten sollten.

Cedric Scholtes, BNP Paribas AM

Cedric Scholtes, BNP Paribas AM

BNP Paribas AM

Das Coronavirus zieht die Märkte derzeit zwar gehörig in seinen Bann. Doch gibt es auch jede Menge weitere Schlagzeilen, die Anleger gut im Auge behalten sollten. Cedric Scholtes, Ko-Leiter des Inflation-Teams bei der BNP Paribas Asset Management, wirft in seiner aktuellen Marktanalyse einen näheren Blick auf die USA, wo das Wahljahr bereits voll angelaufen ist. Er verweist auf das Tauziehen im Handelsstreit zwischen den USA und China. Der habe sich zwar vorerst beruhigt. Dennoch seien 2020 nur geringe Fortschritte zu erwarten, eine erneute Eskalation bleibe möglich. Lesen Sie, worauf es laut Scholtes bei dem Handelsstreit, aber auch bei weiteren Punkten ankommen wird.

Handelsstreit und Vorwahlen als Risiken

Das auf chinesische Agrarimporte konzentrierte „Phase eins“-Abkommen dürfte zur Verringerung des US-Handelsdefizits beitragen. Dies räumt aber nicht die strategischen Bedenken der USA in Bezug auf Technologietransfer, Diebstahl geistigen Eigentums und Einschränkungen im Marktzugang aus.

Doch das ist nicht alles. So stellen die US-Vorwahlen der kommenden Wochen ein erheblich größeres Risiko für das Vertrauen der Investoren dar: Die Nominierung eines vergleichsweise links zu verortenden Kandidaten, wie Elizabeth Warren, könnte die Märkte empfindlich treffen. Das legen ihre vorliegenden Pläne zur Einführung höherer Unternehmenssteuern und zur Umverteilung von Einkommens- und Vermögenssteuern für Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungswesen nahe.

Die Nominierung eines solchen Kandidaten, oder einer Kandidatin, könnte für die US-Demokraten ein Eigentor sein – in Großbritannien etwa haben die britischen Wähler Jeremy Corbyn bei den letzten Wahlen abgelehnt. Die amerikanischen Wähler könnten bei einer Kandidatur von Elizabeth Warren oder Bernie Sanders ähnlich reagieren. Demnach wäre der gemäßigtere Joe Biden der Kandidat mit den besten Chancen, eine zweite Amtszeit für Präsident Trump zu verhindern. Seine Kandidatur würde auch die Finanzmärkte weniger stark durchrütteln.

Volkswirtschaftliche US-Daten sind stabil

Ansonsten sieht die Lage in den USA gut aus: „Der Gegenwind für das US-Wachstum im Jahr 2020 hat sich größtenteils gelegt, so dass wir davon ausgehen, dass die Wirtschaft die historische Wachstumsrate von zwei Prozent erreichen wird.“ Die Inflation ist aktuell kein großes Thema, der Verbraucherpreisindex ging gegenüber dem Vorjahr von 2,4 Prozent auf 2,1 Prozent leicht zurück. Der versöhnliche Ton der US-Notenbank stützt Wirtschaft und Kapitalanlagen. Und auch der Brexit ist derzeit keine große Bedrohung für das US-amerikanische oder globale Wachstum, da Unternehmen und Regierungen die Möglichkeit hatten, zu planen.

Dieser optimistische Wachstumsausblick bedeutet natürlich, dass eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank sehr viel unwahrscheinlicher wird – obwohl das Risiko einen Korrektur nach unten nach wie vor überwiegt. Insgesamt hat sich der Gegenwind für das US-Wachstum im Jahr 2020 größtenteils gelegt, so dass die Wirtschaft die historische Wachstumsrate von zwei Prozent erreichen wird. Die US-Wirtschaft nimmt weiter Fahrt auf, auch wenn der Weg noch uneben und es eine eher holperige Fahrt ist.