Meldungen | Marktanalyse
08.08.2014

Willkommen im Schildkröten-Zyklus

Nur wer ins Risiko geht, könne Rendite erzielen, meint DeAWM-CIO Asoka Wöhrmann in seinem aktuellen „CIO View“. Die dritte Phase der Aktien-Hausse habe begonnen.

Asoka Wöhrmann, CIO Deutsche Asset & Wealth Management

Asoka Wöhrmann, CIO Deutsche Asset & Wealth Management

Foto: DeAWM

Cabeção, eine Schildkröte, war für einige Wochen der Liebling der brasilianischen Fußballfans. Der Grund: Die mit 25 Jahren noch recht junge Schildkröte sagte den Sieg Brasiliens bei der Weltmeisterschaft voraus. Sie irrte. Mittlerweile gibt es sogar Gerüchte, dass Cabeção den Weg in eine Suppenschüssel fand. Doch dürfte ihr sowie vielen Artgenossen in Wahrheit ein langes und langsames Leben beschieden sein – ein Leben, das durchaus Parallelen mit der Zeitlupenerholung der Weltwirtschaft seit der Finanzkrise aufweist. Die Erholung geht mittlerweile in das sechste Jahr, und noch immer liegt die Kapazitätsauslastung in den USA, im Vereinigten Königreich und vor allem in der Eurozone unter den Niveaus historischer Aufschwünge. Damit zeigt sich erneut, dass Bilanzkrisen lange Schatten werfen. Statt zu konsumieren oder zu investieren, spart der Privatsektor und baut seine Schulden ab. Auch Investoren werden in diesen Zeiten mit Herausforderungen konfrontiert. Niedrige Leitzinsen und die unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen sorgen für geringe Erträge an den Geld- und Staatsanleihemärkten. Entsprechend greifen die Anleger verstärkt zu Unternehmensanleihen und Hypothekenanleihen. Die Zinsabstände der Unternehmens- und Hypotheken- anleihen zu Staatsanleihen haben sich folglich eingeebnet. Der Puffer, der gegen durch Zinserhöhungen verursachte Kursverluste schützt, hat sich dadurch verringert. Entsprechend entdecken mehr und mehr Investoren die Aktien- märkte als Ausweg aus dem Rendite-Dilemma.

Wer auf Aktien setzt, sollte beachten, dass die Hausse in Phasen abläuft. In der ersten Phase von 2009 bis Mitte 2011 profitierten die Aktienmärkte davon, dass die Notenbanken mit ihrer ultralockeren Geldpolitik eine Systemkrise verhinderten. In der zweiten Phase fand eine Normalisierung der Bewertungen an den Aktienmärkten statt. Der Rückblick auf frühere Kurs-Gewinn-Verhältnisse zeigt, dass mittlerweile die Aktienmärkte mehr oder weniger fair bewertet sind. In der dritten Phase, die gerade begonnen hat, dürften die Unternehmensgewinne im Mittelpunkt stehen. In dieser Phase gilt es, auf Qualität zu setzen. Zulegen dürften vor allem die Aktien der Unternehmen, die überproportional stark ihre Gewinne steigern können. Anleihen sollten Anleger dagegen untergewichten. Günther Schild, die „Werbeschildkröte“ für Bundesanleihen, wurde bereits 2012 von der Bundesregierung in Pension geschickt. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld konnten selbst sicherheitsorientierte Anleger damit nicht überzeugt werden. Aktien könnten dagegen wohl weiter gefragt bleiben – und das auch ohne Werbemaskottchen.

 

Den vollständigen CIO View mit detailierten Analysen finden Sie hier als PDF.